Kommunalfinanzen Fiasko in Würzburg

Die Stadtwerke Würzburg haben sich mit Zinsderivaten der Deutschen Bank mächtig verspekuliert. Nun soll die Bank schuld sein. Doch ganz so einfach ist es nicht. Der Querdax.

Der Lockruf des großen Geldes ist für so manchen unwiderstehlich - vor allem dann, wenn man mit großen Geldsummen umgeht, die einem nicht selbst gehören. So etwa bei den Würzburger Stadtwerken, die mit hochriskanten Wetten auf die Zinsentwicklung mehrere Millionen Euro in den Sand gesetzt haben. Was sich zwischen öffentlich Bediensteten und Banken abgespielt hatte, wissen bislang nur die Beteiligten selbst, denn die Versionen beider Parteien sind völlig unterschiedlich.

Die Verantwortlichen der Stadtwerke Würzburg behaupten, die Deutsche Bank habe die Risiken der Derivate verschleiert. Die Deutsche Bank wiederum beharrt darauf, eine ordnungsgemäße Beratung geleistet und alle Aufklärungspflichten erfüllt zu haben. Vor wenigen Tagen platzte vor dem Landgericht Würzburg ein Gütetermin, weil das Geldinstitut einen Vergleich gegen Zahlung einer Millionensumme ablehnt. Angeblich vor allem deshalb, weil womöglich zig weitere kommunale Betriebe die gleichen Spekulationsgeschäfte abgeschlossen haben und nun auf ihren Verlusten sitzen. Auch sie könnten Ansprüche erheben.

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Fakt ist: Die Stadtwerke Würzburg haben so genannte Zinsswaps gezeichnet, aus denen je nach Zinsentwicklung ein Millionengewinn oder ein Millionenverlust resultieren kann. Offenbar haben die städtischen Spekulanten da aufs falsche Pferd gesetzt. Hätten sie bloß Frank Partnoys Buch gelesen!

Der ehemalige Wall-Street-Banker und heutige Professor für Finanzmarktrecht Partnoy beschreibt in seinem Werk nämlich eine ganz ähnliche Geschichte, allerdings aus dem Jahr 1994. Damals ging der US-amerikanische Verwaltungsbezirk Orange County Pleite, weil sich der dortige Finanzverwalter Robert Citron  mit vergleichbaren Derivaten verspekuliert hatte. Der einzige Unterschied: Damals ging es um weit höhere Beträge. Der Derivate-Irrsinn riss einen ganzen Regierungsbezirk in den Bankrott und kostete 3000 Arbeitsplätze.

Partnoy zeichnet in seinem Buch F.I.A.S.C.O. plastische Charakterstudien, die deutlich machen, wie es zum Derivate-Debakel in Orange County kommen konnte. Auf der einen Seite waren die aggressiven Investmentbanker, die ihren Kunden nach dem Motto "Verkaufe deine Großmutter für einen Basispunkt" skrupellos alle erdenklichen Finanzwetten aufschwatzten - Hauptsache, nach Abschluss des Geschäfts stimmte die Provision. Auf der anderen Seite bildeten Eitelkeit, Gier und Inkompetenz der für die Kapitalanlage verantwortlichen Kommunalmanager einen Molotow-Cocktail, der bei der ersten ungünstigen Marktentwicklung mit lautem Knall hochging.

Da stellt sich die Frage, welche Leute in Würzburg und anderswo über die Anlage von Geldern entscheiden, die letztlich aus den Gebühren und Steuern der Bürger stammen. Warum lässt ein Stadtwerke-Manager nicht einfach die Finger von einem Geschäft, das er nicht bis ins Detail versteht? Warum beharrt er nicht auf einer schriftlichen Garantieerklärung der Bank, wenn er über das Verlustrisiko genau informiert sein will? Warum wird er nicht misstrauisch, wenn es eine solche Erklärung nicht gibt?

Leser-Kommentare
    • wpev
    • 13.07.2007 um 20:18 Uhr

    Na ja, das war ja nur Geld der Steuerzahler! Wir wollen inständig hoffen, das diese "Dösbaddels" auch privat gezockt und kräftig verloren haben. Weiter sollten jede Menge Köpfe rollen... Schuster bleib bei deinen Leisten!

  1. Welches Ende haben die Kämmerer, Handlungsbevollmächtigten und Geschäftsführer genommen, die die finanziellen Katastrophen zumindest kausal in Gang gesetzt haben? Die Medien und natürlich die betroffenen Kommunen und kommunalen Wirtschaftsbetriebe schweigen sich darüber aus. Nicht umsonst: Denn das Strafgesetzbuch kennt die Strafbarkeit aus dem Tatbestand der Untreue für den, der seine Pflichten oder Befugnisse in Bezug auf fremdes Vermögen verletzt. Es wäre an der Zeit, wenn bekannt würde, dass die Risikobereitschaft, oder anders ausgedrückt: die Leichtfertigkeit im Umgang mit fremden Geld nicht lediglich mit der Versetzung in das nächste Amt (wie in Hagen geschehen), sondern mit handfesten Ermittlungen der zuständigen Staatsanwaltschaft enden würden.
    Zur Vertiefung des Komplexes sei mir der Link erlaubt
    http://www.wiwo.de/pswiwo...

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