Unternehmen EADS in französischer Hand?
Kanzlerin Merkel und ihr Frankreichs Prädident Sarkozy beraten über die künftige Führung des Luft- und Raumfahrtkonzerns - Flugzeug-Hersteller Airbus inbegriffen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy beraten an diesem Montag über die Zukunft des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS. Am Airbus- Stammsitz im französischen Toulouse wollen sie über effizientere Managementstrukturen und die weitere Finanzierung der EADS-Tochter Airbus beraten. Das Unternehmen soll wettbewerbsfähiger gegenüber US-Erzrivale Boeing werden. Boeing hatte am vergangenen Wochenende seinen neuen Prestige-Flieger, den Dreamliner, der Weltöffentlichkeit vorgestellt - und verzeichnet bereits große Erfolge im Verkauf.
Für Merkel geht es bei dem Spitzentreffen vor allem darum, Bestrebungen des französischen Staates nach mehr Einfluss bei EADS abzuwehren. Bei Verhandlungen unmittelbar vor den Gesprächen in Toulouse zeichnete sich nach deutschen Regierungsangaben noch kein konkretes Ergebnis ab. Ob es am Montag bereits weit reichende Vereinbarung gibt, blieb offen. Es bestehe kein Zeitdruck, hieß es.
Als sicher gilt die Abschaffung der seit Jahren umstrittenen Doppelspitzen im EADS-Management, die zur Wahrung des deutsch- französischen Gleichgewichtes geschaffen wurden. Dem Vernehmen nach soll der Deutsche Thomas Enders alleiniger EADS-Chef werden. Die Franzosen sollen dafür den EADS-Verwaltungsrat sowie Airbus führen. Die Doppelspitze war Teil des EADS-Aktionärspaktes, der das deutsch- französische Machtgefüge genau austariert.
Der Pakt sieht auch vor, dass sich die Regierungen aus der Unternehmensführung heraushalten, auch wenn sie - wie der französische Staat - Großaktionär sind. Maßgeblichen Einfluss haben die industriellen Hauptanteilseigner DaimlerChrysler und die französische Mediengruppe Lagardère. DaimlerChrysler hält 15,0 Prozent, 7,5 Prozent gingen ohne Stimmrecht an ein überwiegend deutsches Konsortium aus Bundesländern und Banken. Der französische Staat hält direkt 15 Prozent, Lagardère hat bereits 7,5 Prozent abgetreten und hält nun noch 7,5 Prozent. Berlin lehnt eine direkte Beteiligung des deutschen Staates ab und setzt auf Privatinvestoren.
Sarkozy hatte zuletzt mehrfach angedeutet, das Machtgefüge aufzubrechen und den Airbus-Mutterkonzern für neue Partner zu öffnen. Kritiker befürchten, dass es der französischen Regierung letztlich darum geht, ihren Anteil zu erhöhen. Dies könnte der Fall sein, wenn sich Lagardère weiter zurückzieht. Die Balance wäre auch gefährdet, sollte Frankreich einseitig eine Kapitalerhöhung durchsetzen. Die industriellen Eigner wollten zuletzt vorerst kein frisches Geld zuschießen. Hintergrund sind unter anderem die Kosten für den neuen Langstreckenjet A350, die sich auf rund zehn Milliarden Euro belaufen. Auch nach Unternehmensangaben ist eine Entscheidung über eine Kapitalerhöhung aktuell nicht dringend erforderlich.
Merkel war am vergangenen Montag in vertraulicher Runde mit dem deutschen EADS-Co-Chef Thomas Enders und anderen Spitzenvertretern der deutschen Wirtschaft zusammengekommen. Das bestätigte am Sonntag ein Regierungssprecher. Zu Inhalten äußerte er sich nicht. Nach Angaben der «Wirtschaftswoche» ging es dabei um französische Bestrebungen zum Protektionismus sowie Sarkozys Versuche, sich den EU-Vorgaben zur Haushaltssanierung zu entziehen und die Europäische Zentralbank (EZB) vom Vorrang der Preisstabilität abzubringen. Wegen dieser Differenzen solle sich die Kanzlerin besorgt über das deutsch-französische Verhältnis geäußert haben.
- Datum 15.07.2007 - 11:09 Uhr
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- Quelle ZEIT online, dpa; 15.7.2007
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