CSU Alle gegen Pauli
Die Fürther Landrätin fordert die CSU-Führung erneut heraus. Ihre Kandidatur für den Vorsitz kann der innerparteilichen Demokratie nur dienen. Ein Kommentar
Wie funktioniert es nach dem Demokratie-Lehrbuch, wenn Parteien eine neue Führungsfigur suchen? Mehrere Kandidaten bewerben sich; die Mitglieder, Funktionäre und am Ende ein Parteitag diskutieren und entscheiden, wer von ihnen am besten geeignet ist, wer das beste Programm aufzubieten hat und mit wem sie nicht zuletzt die besten Chancen sehen, Wahlen zu gewinnen.
Und wie läuft es in der Realität ab? Nach wie vor kungeln in der Regel Parteigranden aus, wer (von ihnen) einem verdienten, aber abgenutzten Vorsitzenden nachfolgt. Die Delegierten nicken lediglich ab. Nur selten, und wenn, dann eher aus der Not geboren, gibt es einen offenen Wettstreit unter zwei oder mehr Kandidaten, in dem sich am Ende einer oder eine durchsetzt.
Kaum anders in der CSU. Nachdem sich die Partei Anfang des Jahres nach einem quälenden Prozess dazu durchgerungen hatte, Edmund Stoiber den Rücktritt nahe zu legen, schien die Nachfolge bereits ausgemacht: Innenminister Günther Beckstein sollte ihm im Amt des Ministerpräsidenten folgen, Wirtschaftsminister Erwin Huber, sein anderer Kronprinz, als Parteichef. Dann betrat Horst Seehofer die Bühne und forderte Huber heraus. Doch statt eine inhaltliche und personelle Debatte zu führen, beschäftigten sich die Partei wie die Öffentlichkeit lieber mit Seehofers Liebesleben und der Frage, ob es seinen Ambitionen schade oder nicht. Demokratische Kultur? Fehlanzeige.
Doch nun wirft auch Gabriele Pauli ihren Hut in den Ring, jene Fürther Landrätin, die erst fast im Alleingang Stoiber zur Strecke brachte (weil die Parteifürsten sich nicht trauten); die dann den Verlockungen der Medien und ihrer plötzlichen Prominenz erlag und am Ende als Latex-Lady schon im Abseits gelandet zu sein schien. Ausgerechnet sie will also kandidieren - darf die das? Darf sich eine solche Frau, aus freien Stücken und eigenem Entschluss, um den ehrwürdigen Vorsitz der bayerischen Staatspartei, um die Nachfolge eines Franz Josef Strauß, Alfons Goppel und Edmund Stoiber bewerben?
Natürlich darf sie das. Und sie sollte es sogar, auch wenn jetzt die CSU-Herren in München die Nase rümpfen und manche Medien, die Pauli einst aufgebaut hatten, Häme über sie ausschütten. Pauli mag, nach jetzigem Stand, keine Chancen auf dem Parteitag Ende September haben. Und vermutlich ist die von Mannsbildern geprägte CSU, anders als die CDU, noch nicht reif für eine Frau an der Spitze. Doch allein die Tatsache, dass Gabriele Pauli kandidiert, ist ein Signal. Nämlich dafür, dass auch die CSU reif ist für eine gelebte, nicht nur formale innerparteiliche Demokratie. Der Verdruss über den allmächtigen Stoiber resultierte ja auch daher, dass er die Partei und die Politik im Freistaat zunehmend selbstherrlich bestimmte. Dem bayerischen Fußvolk, dem schon immer ein gewisser Anarchismus innewohnte, stieß das je länger je saurer auf.
Die Becksteins, Hubers und Seehofers sollten sich deshalb nicht allzu sicher sein, dass Gabriele Pauli nicht zumindest ein überraschender Achtungserfolg gelingen kann. Denn sie alle stammen aus dem Dunstkreis Stoibers. Pauli selber spricht davon, dass sie Unterstützung von der Basis und auch aus der Mitte der Parteitagsdelegierten spüre. Und sie regt eine Mitgliederbefragung an. Die müssten die beiden bisherigen Kandidaten womöglich tatsächlich fürchten. Denn es könnte sich zeigen, dass der Rückhalt der Herren bei den Mitgliedern gar nicht so stark ist, wie sie glauben machen wollen, und dass die Parteidissidentin aus der Provinz mehr Zuneigung unter den Mitgliedern genießt, als ihnen lieb sein kann.
- Datum 21.11.2007 - 06:15 Uhr
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Dieser Kommentar steht im Focus des politischen Lebens.
Gut die Fragen am Ende.
Ja, ich meine, Frau Pauli wird einen Veränderungsprozess in der Christlich Sozialen Union initiieren, unabhängig vom Ausgang der Wahl. Sie weiß wie viele (nicht)konservative Wähler, dass Leben dynamische Veränderung ist.
Pauli bewegt die Bürger. Bürger in Bewegung.
Was kann den Bayern Besseres geschehen?
.....da bleibt den hohen Herren gar nichts anderes übrig als offiziell "gelassen" zu reagieren, wer will denn noch Öl ins Kandidatenfeuer giessen, wenn es mit der eigenen Profilierung schon nicht so recht klappen will......arme CSU, die es nötig hat neuen Wind gleich von vornherein zu verdammen, am Ende bringt die "Häme - Politik" Frau Pauli mehr Sympathien ein, als beabsichtigt.
Oder vielleicht sollte sich die 4711-Connection der alten Herrenriege den neuen basisdemokratischen Wind ein wenig länger um die Nase wehen lassen, es könnte sein das der Mief vergangener (und nun mangels Weitblick glorifizierter) Zeiten weggeblasen wird und sich neue Perspektiven auftun.......und die hätte die CSU dringend nötig.......
Alle?
Wer will schon wirklich dagegen sein? Jeder (jedes Parteimitglied) kann doch seinen Anspruch als der/die angeblich Größte anmelden.
Ein Wille ist doch keine Wahl. Mal sehen wer gewählt wird.
Pauli gegen alle, wäre wohl die treffendere Zeile. Die Lady ist hübsch anzusehen, offensichtlich auch intelligent. Doch ist sie auch klug? Sie sollte ihr nettes Lächeln bewahren und sich nicht unnütz der Lächerlichkeit preisgeben.
Recht geschieht es der CSU!!! Das sei dem Kommentar vorangestellt. Traurig genug, daß eine Dame mit den Qualitäten von Frau Pauli in unserem Land Landrätin werden kann. Dieter Bohlen soll angeblich seine Präsidentschaftskandidatur vorbereiten.
Doch quo vadis? Wie geht es einstweilen im Süden weiter???
Wollen die Christsozialen mit ihrem Schmierenstück das Komödienstadl an die Wand spielen???
Es ist grundfalsch anzunehmen, Frau Pauli hätte ihren Affentanz gegen Herrn Stoiber im Alleingang anzetteln oder durchhalten können.
Doch Frau Pauli scheint an ihre Begabung für die große Politik zu glauben. Oder sie wähnt sich für ihre niederen Dienste zu schlecht entlohnt.
Doch wer auf Inhalte hofft wird von Frau Pauli ebenso wie von Herrn Huber und Herrn Seehofer enttäuscht werden. Für die Inhalte war bisher Herr Stoiber zuständig. Herr Beckstein wird den Nachlaß verwalten - mit aller Vorsicht.
Bis jetzt hat Herr Beckstein jede Stellungnahme im Kandidatenkarussell vermieden. Verständlich, aber unnütz.
Nicht jeder zweite Mann taugt für den Chefsessel. Nicht jeder gute Minister wird ein guter Ministerpräsident. Frei nach dem "Peter-Prinzip": "Jeder wird bis zu dem Grade seiner höchstmöchlichen Unfähigkeit befördert". Nur manche darüber hinaus. Gell, Frau Pauli!?
Herr Beckstein wird sich jetzt nicht mehr um die Personaldiskussion an der Spitze der CSU drücken können. Dazu ist die Position an der Spitze der CSU zu wichtig.
Eines ist aber sicher, FJS hätte Frau Pauli vielleicht die Tasche tragen dürfen, aber nur vielleicht.
Die Bundesrepublik muß sich wohl auf ein längeres Interregnum in Bayern einstellen.
Wieder so ein Artikel, aus dem die Hoffnung spricht, die CSU möge doch BITTE endlich ihren Sonderstatus verlieren. Also wird Frau Pauli einmal mehr hochgeschrieben, wie es nur geht.
Fakt ist, daß es für sie keinen Achtungserfolg geben wird. Sie wird gnadenlos durchfallen. Fakt ist auch, daß Frau Pauli selbst bislang durch keinerlei Beitrag zu der inhaltlichen Debatte aufgefallen ist, die sie einfordert. IHRE Ideen für Bayern sucht man vergebens. Diese Dame mag eine gute Landrätin gewesen sein, aber damit ist der Gipfel ihres politischen Horizonts erreicht.
"Wo wollen sie Akzente setzen und Stoibers Kurs ändern? Darüber erfährt das Parteivolk bislang so gut wie nichts."
Wirklich eine pikante Frage ?
Der bisherige Boulevardunterhaltungwert ist der meist biergeschwängerten "Mir sein mir" Mentalität des Parteivolkes ausreichend.
Der CSU fehlt es dank einer absoluten oder gar 2/3 Mehrheit an einer Kultur der äußeren aber auch inneren Auseinandersetzung. Dies führt notgedrungen zu einer Überschätzung des Rahmens, in dem man sich bewegt, teilweise eben soweit, dass auch die Gesetzeskonformität nicht gewahrt ist. Wenn Frau Pauli, mit wessen Hilfe auch immer, sich ad personam hinstellt und Bespitzelungen, sicher nur die Spitze des Eisberges, durch Stoiber und Co ans Tageslicht bringt, hilft das gut, die Hohlmeieraffäre, die Geschäfte von Max Strauss und vieles mehr in diesem Land zu verstehen. Es ist gelinde gesagt unbedeutend, wie sich Frau Pauli das weitere Wirken der CSU im Kultus. oder Gesundheitsbereich vorstellt (also die angemahnten Inhalte) wenn doch die Basis der Wählbarkeit dieser Partei mehr als nur in Zweifel gezogen werden darf. Und während Frau Pauli mit Ihren so kritisierten Posen wenigstens demonstriert hat, dass sie auch für weitere Tabubrüche taugt, ist der Vorwurf von aggresiver Öffentlichkeitssuche genauso auf beispielsweise den Generalsekretär der Partei anzuwenden, der jedoch vor allem durch seine verbale Diarrhoe auffällt. So gesehen kann man dem Artikel nur zustimmen, dass allein der Versuch innerparteiliche Demokratie einzufordern, oder auf deren Verlust aufmerksam zu machen, einer Debatte um Inhalte (auf die übrigens im Moment auch keiner höhren würde) vorzuziehen ist. Schade ist nur, dass Frau Pauli mit ihrer Kandidatur vor allem dem etwas progressiveren Seehofer schaden dürfte - die ultrakonservativen bayerischen Almkühe stimmen weiterhin für einen der ihren!
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