Rushdie-Lesung "Es hätte enorme Symbolwirkung"
Mit seinem Vorstoß, die "Satanischen Verse" von Salman Rushdie in einer Kölner Moschee zu diskutieren, hat der Journalist Günter Wallraff eine heftige Debatte losgetreten. Im Interview mit ZEIT online erklärt er seine Motive.
ZEIT online: Herr Wallraff, für Ihren Vorstoß, Salman Rushdies "Satanische Verse" in der Moschee in Köln-Ehrenfeld lesen zu lassen, haben Sie eine sehr kontroverse Debatte ausgelöst.
Günter Wallraff: Ja, damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Die Diskussion schlägt unglaubliche Wellen. Das Verrückte dabei ist: Ich werde im Moment eher von bestimmten Feuilletonisten angegriffen als von den Mullahs.
ZEIT online: Haben Sie von Seiten der muslimischen Gemeinde gar keine Kritik erfahren?
Wallraff: Bisher nicht. Vielleicht, weil bekannt ist, dass ich meinen Vorschlag nicht als Provokation losgelassen habe, sondern aus einer aktuellen Situation heraus. Ich wurde aufgefordert, Mitglied des Moscheebeirats zu werden. Grundsätzlich befürworte ich den Neubau dieser Moschee, aber ich wollte mich nicht als Abnicker hergeben. Als es dann hieß, in der Moschee sollten auch Kulturveranstaltungen und offene Diskussionen stattfinden, entstand ganz spontan mein Vorschlag: Dann fangen wir doch mal mit dem verfemten Buch von Salman Rushdie an.
ZEIT online: Das kann man schon als gezielte Provokation auffassen. Wie hat der Trägerverein der Moschee, Ditib, diesen Vorschlag aufgenommen?
Wallraff: Erstaunlicherweise hat der Bevollmächtigte der Ditib, Bekir Alboa meinen Vorschlag überhaupt nicht als Provokation verstanden. Zwei Tage später habe ich ihn und andere Vertreter der Moscheengemeinschaft zu mir nach Hause eingeladen und wir haben in einem konstruktiven Gespräch über die Lesung gesprochen. Wir müssen nun noch auf die Zustimmung der Vorstände der Moscheengemeinschaft warten, die momentan im Urlaub sind.
- Datum 22.07.2007 - 03:33 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 18.07.2007
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Als Oberschlesier habe ich erwartet, das ein deutscher Papst sich endlich bekennt, dass das Christentum (und alle andere Religionen mehr oder weniger) ein Schwachsinn und Verblödung ist und dem Staat nur zur Versklavung hilft. Es ist wirklich schon Zeit für neue Aufklärung, u.a. um Terrorismus zu stoppen.
Was ist das für ein skurriler Kommentar?
Welche Rolle spielt es für deine Ansichten über das Christentum, dass du in Oberschlesien und nicht in Zentralpolen geboren bist und welchen Unterschied macht es, ob der Papst deutschstämmig ist? Wo ist da der Zusammenhang und wo ist der Bezug zum Artikel? Ist 13 etwa dein Alter? ;-)
Zum Inhalt des Kommentars:
- Kirche und Religion ist weder dasselbe noch das gleiche.
- Ein Staat hat (in der Regel) nicht die Versklavung seiner Bürger als Ziel.
- Verblödung geschieht durch schlechte schulische Bildung. Das ist ein Thema hier in Deutschland.
Mögliche weitere Bedingungen: Als nächstes müssen die in ihrer kölner Moschee die Erotik-Messe abhalten oder gar einen Fäkalkünstler einladen, damit sie akzeptiert werden.
G. Wallraff unterstelle ich tatsächlich keine Provokation. Er hat seine eigenen Beweggründe, die mit seinem Freund S. Rushdie und der unsäglichen Khomeini-Fatwa verbunden sind.
Das der DITIB mit Bekir Alaboga da mitmacht ist überraschend positiv zu werten. Auch Moslems sollten den - mit Verlaub - Rushdie-Schrott lesen.
Ich glaube aber, dass sich Herr Alaboga hart an der Grenze bewegt. Offenheit, Transparenz und Dialog selbstverständlich und gut! Aber ob man - um zu Gefallen - sich derart pervers verbiegen muss??
können wir ein paar Holocaust-Revisionisten nach Berlin einladen, um mit ihnen neben dem Holocaust-Denkmal zu "diskutieren". Die Revisionisten meinen es auch nicht als Provokation, sondern glaube wirklich, dass Diskussionsbedarf besteht.
Das ist nicht ernsthaft gemeint, aber vergleichbar mit dem was Herr Wallraff vorhat: über "die satanischen Verse" in einer Moschee diskutieren.
Herr Wallraff kann sich mit Rushdie bei McDonalds treffen um zu diskutieren. Die Muslime müssen sehr verzweifelt sein, wenn sie ihn in den Moscheebeirat aufnehmen möchten.
Die Aktion macht Hoffnung. Zumal sie im Einvernehmen und mit der Religionsbehörde zusammen gemacht werden soll.
Bisher war ich gegen den Moscheebau in Köln. Bei so viel unverhoffter Offenheit der Muslime und der Möglichkeit einer öffentlichen Distanzierung der gesamten türkischen Religionsbehörde zur Rushdie-Fatwa überdenke ich meine Meinung noch einmal.
Ich hatte schon vor diesem Artikel von der geplanten Lesung Wallraffs gelesen (als erstes in der Bild beim Friseur). Aber auch in vielen anderen Kommentaren. Dort wurde die Aktion immer als Provokation beschrieben und bewertet. Davon, dass Wallraf in den Moscheebeirat soll, lese ich hier zum ersten Mal. Hat er das bewusst verschwiegen, um die deutsche Presse ein wenig zu provozieren? Oder ist das Niveau der deutschen Presse wirklich schon so niedrig?
Überigens: Schon seit vielen Jahren ist es in unserer katholischen Gemeinde Tradition, vor Ostern im Klosterkino das "Leben des Brian" zu zeigen. Letztens im Doppelpack mit der "Passion Christi". Das war eine echte Gaudi und hat auch zu angeregten Diskussionen geführt (aber ehr über die "Passion Christi").
@bspiesser
Die Nazikeule. Gääähn.
Wenn die Muslime schon so verzweifelt sind, ist das meines Erachtens ein gutes Zeichen. Leider sehe ich aber nicht, dass sie sich deshalb so bald von ihrem perversen Aberglauben abwenden. Der Islam ist zwar eine menschenverachtende Ideologie, aber auch eine Religion und steht damit unter dem Schutz des Grundgesetztes. Und es gibt viel mehr Moslems, als notorische Holocaustleugner. Wir werden also mit ihnen irgendwie friedlich zusammenleben müssen.
Die Distanzierung von der Rushdie-Fatwa und die Lesung seines Werkes in einer Moschee sind zwei verschiedene Dinge.
Wallraff hat nichts verschwiegen, das mit Beirat war von Anfang an bekannt.
Was Sie in Ihrer katholischen Gemeinde tun und lassen, hat mit dem Fall hier gar nichts zu tun. Von mir aus können Sie dort auf das Kreuz pinkeln, das ist Ihre Sache.
Ich wünsche mir eine starke und selbstbewusste muslimische Gemeinde in Deutschland, das ist auch das beste Mittel gegen Terror.
Genau! Es ist eine Sache, zu murmeln: brummel, brummel ... bedauernswert, wenn durch so eine Fatwa Unschuldige zu Schaden kommen sollten... brummel... nicht im Sinne des Islam... brummel... Religion des Friedens...
Es ist eine andere Sache, sich auch mit Taten zu distanzieren. Und genau solch eine Tat ist es, Wallraff in der Moschee die Satanischen Verse lesen zu lassen.
Danke, dass Sie mir erlauben, auf das Kreuz zu pinkeln. Warum ist es dann nicht Wallraffs Sache, aus den Satanischen Versen zu lesen?
[enfernt, bitte bewahren Sie eine Grundachtung vor dem Recht auf Glaubensfreiheit/ Redaktion]
[entfernt, bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen auf die Religionsfreiheit/ Redaktion]
Genau! Es ist eine Sache, zu murmeln: brummel, brummel ... bedauernswert, wenn durch so eine Fatwa Unschuldige zu Schaden kommen sollten... brummel... nicht im Sinne des Islam... brummel... Religion des Friedens...
Es ist eine andere Sache, sich auch mit Taten zu distanzieren. Und genau solch eine Tat ist es, Wallraff in der Moschee die Satanischen Verse lesen zu lassen.
Danke, dass Sie mir erlauben, auf das Kreuz zu pinkeln. Warum ist es dann nicht Wallraffs Sache, aus den Satanischen Versen zu lesen?
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Genau! Es ist eine Sache, zu murmeln: brummel, brummel ... bedauernswert, wenn durch so eine Fatwa Unschuldige zu Schaden kommen sollten... brummel... nicht im Sinne des Islam... brummel... Religion des Friedens...
Es ist eine andere Sache, sich auch mit Taten zu distanzieren. Und genau solch eine Tat ist es, Wallraff in der Moschee die Satanischen Verse lesen zu lassen.
Danke, dass Sie mir erlauben, auf das Kreuz zu pinkeln. Warum ist es dann nicht Wallraffs Sache, aus den Satanischen Versen zu lesen?
[enfernt, bitte bewahren Sie eine Grundachtung vor dem Recht auf Glaubensfreiheit/ Redaktion]
Wallraff war einer der mitverantwortlichen Herausgeber von „Die Satanischen Verse“ in Deutschland just in der Zeit, als der japanische Übersetzer des Textes ermordet, der italienische Übersetzer schwer verletzt und auf den norwegischen Verleger ein fehlgeschlagenes Mordattentat verübt wurde. Er zeichnete damals für den eigens geschaffenen „Artikel 19 Verlag“. Dass dies und ganz konkrete andere Umstände Wallraff dazu inspiriert haben, eine neue Initiative zu ergreifen, ist leicht nachzuvollziehen, insbesondere wenn man ergänzend das Interview im Kölner Stadt Anzeiger liest (http://www.ksta.de/html/a...).
Warum nicht? Der Vorschlag ist mehr als nur aller Ehren wert.
Man sollte dem Vorhaben als solchem aber nicht heute schon die Bedeutung eines Gradmessers zuschreiben. Denn erst Inhalt und Form einer solchen Lesung/Diskussion (alleine diese Unterscheidung intendiert bereits Gewichtungen) werden zeigen, inwieweit tatsächlich von einer Strahlwirkung gesprochen werden kann.
Im Rahmen einer solchen Veranstaltung würde Literatur besprochen, nicht ein theologisches Fundament. Vergleichen könnte man es etwa mit einer Lesung/Diskussion im Zusammenhang mit den Apokryphen oder Agraphen, wenn sie Eingang in Literatur gefunden haben. Eine Diskussion um „Sakrileg“ von Dan Brown etwa, im Rahmen einer kulturellen Veranstaltung einer christlichen Gemeinde. Nun liegt nichts ferner, als die literarischen Qualitäten von Brown und Rushdie miteinander vergleichen zu wollen. Sie haben aber eines gemeinsam: Beide Autoren haben sich den Zorn von Fundamentalisten zugezogen. Und einen Unterschied: Während christliche Eiferer zwar vor Zorn bebten, hat doch keiner ihrer höchsten Repräsentanten zur Ermordung des Autors von „Sakrileg“ aufgerufen. Ajatollah Ruhollah Musawi Chomeini in seiner Doppelrolle als staatliches und religiöses Oberhaupt dagegen hat nicht nur das getan, sondern auch ein hohes Kopfgeld auf Rushdie ausgesetzt. Weder das eine noch das andere sind bis heute aufgehoben.
Leicht könnte man sagen: Es geht „nur“ um Literatur oder auf der anderen Seite, wie steht es um die Meinungsfreiheit bei Muslimen. Beide Betrachtungsweisen verkürzen den Horizont. Dass sich die Exponenten des DiTiB, die Angehörigen der Moscheegemeinschaft und die Teilnehmer einer solchen Lesung auf höchst gefährliches Terrain begeben, liegt nämlich auf der Hand. Und dass sich nicht jeder von ihnen in einer eventuellen Märtyrerrolle zugunsten säkularer Grundsätze gefallen würde, auch. Wallraff legt Wert darauf, sich jeweils die richtigen Feinde zu machen. Alleine das ist schon ein Symbol. Er und Bekir Alboga sollten Nachahmer finden.
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