Tour de France Es lebe der Radsport!

ARD und ZDF stellen die Live-Berichterstattung zur Tour de France ein. Damit wird es Profiradsport in seiner gewohnten Form bald nicht mehr geben, kommentiert Moritz Müller-Wirth.

Es ist schon viel von historischen Tagen des Sports geschrieben worden. Heute, an diesem Mittwoch, hat uns der Ereignis-Kalender nicht ganz überraschend einen eben solchen beschert: Das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Deutschland, die Sender ARD und ZDF, sind aus der Berichterstattung über die Tour de France ausgestiegen. Nach der positiven Doping-A-Probe des Telekom-Profis Patrik Sinkewitz zogen die Verantwortlichen die Reißleine - vorübergehend, wie es im Augenblick heißt, „bis die Angelegenheit“ geklärt sei.

Dennoch: dies ist ein Fanal, nicht mehr und nicht weniger. Denn es handelt sich hierbei um einen mehrdimensionalen Ausstieg. Die Sender werfen hin als Berichterstatter - und dokumentieren damit, dass das größte Sportereignis des Sommers nicht mehr zur medialen Grundversorgung zählt. Und sie werfen hin als Sponsoren - und dokumentieren damit die Fehlinvestition von Millionensummen aus Gebührenzahlertaschen in ein schon seit Jahren bekanntermaßen unsauberes Gewerbe. Schon vor Beginn der Tour hatten sich die Gremien nur mit einer denkbar knappen Mehrheit für die weitere Übertragung ausgesprochen. Die eine Stimme Vertrauensvorschuss ist nun - nach gut eineinhalb Tour-Wochen - aufgebraucht.

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Man muss über die Motive nicht lange raisonnieren, darüber, ob nun Edelmut und Aufklärungswille die Fernsehmacher getrieben haben. Doch selbst wenn nicht, selbst wenn sie allein einen Imageschaden und damit ein schlechtes Geschäft befürchtet haben, selbst dann kann der Ausstieg als ein Signal tätiger Reue gewertet werden, denn sie entziehen damit einem, wie man nicht erst seit heute weiß, ganz und gar korrumpierten Sport vorerst die Grundlage für sein Fortbestehen.

Es wird, so wie es aussieht, den Profiradsport in seiner gewohnten Form bald nicht mehr geben. Denn der lebt schon lange nicht mehr von den viel besungenen Fans an der Strecke. Er lebt von den Fernsehzuschauern, von den Quoten und von den  Bildern, die die Logos der zahlenden Sponsoren transportieren. Und sollten die deutschen Sender konsequent bleiben, werden ihnen bald die Kollegen in anderen Ländern folgen und damit dem heutigen Profiradsport ein Ende bereiten. 

Am Ende könnten also ausgerechnet die Mechanismen des Marktes dafür sorgen, dass wir bald wieder glauben können, was wir sehen. Nicht nur auf dem Bildschirm. Es lebe der Radsport! 

 
Leser-Kommentare
  1. Einstieg in die Scheinheiligkeit.

    Mit Bestürzung habe ich vom Aussteig von ARD und ZDF aus der Tour-Übertragung gelesen. Einmal als Radsportfan, aber auch als Gebührenzahler. Die Tour de France ist das drittgrößte Sportereignis und von grossem Publikumsinteresse Weltweit. Ich kann eine Übertragung des Öffentlich-Rechtlichen Fernsehens erwarten. Und keine Scheinheiligkeit der Sender, die jetzt die Moralkeule schwingen. Aber werden sie die Sportschau absetzen, wenn gedopte Fussballer auftauchen, die Olympischen Spiele nicht übertragen, die Leichtatlethik-WM auch nicht? Medien haben zu kommentieren und zu Analysieren, und das mit Anspruch und Gewissenhaftigkeit. Das bei ALLEN Ausdauersportarten gedopt wird und wurde, und das zu aller Zeit, ist bekannt. Der Radsport kann nicht "wieder sauber werden", er kann dies nur erstmalig tun. Das aktuelle Verhalten von ARD/ZDF jedoch ist in seiner Naivität und Überheblichkeit nicht zu verstehen.

    - Jan Kleinschnieder

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    • KxMai
    • 19.07.2007 um 0:48 Uhr

    Kann Iltis30 nur zustimmen. Wenn ARD und ZDF auch nur ansatzweise aus den von ihnen vorgeschobenen Gründen ihre Berichterstattung aussetzen würden, müssten sie schon lange die Übertragung von Fußballspielen ausschließen, da es da ja regelmässig zu Ausschreitungen der Fans einschließlich Tötungsdelikten und zu rassistischen Pöbeleien kommt. Oder jetzt schon verkünden, dass sie beim nächsten Dopingfall in den olympischen Disziplinen die Übertragung der Olymdiade 2008 absetzen. Hier wird doch nur der Vorwand gesucht, eine inzwischen unbequeme Altlast (Ullrich Vertrag, Ehmig Skandal u.a.) quotenwirksam zu entsorgen und gleichzeitig mit den sich anschließenden Sondersendungen und Talkshows noch Quote zu machen. Was der Zuschauer denkt lässt sich ja in dem ARD Forum trefflich nachlesen. Aber was interessiert die ÖR die Meinung der GEZ Zwangsgeld zahlenden Zuschauer.
    Klaus Mai

    • KxMai
    • 19.07.2007 um 0:48 Uhr

    Kann Iltis30 nur zustimmen. Wenn ARD und ZDF auch nur ansatzweise aus den von ihnen vorgeschobenen Gründen ihre Berichterstattung aussetzen würden, müssten sie schon lange die Übertragung von Fußballspielen ausschließen, da es da ja regelmässig zu Ausschreitungen der Fans einschließlich Tötungsdelikten und zu rassistischen Pöbeleien kommt. Oder jetzt schon verkünden, dass sie beim nächsten Dopingfall in den olympischen Disziplinen die Übertragung der Olymdiade 2008 absetzen. Hier wird doch nur der Vorwand gesucht, eine inzwischen unbequeme Altlast (Ullrich Vertrag, Ehmig Skandal u.a.) quotenwirksam zu entsorgen und gleichzeitig mit den sich anschließenden Sondersendungen und Talkshows noch Quote zu machen. Was der Zuschauer denkt lässt sich ja in dem ARD Forum trefflich nachlesen. Aber was interessiert die ÖR die Meinung der GEZ Zwangsgeld zahlenden Zuschauer.
    Klaus Mai

  2. Meiner Meinung nach die richtige Entscheidung. Soll man denn einfach zur Tages-"ordnung" übergehen, wenn festgestellt wird, dass die Diskussion der letzten Monate anscheinend nicht einmal ansatzweise für ein Umdenken gesorgt hat? Wenn die Radsport-Fans jetzt enttäuscht sind, darf die Frage erlaubt sein, wer Urheber der Enttäuschung ist: die Fernsehanstalten oder die Sportler, die mit unfairen Methoden Konkurrenten und Zuschauer jahrelang betrogen haben.

  3. Wir warten auf Samstag, einem Einzelzeitfahren oder auf Sonntag in den Pyrennäen. Senden ARD und ZDF dann wieder, können sie auch die laufenden "Überführungsetappen" zeigen. Ihre Glaubwürdigkeit als Kämpfer gegen Drogen und Korruption ist dann im Keller.

  4. Ich finde vor allem die Heuchelei von ARD/ZDF beschämend, denn die Ankündigung, auszusteigen wenn es einen Dopingfall während der Tour gibt, zeugt von reiner Profitgier. Es war doch vorhersehbar, dass es weitere Fälle geben wird, der aktuelle ist nicht einmal einer von der Tour selbst, aber gut.. Wären ARD/ZDF wirklich konsequent, hätten sie die Tour von Anfang an nicht übertragen dürfen. Umsomehr kotzt mich dieses Umherschlagen mit der Moralkeule an. Außerdem will ich mir als Radsportfan nicht vorschreiben lassen, ob ich das Rennen der Rennen sehen darf oder nicht. Ich finde ja die kritische Berichterstattung richtig, auch wenn es anstrengend ist, wenn pro Minute zehn Mal das Wort "Doping " fällt. Aufgabe von ARD/ZDF muss weiter die kritische, objektive (!) Berichterstattung sein und es kann nicht sein, dass da zwei Programmredakteure, die keine Ahnung vom Radsport haben ("Team T-Com" - Brender) über die Köpfe der Radsportfans hinweg entscheiden.
    Nunja, Eurosport wirds freuen, deren Einschaltquoten stiegen ja ohnehin schon.
    Vive le tour!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Man sollte sich seine Informationen aus vielen Quellen zusammen holen und nicht nur aus dem Fernsehen,egal welcher Sender.Viele Sportarten sind total ruiniert worden durch die vielen Profis.Der Radsport ist nur ein Beispiel.Selbst beim Fussball wird es immer langweiliger durch die vielen 'Prima Donna's'.Marathon Gewinner sind auch nur noch Geschaeftsleute.

    Man sollte sich seine Informationen aus vielen Quellen zusammen holen und nicht nur aus dem Fernsehen,egal welcher Sender.Viele Sportarten sind total ruiniert worden durch die vielen Profis.Der Radsport ist nur ein Beispiel.Selbst beim Fussball wird es immer langweiliger durch die vielen 'Prima Donna's'.Marathon Gewinner sind auch nur noch Geschaeftsleute.

  5. Die Fahrer werden also - gedopt oder ungedopt - von ARD und ZDF kollektiv mit Mißachtung bestraft, während die Journaille ihre "Sensation" hat, die sie bis zum Überdruß mit dummen Fragen ausweidet, auf die sie ebenso dumme Antworten bekommt. Wenn es Zuschauerproteste hagelt wird sich zeigen, wie standhaft die Moralapostel sind. Und dann gibt es ja noch Eurosport...

  6. Man sollte sich seine Informationen aus vielen Quellen zusammen holen und nicht nur aus dem Fernsehen,egal welcher Sender.Viele Sportarten sind total ruiniert worden durch die vielen Profis.Der Radsport ist nur ein Beispiel.Selbst beim Fussball wird es immer langweiliger durch die vielen 'Prima Donna's'.Marathon Gewinner sind auch nur noch Geschaeftsleute.

    • Medley
    • 18.07.2007 um 17:21 Uhr

    ....ohne Doping nicht denkbar. Der menschliche Körper ist ab einem gewissen Punkt am Ende seiner Leistungsfähigkeit angelangt. "Weiter gehen" kann er dann nur, wenn er sich dopt. Entweder technisch, indem er Hilfmittel wie PS-starke Motoren zu Hilfe nimmt, oder halt chemisch mit "Epo" und Co.

    @Kleinschnieder

    Sie haben recht! Die volkserzieherischen Attitüden können sich die Programmdirektoren der deutschen Staatssender ARD und ZDF allein schon deshalb sparen, da sie nur halbherzig und von daher auch verlogen sind. Im Radsport opernhaft das Hohelied der Moral schmettern, aber ansonsten den Schlager des "Buissines-as-usual" trällern, das passt nicht zusammen.

    ---

  7. Stell Dir vor, es gebe Doping und keiner geht hin. Die Entscheidung der Sender ist goldrichtig unter jedem Aspekt: Entweder zwingt es den Radsport zu wirksamen Dauerkontrollen (anstelle von Stichproben) oder (was mir auch egal wäre) man gibt das Doping bewusst frei, staunt über die übermenschliche Hatz über die Berge und nimmt in den Kauf, dass hie und da einer tot vom Rad fällt (er war ja doch nur ein consenting adult). Mein Gott: Auch im Motorsport gibt es Tote!

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