Echolot Hirntote gegen Monika Griefahn
Deutsche HipHopper greifen reimend den Feind an: Es ist eine Frau von der SPD. Auch sonst viel Verwirrung, Prince bei den Zeugen Jehovas und Aquarelle von Marilyn Manson. Unsere Musikpresseschau
Die talentiertesten Musiker fallen von einem Tag auf den anderen aus der Welt . Oft sind es die Drogen: Brian Wilson , Syd Barrett , Roky Erickson , Sly Stone . Oder es ist die Religion. Cat Stevens konvertierte 1977 zum Islam und wollte zuerst gar nicht und zuletzt nur noch als Yusuf Islam musizieren. Prince spielte zwar weiter, doch seit er den Zeugen Jehovas beitrat, mit mäßigem Erfolg. Gerade hat er mal wieder ein Album eingespielt. Der Titel Planet Earth scheint Programm. Ach, hätte Prince sich doch nur "inbrünstiger" um seine Musik gekümmert als um Mutter Erde, seufzt Michael Pilz in der Welt . Die Gitarre sei sein Hirtenstab. Er singe über den Himmel, das Königreich und die Liebe zur Gitarre. Nur: "Niemand kann die Liebe hören, keiner kauft ihm das ab." Die Heldentaten von ehedem ließen sich heute nur noch ahnen. Ach, Prince!
Ein Ereignis scheinen die Auftritte von Prince nach wie vor zu sein. Als er in diesen Tagen auf dem Montreux-Festival war, wurde dies zwar vielfach angekündigt. Ausführlich berichten wollte jedoch niemand, weder Tobi Müller in der
Frankfurter Rundschau
noch Ueli Bernays in der
Neuen Zürcher Zeitung
.
Stattdessen widmeten sich beide dem Auftritt der englischen Supergruppe The Good, The Bad And The Queen , die Anfang des Jahres eine Platte veröffentlicht hat. Wegen dieser musikalischen "Feinkost" sei man schließlich gekommen, schreibt Müller. "Die Band spielt die Platte, vom Anfang bis zum Schluss. Just zu dem Zeitpunkt, wenn die Konsumenten Songs statt Alben hören, hat die Aufführung von ganzen Werken im Pop Konjunktur. Das ist rührend, aber auch einengend. Die luftigen Stimmungen des Dub und die sicheren, kühnen Linien des Sängers dürfen so nie weit fliegen. Diese Disziplin hat etwas schön Unrockiges. Doch der forcierte Dub verdiente auch mal großzügigere Zimmer. In Nature Springs vermittelt die Band eine Ahnung von dieser Großzügigkeit. Der Falsett-Chor wird gestützt von einem entrückenden Streichertrio, Tony Allen erhöht den Druck ganz leicht. Und das Ende des Liedes kriegt ein wenig Auslauf. So wirken diese magisch-realistischen Vignetten eines Londons abseits der teuren Menschen- und Warenströme noch viel griffiger. Und das Kleine wird ganz groß. Wie Montreux während des Festivals."
Ueli Bernays ist von der englischen Band enttäuscht. Albarn und seine Mannen hätten zwar einen "berückenden Liederzyklus zum Thema London komponiert", im Konzert hemme die Nähe zur Platte aber den Spielfluss. "Kaum eine Improvisation war zu hören und kaum eine dynamische Variation." Auch Herman Dune , die Bernays fälschlicherweise als Ein-Mann-Projekt betrachtet, finden nicht sein Wohlwollen. Einzig die Beastie Boys "unterstrichen (...) ihren Ruf als eine der witzigsten und besten (Live-)Bands der letzten Jahrzehnte".
Können Musiker aquarellieren? Brian Hugh Warner, bekannt als Marilyn Manson , kann es nicht, wenn man Klaus Honnef glauben möchte, der in der Welt ein vernichtendes Urteil über die Aquarelle des Rockers fällt.
"Vermag seine Musik, namentlich das frühe blasphemische Album Antichrist Superstar sensible Naturen noch zu gruseln, bleibt er als Bildkünstler weit unter der Meßlatte, die in punkto Schauerliches die zeitgenössische Kunst längst aufgelegt hat. Seine erstmals in Deutschland gezeigten Aquarelle muten denn auch so grausam an wie die Sahnetorten im Schaufenster einer Konditorei nahebei." Heraus komme eine "lausige Horror-Picture-Show". Dabei male Warner noch ganz ordentlich, "wie Elke Sommer als Schauspielerin auch".
- Datum 17.07.2007 - 10:17 Uhr
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