Kunst Aus den Kellern in die Welt
Weil ihre Depots überquellen, versteigern niederländische Museen nun rund 1400 Kunstobjekte auf der Internetauktions-Plattform eBay. Kritiker beschimpfen die Aktion als einen Ausverkauf von Bildern, die keiner mehr haben will. Bei eBay entscheidet indes allein der Käufer über den Wert der Objekte
Früher brachte man Sachen, die man nicht mehr brauchte und loswerden wollte, zum Flohmarkt. Fanden sie dort keine Abnehmer, kamen sie auf den Sperrmüll. Heute muss kein noch so scheinbar wertloses Ding herrenlos bleiben. Denn es gibt eBay, das Internetauktionshaus. Dort hat beinahe alles für mindestens eine Person einen Wert, und sobald noch jemand mitbietet, steigt nicht nur der Preis, sondern auch die Attraktivität des Objekts für weitere Bieter.
Das dachten sich auch niederländische Museen und stellten Kunstwerke auf den virtuellen Marktplatz, die sonst der Verstaubung oder gar Zerstörung anheimfielen. Die Depots sind voll, die Lagerbestände passen nicht in die Sammlung, manche Bilder sind doppelt vorhanden, also bieten Museen seit dem 4. Juli auf der niederländischen eBay-Seite rund 1300 Kunststücke an: Gemälde, Zeichnungen, Drucke und Skulpturen, aber auch Tische, Stühle und Kleider. Rund 100 weitere Kunstgegenstände werden am 23. Oktober 2007 im Venduehuis in Den Haag ganz traditionell versteigert.
Die Kunstversteigerung liegt federführend in der Hand des Amsterdamer Instituut Collectie Nederland (ICN), das es sich zur Aufgabe gemacht hat, das kulturelle Erbe der Niederlande zu schützen und zu fördern. Seine Mitarbeiter beraten unter anderem andere Museen, wie sie ihre Bestände und Sammlungen bestmöglich erhalten, erneuern und anreichern und kamen im vergangenen Jahr auf die Idee, Kunstobjekte zu versteigern. Mit dem Erlös könnten die Museen neue Kunst für ihre Sammlungen ankaufen.
Neben dem ICN nehmen fünf kleine, renommierte Museen an dem Internet-Pilotprojekt teil und versteigern Teile ihrer Sammlung: das auf moderne und angewandte Kunst spezialisierte Centraal Museum in Utrecht, das städtische Museum De Lakenhal in Leiden, das Kommunikationsmuseum in Den Haag, das MuseumgoudA in Gouda und das Industriemuseum Industrion in Kerkrade.
Durch das Versteigern im Netz, teilte das ICN mit, erhielten Kunstliebhaber und Sammler die "wunderbare Möglichkeit, einzigartige, seltene und wertvolle Kunstobjekte" zu ergattern. Manche Kunstexperten sehen das freilich kritischer: Als "Aderlass" und "Großreinemachen" bezeichnete die Auktionen die Internetausgabe des NRC Handelsblad . Die Objekte, die via eBay abgestoßen werden, sind in den Augen der Kritiker Restposten, die einst von öffentlichen Geldern eingekauft wurden und die jetzt keiner mehr haben will.
Dass sich in den Niederlanden nämlich überhaupt so viel Kunst in den Lagern stapelt, liegt unter anderem an der staatlichen Förderung BKR, der Beeldende Kunst Regeling , die bis in die 1980er Jahre reichte: Demnach verpflichteten sich vom Staat subventionierte Künstler, pro Jahr ein Kunstobjekt an die Museen abzutreten beziehungsweise zu verkaufen. Vieles davon passte aber entweder nicht in die Sammlungen oder war sogar so schlecht, dass es nie ausgestellt wurde.
"Die einfachste Lösung wäre, alles in ein Magazin zu schließen und den Schlüssel wegzuschmeißen", zitierte das NRC Handelsblad den Projektleiter Frank Bergevoet. Stattdessen stellt das ICN eineinhalb Millionen Euro für das Projekt bereit. "Viel Geld, wenig Profit", lautet denn auch die Kritik. Ist das Ganze also ein teurer Ausverkauf von Ramsch? Laut Organisatoren feierte das Projekt gleich in den ersten Auktionen Erfolge: "Wir sind völlig überrascht von dem bisherigen Ergebnis", sagt Institutssprecherin Marina Raymakers. Alle feilgebotenen Objekte seien auf großes Interesse gestoßen und hätten teilweise hohe Gebote erzielt.
- Datum 17.07.2007 - 06:34 Uhr
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