Software Kriegt Bill Gates den Schlüssel?
Digitale Daten von Firmen, Behörden und Privatleuten sollen auf alle Zeiten lesbar und austauschbar sein, egal von welchem Programm sie erstellt wurden. Das erfordert offene, standardisierte Dokumentenformate, stellte jetzt auch der Bundestag fest. Doch Microsoft will sein Monopol verteidigen.
Kaum ein durchschnittlicher Computerbenutzer macht sich Gedanken über Dateiformate - wird die Textverarbeitung aufgerufen, stammt sie meist aus dem Hause Microsoft und die Dateiendung "doc" erscheint vielen als gottgegeben.
Dabei gibt es längst leistungsfähige und zudem kostenlose Alternativen zu Microsoft Office. OpenOffice.org beispielsweise, die Gratis-Version von Staroffice, kann dem Büropaket des Marktführers aus Redmond durchaus das Wasser reichen. Der Marktanteil der Kostenlos-Programme wächst - nicht nur Firmen, sogar die öffentlichen Verwaltungen von München und Wien oder die französische Gendarmerie setzen auf OpenOffice.org. Und immer häufiger geschieht es auch dem Durchschnitts-User, dass er Dateianhänge erhält, die statt auf .doc auf .html, .xml oder .odt enden. Spätestens dann stellt er ärgerlich fest, dass längst nicht alle Programme alle Dateiformate lesen können. Zumindest kommt es zu Veränderungen im Format oder bei Sonderzeichen.
Ein Standard muss her, das hat auch der deutsche Bundestag erkannt: Deutschland sei auch deshalb zum Exportweltmeister aufgestiegen, weil freie Formate in vielen technischen Bereichen, wie dem Maschinenbau oder der Kommunikationstechnik, eine Selbstverständlichkeit seien, resümiert ein Antrag ( Drucksache 16/5602 ), den Abgeordnete der Regierungsparteien Mitte Juni eingereicht haben. Standards seien demnach so etwas wie die Leitplanken des Erfolgs. In seiner Sitzung am 5. Juli verabschiedete der Bundestag den Antrag für "mehr Wettbewerb durch offene Dokumentenstandards". Grüne und Linkspartei stimmten dagegen, die FDP enthielt sich. Kritiker wittern eine Bevorzugung von Microsoft.
Im Kern geht der Streit um die Frage, wie offen oder frei ein solcher Dokumentenstandard sein soll. Aktuell sind zwei offene Formate im Rennen: Das "Open Document Format" (ODF) nutzt das Dateiformat von OpenOffice.org als Basis. Dieses Format ist unter Softwareentwicklern beliebt, denn sein Aufbau ist kein Betriebsgeheimnis, sondern für jeden einsehbar. Seine Spezifikation umfasst 717 Seiten. Will ein Entwickler zum Beispiel eine neue Bürosoftware schreiben, die von dem offenen Standard Gebrauch machen will, kann er dies tun, ohne zuvor eine Lizenzgebühr zu zahlen. Die freien Formate sind deshalb inzwischen auf allen gängigen Plattformen lesbar - nicht nur unter Windows, sondern auch unter Linux, Mac OS X, Solaris und anderen Unix-Varianten.
Das Konkurrenzformat "Office Open XML" (OOXML) stammt von Microsoft und wird ebenfalls als offen gekennzeichnet. OOXML unterstützt die hauseigene Office-Suite. Microsofts Officepaket gibt sich jedoch lange nicht so weltoffen wie OpenOffice.org, sondern funktioniert lediglich unter Windows und Mac OS X. Linux und Unix-Varianten bleiben außen vor.
Dass OOXML offen bzw. frei ist, wird von vielen bestritten. Kritische Stimmen wie die "Free Software Foundation Europe" (FSFE) bemängeln , dass Microsofts Office Open XML das hauseigene Betriebssystem Windows begünstigt. Doch OOXML könnte darüber hinaus für Softwarehersteller, die den Standard in ihren Produkten einbauen wollen, auch einen Rattenschwanz an Lizenzgebühren und -problemen nach sich ziehen, der zurzeit noch gar nicht kalkulierbar ist.
- Datum 17.07.2007 - 08:06 Uhr
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Diese Thema ist für die Zukunft wichtig.
Der Trend geht weg von den Desktop Apps hin zum Internet. Wenn man sich auf die OOXML "Standarts" einigt dann kann Microsoft den Trend steuern oder sogar verhindern weil es unrealistisch ist ohne Patentportfolio diesen Standart implementieren zu können. In den 6000 Seiten Definition wird es ausserdem so viele Ungenauigkeiten geben das der Test der alternativen Implementierung unmöglich wird. Dadurch kann der User nur frustriert werden und nach einer MS Implementation verlangen. So hat das mit den MS Formaten ja auch schon super funktioniert.
Wenn man sich den Weg in die Zukunft die eher bei Google und Co. als bei MS liegt nicht verbauen will sollte man ODF wählen. Wenn man sich anschaut was in den USA bei diesem Thema passiert ist besteht keine Hoffnung.
Der von Microsoft gewaehlte Name eignet sich vorzueglich fuer Verwirrspiele. Heisst das tatsaechlich offene Format von OpenOffice.org nun ODF oder vielleicht doch eher OOXML? Der Zeit-Autor ist schon mal reingefallen, wenn er eine Studie bestaetigen laesst, "dass keine Lizenz benötigt werde, um Open Office XML einsetzen zu können". OOXML steht nicht fuer "Open Office XML", sondern fuer "Office Open XML"; es ist schliesslich das Microsoft Format, nicht jenes von OpenOffice.org.
Schwer zu glauben, dass diese zu Verwechslungen einladende Namenswahl etwas anderes war als das bewusste Kalkuel eines mit allen Wassern gewaschenen Monopolisten.
guter Artikel, danke an die ZEIT
Im Artikel kommt die Frage auf "Oder führt Konkurrenz zu besseren Ergebnissen?", doch die Frage sollte vielmehr lauten: "Führt eine große gemeinschaftliche Entwicklung oder die Entwicklung im stillen Kämmerlein zu besseren Ergebnissen?". Es gibt viele OpenSource Programme, die zum Teil sogar besser sind, als ihre kommerziellen Konkurrenzprodukte, was unter anderem daran liegt, dass viele kompetente Programmierer sich an der Entwicklung beteiligen können.
Die Frage um die Standards ist in der Tat sehr wichtig, wie der Artikel auch gut beschreibt. Ein weiteres gutes Beispiel ist der "Konflikt" zwischen mp3 und ogg. Auf das mp3-Format wurden durch das Fraunhofer-Institut Lizenzgebühren erhoben, ogg hingegen ist ein freies Format. ogg hat sich zwar in diversen Bereichen als Standard etabliert, der Privatanwender greift aber dennoch auf mp3 zurück, was unter anderem daran liegt, dass MS bisher keine Unterstützung für ogg in Windows eingebaut hat.
Ein weiteres Beispiel ist das Bildformat png, welches als Ersatz für das gif-Format, wofür ebenfalls Lizenzgebühren anfallen, erdacht wurde. Darüber hinaus stellt es aber auch das weit verbreitete jpeg-Format in den Schatten, weil die Komprimierung nicht verlustbehaftet ist, im Gegensatz zum jpeg-Format.
Dennoch haben sich bei den Privatanwendern weder ogg noch png in dem Maße durchgesetzt, wie es wünschenswert wäre. Man kann also nur darauf hoffen, dass sich der Dokumentenstandard in Zukunft noch stärker Richtung "freie Formate" entwickelt.
Der Bundestag will offene Formate und offene Software fördern. Das ist eigentlich eine gute Entscheidung. Hätte, ja hätte der Bundestag nicht gleichzeitig entschieden, statt offener Groupware Exchange und Outlook einzusetzen. Die Microsoft gehören und eben am Besten mit MS-Programmen zusammenarbeiten.
Eigentlich ist der Beschluss scheinheilig. Wir wollen gratis und offen, keine Abhängigkeit von Monopolisten - und schaffen diese durch Fakten.
Das passt irgendwie nicht.
...was für ein BLÖDSINN...wenn doch sowieso irgendwann die doofen BANDROBOTER DIE SICHERUNGSBÄNDER ZERSTÖREN, gell?
Zur Erinnerung: 4 Jahre FOLTER, VERSCHLEPPUNG und MORD, begangen von Deutschen in deutschem Namen - weg, verschwunden, Pffffffttt...!
http://www.zeit.de/online...
Kräht JETZT schon kein Hahn mehr nach...warum sich da über irgendwelche "Formate" Gedanken machen?
Ich bin leidenschaftlicher Anhänger offener Standards. Allerdings funktioniert ODF noch nicht richtig. Wer Vorlagen aus OpenOffice mit KWord z. B. (Das Standardtextprogramm unter KDE, einer Benutzeroberfläche unter Linux) öffnet, wird schnell feststellen, dass - obgleich beide Programme ODF als Standardformat benutzen - die Dateien zwischen den Textverarbeitungsprogrammen keineswegs austauschbar sind. Da muss noch sehr nachhaltig dran gearbeitet werden. Die Entwickler von KWord haben mir im Übrigen versichert, dass die Fehler, die zur mangelnden Austauschbarkeit zwischen z. B. OpenOffice und KWord führen (Bei StarOffice ist es noch schlimmer), an der Programmierung von OpenOffice liegen.
Hmm, ist das Dateiformat eigentlich wirklich ein Problem? Gibt es irgendein aktuelles Textprogramm, was .doc-Dateien nicht aufmachen kann? Und .pdf funktioniert doch auch prima. Offensichtlich können, Lizenzgebühr hin oder her, moderne Anwendungen mit praktisch allen gebräuchlichen Dateiformaten umgehen, kein Thema.
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