Die Deutsche Telekom will mit einer neuen Billigmarke auf Kundenfang gehen. "Mit Congstar, der neuen Marke für Mobilfunk und DSL, nimmt die Deutsche Telekom den Kampf gegen Anbieter im
Discountsegment des Telekommunikationsmarktes auf", sagte Vorstandschef René Obermann am Dienstag in Köln. Congstar ist die Reaktion des Konzerns auf die harte Konkurrenz am Markt. Neben den etablierten Anbietern setzen der Telekom zunehmend Billiganbieter wie Simyo zu, die ihre Dienstleistungen günstig über das Internet anbieten.

Dass der Telekom die Kunden weglaufen, ist nicht neu. In einem Interview räumte Vorstandschef René Obermann unlängst ein, das Unternehmen werde allein in diesem Jahr womöglich mehr als zwei Millionen Kunden mit klassischen Festnetzanschlüssen verlieren. Experten sprechen von hohen sechsstelligen Kundenverlusten pro Quartal.

Lange Zeit hatte sich der Konzern gesträubt, mit einer Zweitmarke dagegen anzugehen. Erst Konzernchef René Obermann hielt den Einstieg des Unternehmens ins Billigsegment für unausweichlich. Mit Congstar will die Telekom nun vor allem junge und preisbewusste Kundenkreise ansprechen, die sich bislang bei dem Abschluss von DSL- und Handy-Verträgen für die Konkurrenz entschieden hatten. Ganz so neu ist die Marke übrigens nicht. In ihr geht die Telekom-Tochter Congster auf, die bislang nur billige Internetanschlüsse vertrieb, mit bescheidenem Erfolg.

Doch die Wettbewerber sind schon lange auf dem Markt. Gegen sie werde Congstar sich nur schwer etablieren können, sagen Branchenbeobachter. Einschlägige Branchenportale wie www.teltarif.de haben das Angebot der neuen Marke bereits mit jenem der Wettbewerber verglichen. Ihren Daten zufolge schafft es Congstar nicht in allen Bereichen, billiger zu sein als die Konkurrenz. Gespräche übers Handy beispielsweises kosten 19 Cent pro Minute - da sind manche Wettbewerber günstiger.

Der genaue Vergleich ist kompliziert, denn Congstar bietet - wie so viele Telekommunikations- unternehmen - keinen Einheitspreis. Stattdessen kann sich der Kunde aus vielen, vielen einzelnen Pauschalpreis-Bausteinen das Angebot zusammenpuzzeln, das ihm am besten gefällt. Da gibt es eine Flatrate für Gespräche ins Congstar-Netz, eine andere für Telefonate ins Netz von T-Mobile oder Vodafone, eine weitere für Anrufe ins deutsche Festnetz und so fort. So mancher Kunde verliert da schnell den Überblick darüber, was sinnvoll und nötig ist. Harte Rechner, die genau wissen, was sie brauchen, können aber profitieren - und genau an sie soll sich das neue Angebot ja richten. Beratung jedenfalls ist nicht vorgesehen, von besonderem Service ist ebenfalls keine Rede. Congstar-Verträge können nur übers Internet und per Telefon abgeschlossen werden.

Immerhin, sobald der Kunde feststellt, dass sein Vertrag zu teuer ist, kann er, unter Wahrung einer zweiwöchigen Frist, schon zum nächsten Monatsende wieder kündigen. Das ist ein Pluspunkt. Ebenso, dass Congstar keine Grundgebühren berechnet.