Gerechtigkeit Arbeiter mit Marktmacht
Die Lokführer wollen mehr Geld. Was andere Eisenbahner bekommen, ist ihnen gleich. Ist das gerecht? Zumindest verspricht die Methode Erfolg
Ist das gerecht: 30 Prozent mehr Lohn, aber nur für ein Viertel der Belegschaft – der Rest muss sich mit 4,5 Prozent Zuwachs zufrieden geben? Nur, weil Lokführer ganze Züge stilllegen können, Fahrkartenverkäufer aber nur ihren Schalter, während die Reisenden zum Automaten eilen? Die spinnen, die Lokführer.
Oder doch nicht? An diesem Freitag verhandelt die Gewerkschaft der Lokomotivführer mit der Bahn über einen separaten Tarifvertrag. Die Gespräche werden wahrscheinlich zu nichts führen, die Bahn lehnt eine Sondervergütung ab. Hartmut Mehdorn, ihr Chef, hält die GDL für einen Haufen Querulanten, die andere, große Bahngewerkschaft Transnet beschimpft ihre Lok-Kollegen als unsolidarisch.
Doch Mehdorn wie Transnet gehen einem Prinzip in die Falle, dass sie sich mit dem geplanten Börsengang der Bahn so sehr wünschen: dem Wettbewerb. Die deutsche Tariflandschaft wandelt sich. Das Marktprinzip löst immer häufiger die alten Regeln der bundesrepublikanischen Aufstiegsgesellschaft ab. Je stärker aber Unternehmer Löhne und Arbeitsbedingungen alleine nach dem Markt ausrichten, desto mehr zwingen sie die Beschäftigten dazu, sich über ihren eigenen Marktwert klar zu werden. Viele kommen zu der Erkenntnis: Ich bin unterbewertet. Manche haben sogar die Macht, das zu ändern oder es zumindest zu versuchen.
Jahrzehntelang wurde die Gesellschaft in Westdeutschland davon geprägt, dass zwar nicht alle gleich viel hatten, aber jeder wusste, dass er in fünf Jahren mehr haben würde als heute. Soziale Unterschiede blieben überschaubar, Löhne wurden nach allgemeinen Regeln und der Lebenssituation des Mitarbeiters bemessen. Dafür sorgte der Flächentarifvertrag.
Vorbei. Längst verdienen Spitzenmanager gewaltige Topgehälter, während ein durchschnittlicher Vollzeit-Arbeitnehmer heute inflationsbereinigt weniger bekommt als 1998. Tarifregeln werden löchrig, überall vereinbaren Unternehmen Öffnungsklauseln, 600 alleine in der Metall- und Elektroindustrie. Im vergangenen Jahr forderte der Arbeitgeberverband Gesamtmetall sogar eigene, schlechtere Tarifbestimmungen für bestimmte Beschäftigte, beispielsweise für Kantinenmitarbeiter oder Reinigungspersonal. Selbst der Staat konkurriert mit sich selbst darum, wer den günstigsten Lohnabschluss herausholt: Die Länder haben sich aus der Tarifgemeinschaft des Öffentlichen Dienstes verabschiedet, einzelne Städte sprechen mit Gewerkschaften über Sondertarifverträge.
Manchmal aber schnappt die Falle zu, und zwar immer dann, wenn sich Funktionseliten ihrer Macht bewusst werden. Ohne Piloten fliegt kein Flugzeug. Ohne Ärzte schließt jedes Krankenhaus. Ohne Lokführer fährt kein Zug. Ist es Erpressung, wenn diese Berufsgruppen mehr Geld verlangen und mit Streik drohen? Gegenfrage: Erpresst die Bahn ihre Kunden, wenn sie die Preise erhöht? So funktioniert der Markt. Jeder versucht, das Beste für sich herauszuholen.
- Datum 14.07.2007 - 12:48 Uhr
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Wo findet sich noch ein Fahrkartenschalter, wo man sich innnerhalb von 10-12 Minuten mit Sicherheit eine Fahrkarte erhält? Wann wird richtig kontrolliert? Woher kam das Problem mit den Graufahrern?
Wer von uns würde seinen Job behalten, wenn er so arbeiten würde wie die Bahnangestellten?
Vor etwa fünfzehn Jahren, war die Pünktlichkeit der Bahn sprichwörtlich: "Pünktlich wie die Eisenbahn!". Das glaubt mir heute keiner mehr.
Was ist passiert???? Hat mal jemand augerechnet, welcher volkswirtschaftliche Schaden seither entstanden ist?
Was ist mit jenen Pendlern die keine Gleitzeit haben und pünktlich erscheinen müssen?
usw.
Manager, einschliesslich Herrn Mehdorn, rechtfertigen hemmungslos ihre eigenen exorbitanten Saläre ( hier sprechen wir von Beträgen und Steigerungsraten, die um ein Vielfaches über den Gehältern der Mitarbeiter liegen ) mit dem erreichten Geschäftserfolg.
Dass nun die Mitarbeiter ausserhalb dieser Etagen ihren Anteil am erzielten Geschäftserfolg nach diesem Vorbild einfordern und ihren Marktwert erkennen ist eine logische Konsequenz.
Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr. Gewerkschaften können nicht funktionieren, wenn sie konkurrieren. Anstatt ihre Schlagkraft in den Dienst der ganzen Belegschaft zu stellen, gibt es einen Alleingang der GDL ohne Rücksicht auf ihre Kollegen. Mehdorn lacht sich ins Fäustchen, denn selbst, wenn die GDL 20% Zuwachs erhält, kommt die Bahn billig weg. Zahlen dürfen das die Wasserträger (Technisches Personal, Reinigungskräfte, Serviceleute)die dann mit Steuergeldern auf Hartz IV-Niveau subventioniert werden. Es lebe die internationale Solidarität.
Ich halte eine Lohnerhöhung von über 30% für übertrieben und unverhältnismäßig. Begründung:
Unbestritten ist der Beruf des Lockführers von einem hohen Maß an Verantwortung gekennzeichnet. Verständlich ist auch, dass angesichts der exorbitanten Entlohnung der Unternehmensführung der Wunsch nach Gewinnbeteiligung und monetärer Anerkennung entsteht. Aber die Forderungen der GDL sind ungerecht gegenüber anderen Bahnmitarbeitern mit ebenso großer Verantwortung (man denke nur an die Auswirkungen, wenn ein Kollege einen Fehler beim Bedienen bzw. Überwachen eines Signals oder Stellwerks macht). Mir missfällt zudem die Verhätnismäßigkeit zwischen Entlohnung und dem Anforderungsprofil des Berufes. Mit Verlaub, mir ist sehr wohl bewußt, dass die Ausbildung zum Lockführer einen gewissen Anspruch hat. Aber ein Vergleich (wie in der öffentlichen Diskussion) mit Piloten halte ich für unangemessen. Wer dies nicht nachvollziehen kann, der vergleiche bitte die Anforderungsprofile inkl. der Zugangsvoraussetzungen beider Berufe.
Beim Thema Verantwortung: Wen stört es eigendlich, wenn ein Taxifahrer, welcher täglich einen Bus behinderter Kinder steuert, weniger verdient als es die hiesige Armutsgrenze definiert?
Ich selbst werde nach 5-jährigem Studium (und zweijähriger Offiziersausbildung) nicht besser bezahlt als die öffentlich bekannten Einstellungsgehälter der GDL (und komme damit gut aus). Aber das die Frage der Verhältnismäßigkeit von Anforderungen bzw. Ausbildung und Entlohnung zwischenzeitlich aus dem Blickfeld einiger Mitmenschen gerückt ist, erscheint mir als ein generelles Problem.
Gerechtigkeit definiert sich nicht pauschal über bestimmte Berufsgruppen und deren Bezahlung, gleichmacherei hat garnichts mit "Gerechtigkeit" zu tun und wenn ein Lokführer heute de facto soviel verdient wie ein höherer Fahrkartenverkäufer im "ReiseZentrum" dann ist das gewiss nciht gerecht. Das heißt aber nicht der Verkäufer soll weniger bekommen, sondern der Lokführer mehr. Auch was Arbeitsbelastung und persönliche als auch Verantwortung für andere angeht. Macht der Lokführer was falsch und etwas passiert, er landet im Knast. Was passiert dem Fahrkartenverkäufer?
Und Generell wird Leistung nach wie vor nicht belohnt in diesen Massenverträgen. Meine Mutter hat sich auf eigene Kosten zur Fachkrankenschwester weitergebildet, ist jetzt auch stellvertretende Stationsleitung (was NUR mehr Arbeit bedeutet, keinen Cent mehr bezahlung) und engagiert sich auch sonst viel in der Arbeit. Sie verdient genausoviel wie mancher fauler Kollege der es sich im unkündbaren Angestelltenberuf bequem gemacht hat und für die seine Patienten nur beim Zeitung lesen im Stationszimmer stören. Wo ist da "Gerechtigkeit"? Der Flächentarifvertrag stammt aus einer Zeit wo die Arbeitswelt aus großteils simpleren aber körperlicheren Arbeiten bestand wo es nicht auf "Engagement" ankam sondern eben darauf zu tun was einem der Vorarbeiter sagt. Die Arbeit wurde halt entweder gemacht oder nicht. Dieses "Malochen" was offensichtlich viele noch im Kopf haben gerade unter den älteren existiert aber sogut wie garnicht mehr und ist auch nichtmehr gefragt.
Solidarität hat auch nichts damit zu tun sich selbst auszubeuten, wenn sich andere Branchen nicht über stärkere Gewerkschaften organisieren ist das deren problem und verzichten die besser Organisierten bei z.B. der Bahn darauf, wie kommen sie darauf das dieses Geld dann z.B. leuten im CallCenter zu gute kommt? Per Telikenese und Magie? Ist doch popanz.
ein System wie das der Bahn funktioniert nur wenn alles ineinander greift. Da gehört der Fahrkarten Verkauf genauso dazu wie die Lokführer, Stellwerker, Rangierer, die Leute vom Instandhaltungstrupp.
Bei den Geschwindigkeiten die im Regelfall gefahren werden, ist eine defekte oder Falsch gestellte Weiche tödlicher als ein Überfahrenes rotes Signal. Denn in der Lok gibt es nach wie vor die Totmanntaste, die Lok und damit der Zug bekommt automatisch eine Vollbremsung bei einem überfahrenen Rot signal. Würde-was Massenmord wäre- ein Stellwerker Signale und Weichen falsch Stellen, so wäre im Eingleisbetrieb oder im Baustellenverkehr der Sichere Tot der Fahrgäste das Ergebnis.
Ein gebrochenes Gleis sieht man bei den Geschwindigkeiten nicht. Dazu braucht es die Leute der Systemtechnik im Zweifelfall Gleisbautrupps und Gleisläufer, die die Augensichtung der Schiene vornehmen.
Zudem ist jede Spaltung der Gewerkschaften ein Sieg für die AG und man sieht ja auch wo es endet. In der Bedeutungslosigkeit.
ein System wie das der Bahn funktioniert nur wenn alles ineinander greift. Da gehört der Fahrkarten Verkauf genauso dazu wie die Lokführer, Stellwerker, Rangierer, die Leute vom Instandhaltungstrupp.
Bei den Geschwindigkeiten die im Regelfall gefahren werden, ist eine defekte oder Falsch gestellte Weiche tödlicher als ein Überfahrenes rotes Signal. Denn in der Lok gibt es nach wie vor die Totmanntaste, die Lok und damit der Zug bekommt automatisch eine Vollbremsung bei einem überfahrenen Rot signal. Würde-was Massenmord wäre- ein Stellwerker Signale und Weichen falsch Stellen, so wäre im Eingleisbetrieb oder im Baustellenverkehr der Sichere Tot der Fahrgäste das Ergebnis.
Ein gebrochenes Gleis sieht man bei den Geschwindigkeiten nicht. Dazu braucht es die Leute der Systemtechnik im Zweifelfall Gleisbautrupps und Gleisläufer, die die Augensichtung der Schiene vornehmen.
Zudem ist jede Spaltung der Gewerkschaften ein Sieg für die AG und man sieht ja auch wo es endet. In der Bedeutungslosigkeit.
Noch zu Beginn des Bahnstreiks hatten die Lokführer eine gute Presse, empörten sich doch viele über die geringe Vergütung für die hohe Verantwortung. Jetzt nach dem Gesamtabschluß sind sie die "bösen Buben", weil die anderen Bahner mit einem wahrscheinlich schwächeren Abschluß leben müssen.
Wer hier wen im Stich läßt - ob die Lokführer ihre Kollegen, oder Transnet die GdL - läßt sich schön hin und herschieben. Und die Bahn selbst ?
Urplötzlich scheint sie aus der Schußlinie, hat den schwarzen Peter an die GdL weitergegeben. Den schieben auch die Medien gerne hin und her.
Vielleicht ist es ein Zeichen der Zeit, dass es einen Bahn-Gesamt-Tarif nicht mehr geben wird. Das wäre zwar gut für den Betriebsfrieden, aber da hört es dann auch schon wieder auf. Die GdL verhandelt für ihre Mitglieder. Was daran anstössig sein soll, verstehe ich leider nicht.
Es ist schon ein bisschen merkwürdig, dass bei den (quasi-)öffentlichen Dienstleistern immer diejenigen streiken, die besonders den Endkunden treffen (gestern die Bus- und Müllfahrer, heute mal die Lokführer).
Was wäre, wenn als "Dank" die Stadtwerke exakt die streikenden Lokführer bestreiken würden und erstmal für ein paar Tage Strom und Gas abstellen? Am besten mit der Forderung, endlich die Strom- und Gaspreise um 30 % heraufsetzen zu dürfen...
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