Pakistan Dschihad gegen Musharraf
Islamisten üben Vergeltung für Sturm auf die Rote Moschee in Islamabad. Ziel ist die Destabilisierung des Militärregimes
Bei einer Reihe von Selbstmordanschlägen in Pakistans nordwestlichen Distrikten Swat und Dera Ismail Khan sind am Sonntag 49 Menschen ums Leben gekommen, rund weitere hundert wurden verletzt. Bereits am Samstag starben 24 Soldaten in einem Angriff auf einen Konvoi der pakistanischen Armee in Nord-Waziristan. Es handelt sich vermutlich um Vergeltungsmaßnahmen für die Stürmung der Roten Moschee in Islamabad Anfang vergangener Woche.
Damit droht das romantische Swat-Tal zum Zentrum eines Guerilla-Kriegs zu werden, gegen den der Sturm auf die Roten Moschee wie eine leichte Übung aussieht. Das Tal im Bundesstaat Northwest Frontier Province (NWFP) ist Hauptsitz der verbotenen Islamistenorganisation Tehrik-Nifaz-i-Shariat-i-Mohammadi (TNSM), was etwa „Bewegung zur Durchsetzung des islamischen Rechts“ bedeutet. Deren Führer Maulana Fazalullah und einige andere islamistische Organisationen sind seit geraumer Zeit dabei, das Tal in ein neues Schlachtfeld für den heiligen Krieg (Dschihad) zu verwandeln. Die pakistanische Armee hat bereits mehrere Tausend Soldaten in Swat mobilisiert; in Teilen des Tals wurde inoffiziell eine Ausgangssperre verhängt.
TNSM ist nicht die einzige Organisation, die den Sturm auf die Rote Moschee, in dem rund 300 Menschen inklusive des Rebellenführers Imam Abdul Rashid Ghazi ums Leben kamen, nutzen will, um General Pervez Musharraf weiter zu destabilisieren. Während ausländische Beobachter sowie die liberale Opposition froh sind, dass der pakistanische Präsident anscheinend endlich Härte gegen die Islamisten zeigt, sehen die radikalen Kräfte ihre Stunde gekommen, weitere Emotionen gegen das unpopuläre Militärregime in Islamabad zu schüren.
„Dieses Blutbad wird sich als der letzte Nagel im Sarg von Musharrafs Militärherrschaft in Pakistan erweisen. Es wird jetzt überall in Pakistan Rote Moscheen geben“, drohte am vergangenen Freitag Maulana Abdul Ghafoor Hydri auf einer Demonstration in der Stadt Peshawar, nahe der afghanischen Grenze. Hydri ist stellvertretender Chef der in NWFP regierenden Islamistenkoalition Muttahida Majlis-e-Amal (MMA), die bisher mit Musharraf eine Art Burgfrieden hielt.
Die pakistanische Armee mit Musharraf an der Spitze hat über Jahre hinweg den Aufstieg der Islamisten gefördert, um sich die demokratische Opposition vom Hals zu halten. Doch nun wird der Militärherrscher die Geister, die er rief, nicht mehr los. Im Gegenteil, er hat nun auch noch Terroristenführer Osama bin Laden und seine Organisation al-Qaida gegen sich, die bisher in der Stadt Quetta in der Provinz Baluchistan zum Ärger der USA eine sichere Basis hatte.
In einer Internetbotschaft verkündete bin Ladens Stellvertreter Ayman al-Zawahri vergangene Woche: „Dieses Verbrechen kann nur durch Vergeltung oder Blut gereinigt werden.“ Unterstützung erhielt er am Wochenende durch ein Video, auf dem zum ersten Mal seit Langem wieder der al-Qaida-Chef persönlich erschien. Darin lobte bin Laden die zahlreichen „Märtyrer“, die bereits im Dschihad ihr Leben gelassen haben, und rief sie zum Weitermachen auf.
- Datum 16.07.2007 - 04:07 Uhr
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