Forschungselite Noble Töne, enttäuschter Nachwuchs

Das jährliche Treffen von jungen Wissenschaftlern und Nobelpreisträgern in Lindau hat mehr als ein halbes Jahrhundert Tradition. Aber ist es auch in der Gegenwart angekommen? Ein Tagungsbericht.

Rund 500 Jungforscher aus der ganzen Welt brechen in jedem Sommer auf, mit einem besonderen Ziel vor Augen: Lindau. In dem malerischen Inselstädtchen am Bodensee begegnen sie etwa zwei Dutzend Persönlichkeiten, die ihre große Leistung für die Naturwissenschaften bereits erbracht - und dafür den Nobelpreis bekommen haben. Die Exzellenz der Zukunft trifft also auf die Elite von heute, so in etwa lautet die Idee der Veranstalter.

Wer als junger Wissenschaftler nach Lindau kommt, hat ein langes Auswahlverfahren hinter sich. Nur den besten zehn Prozent ihres Jahrganges, sagen die Organisatoren, wolle man die Chance geben, am jährlichen Lindau-Meeting teilzunehmen. Angehende Jungforscher, Bachelor- und Masterstudenten, Doktoranden und Postdoktoranden, die eine Professur anstreben, dürfen Nobelpreisträgern der Medizin und Chemie in Vorträgen lauschen oder sich in Workshops und Podiumsdiskussionen mit ihnen austauschen.

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In den Kreis der Exzellenz aufgenommen wurde zum Beispiel auch die Postdoc-Studentin Iris-Tatjana Kolassa. „Es ist ein Traum, hier einmal dabei zu sein“, sagt die 28-Jährige. Die Psychologin von der Universität Konstanz betreut diverse Studien und eine Arbeitsgruppe, die psychische Folgen von traumatischen Erlebissen bei Kriegsflüchtlingen untersucht. Zudem entwickelt sie mit ihrem Team derzeit ein Gedächtnistraining für Alzheimerpatienten. In fünf Jahren will sie habilitiert sein, auch ihre Publikationsliste kann sich sehen lassen.

Unter den Bewerbern an der Universität Konstanz überzeugte die angehende Jungprofessorin, in der nächsten Runde kam sie unter die Besten der Internationalen Bodenseehochschule, ein Zusammenschluss der Hochschulen in der Region. Auch das Kuratorium der Tagung war schließlich von ihrer Exzellenz überzeugt.

Nicht immer hat der Nachwuchs so hart darum gekämpft, nach Lindau fahren zu dürfen. Lange haftete dem jährlichen Nobeltreffen ein verstaubtes Image an. 1951 von zwei Lindauer Ärzten und dem schwedischen Graf Lennart Bernadotte ins Leben gerufen, verkam das Treffen der Wissenschaftsexzellenz über die Jahre zu einem „Familientreffen der Nobelpreisträger“, dessen Besuch für die Jungen eher Qual als Lohn war.

Das Bild der alten Exzellenz prägte das Tagungsgeschehen – der meist deutsche Nachwuchs hatte den Nobelforschern ehrfürchtig zu lauschen. Doch damit soll nun Schluss sein – seit sechs Jahren weht über dem Nobeltreffen ein Wind von Weltläufigkeit. Es war Alt-Bundespräsident Roman Herzog, der zum 50-jährigen Jubiläum eine internationale Neuorientierung der Stiftung anregte. Und die ist offenbar geglückt: 563 Nachwuchswissenschaftler aus 64 Ländern besuchten die Tagung in diesem Jahr.

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