Arbeitsmarkt Euphorie ist nicht angebracht

Die Zahl der Arbeitslosen könnte auch in Zukunft weiter sinken, sagt der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise. Doch für Langzeitarbeitslose gibt es viel zu wenige Jobs.

Der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, hat vor zu großer Euphorie über die derzeitige Arbeitsmarktentwicklung gewarnt. "Wir sollten uns jetzt nicht alle
auf die Schulter klopfen. Ich versuche bewusst zu dämpfen, obwohl es natürlich Grund zur Freude gibt", sagte Weise dem Magazin Focus . Der derzeitige Stellenboom könne noch zwei Jahre anhalten.

"Aber es ist eine sehr einseitige Entwicklung. Bei den Langzeitarbeitslosen bewegt sich immer noch zu wenig." Daran ändere auch der momentane Konjunkturaufschwung nichts. "Das ist ein strukturelles, noch nicht gelöstes Problem in Deutschland", sagte Weise. "Wir müssen gerade jetzt, wo es wirtschaftlich gut läuft, auch an die großen Probleme ran."

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Weise kündigte an, dass die Bundesagentur wieder verstärkt auf die zuvor zurückgefahrene Weiterbildung setze: "Jetzt, da es mehr Stellen gibt, lohnt sich Qualifizierung. Ich habe mich immer gegen Weiterbildung ins Blaue hinein gewehrt. Aber jetzt qualifizieren wir nicht auf Verdacht, nur auf eine konkret zu besetzende Stelle."

Der BA-Chef mahnte, die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung nicht unbedacht zu senken. Die BA müsse sämtliche finanziellen Spielräume ausreizen, um beispielsweise eine Senkung von einem Prozentpunkt zu erreichen. "Das bedeutet: Sobald die Konjunktur von den positiven Prognosen abweicht, kommen wir ins Defizit", sagte er dem Magazin. "Wenn die Konjunktur nicht mehr stimmt, müsste man die Beiträge womöglich wieder erhöhen."

Beschlossen ist bislang eine Senkung des Beitragssatzes von 4,2 auf 3,9 Prozent des Bruttolohns zum Jahresanfang 2008. Aus Union und Wirtschaft gibt es angesichts der derzeitigen Überschüsse der BA jedoch Forderungen nach einer stärkeren Reduzierung.

 
Leser-Kommentare
  1. Wird sich aber nie ändern. Die meisten Langzeitarbeitslosen sind nämlich gänzlich unqualifiziert für einen modernen Arbeitsmarkt. Darum muß für diese Menschen ein staatlicher Arbeitsmarkt her der tätigkeiten anbietet die die freie Wirtschaft schon rationalisiert hat die aber trotzdem sinnvoll sind.

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    Meiner Meinung nach hat die Wirtschaft diese Tätigkeiten nicht nur zum Spaß wegrationalisiert. Wie wäre es mit einem Beispiel?

    Meiner Meinung nach hat die Wirtschaft diese Tätigkeiten nicht nur zum Spaß wegrationalisiert. Wie wäre es mit einem Beispiel?

    • Puki
    • 14.07.2007 um 12:36 Uhr

    Viele Langzeitarbeitslose könnten schon wieder in Arbeit sein wenn man die Mittel sinnvoll verwendet hätte. Statt alle 6 Monate ein mehrwöchiges Bewerbungstraining lieber eine wirklich sinnvolle Massnahme die sich an den lokal vefügbaren Stellen orientiert. Stattdessen gibt es Weiterbildungen und Umschulungen die keinen praktischen Wert haben oder sich an Branchen richten die in den jeweiligen Regionen nicht einmal annährend den Bedarf haben.

  2. Meiner Meinung nach hat die Wirtschaft diese Tätigkeiten nicht nur zum Spaß wegrationalisiert. Wie wäre es mit einem Beispiel?

  3. Nun ja, es ist nicht so als ob eine solche Rationalisierung unumkehrbar wäre. Vielmehr scheint es so, dass Stellen unter einem gewissen Qualifikationsniveau von Gesellschaft und Gewerkschaften tendenziell als 'menschenunwürdig' angesehen werden. Das ist es dann, was dazu führt, dass Stellen, die aus Kostengründen gestrichen werden, nicht wieder geschaffen werden wenn sie aufgrund gesunkener Arbeitskosten wieder rentabel werden.

    Hier in den USA gibt es z.B. viele Jobs für die überhaupt keine Qualifikationen außer der physischen Anwesenheit notwendig ist und deren Verrichtung denen die dafür bezahlen das Leben einfacher macht. Allerdings sind das meistens Dinge, die in D. als Beispiel für die grausame Arbeitswelt in den USA angeführt werden.

    Mittelfristig sollten wir aber auch darüber nachdenken warum in D. das Schul- und Sozialsystem anscheinen darauf ausgerichtet ist ein Maximum an Niedrigqualifizierten zu schaffen.

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