AKW-Pannen Lizenzentzug für Vattenfall?
Nach den Vorfällen in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel legt Vattenfall einen Zwischenbericht vor. Der Kieler Landtag debattiert über mögliche Konsequenzen für den Energiekonzern
In einem gemeinsamen Antrag forderten die Koalitionsfraktionen CDU und SPD die zuständige Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) ausdrücklich auf, die Zuverlässigkeit des Kraftwerk-Betreibers Vattenfall zu überprüfen und ihm gegebenenfalls die Betriebserlaubnis zu entziehen. Trauernicht wird dem Landtag die Ereignisse schildern, die mit den Schnellabschaltungen beider Reaktoren am 28. Juni zusammenhängen. Zudem geht es um mögliche Konsequenzen aus den Störfällen.
Außerdem wird der Stromkonzern Vattenfall der Aufsichtsbehörde in Kiel einen Zwischenbericht über die Pannen im Atomkraftwerk Krümmel vorlegen. Das teilte ein Sprecher des Sozialministeriums am Donnerstag mit.
In dem Bericht sollen alle bisher bekannten Vorfälle in der Anlage zusammengefasst werden. In Krümmel östlich von Hamburg war am 28. Juni in einer Trafostation ein Brand ausgebrochen. Der Betreiber Vattenfall verschwieg zunächst Bedienungsfehler. Kurz zuvor war das AKW Brunsbüttel an der Unterelbe nach einem Kurzschluss automatisch heruntergefahren worden. Auch hier gab es Auffälligkeiten, die verspätet gemeldet wurden.
Aus Krümmel wurde am Donnerstag zudem ein Leck an einem Entlüftungsstutzen gemeldet. Das etwa zwei Millimeter große Loch wurde an einem Stutzen der Vorwärmanlage entdeckt, teilte Vattenfall am Donnerstag mit. Erhöhte Radioaktivität sei nicht gemessen worden. Vattenfall meldete den Schaden der Atomaufsicht als "Meldepflichtiges Ereignis der Kategorie N" (Normal). Die Vorwärmanlage ist Teil des Wasser-Dampf-Kreislaufs in dem Kraftwerk. Das schadhafte Stück soll ausgetauscht und alle vergleichbaren Stutzen untersucht werden.
Im schwedischen Kraftwerk Ringhals, das ebenfalls zum Vattenfall-Konzern gehört, wurden die Alkoholkontrollen verstärkt, nachdem es außerhalb des Werksgeländes einen Zwischenfall mit betrunkenen Bauarbeitern gegeben hatte. Wie Vattenfall mitteilte, habe die dortige Werksleitung von der Fremdfirma verlangt, dass insgesamt acht auffällig gewordene Arbeiter von den Bauarbeiten ausgeschlossen werden. Die Bauarbeiter seien nach Ende ihrer Arbeitszeit in einem Hotel aufgefallen, wo sie Frauen sexuell belästigt haben sollen.
In Ringhals hatte im November 2006 ein Trafo gebrannt, der dann explodierte. Auch im Umfeld des Vattenfall-AKW Forsmark nördlich von Stockholm gab es im Vorjahr Berichte über Alkoholprobleme. Dort war im Sommer 2006 ein Reaktor beinahe außer Kontrolle geraten. Nach einem Stromausfall sprangen Notaggregate zur Reaktorkühlung nicht an, im Kontrollraum fielen die Computer aus.
- Datum 13.07.2007 - 13:22 Uhr
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- Quelle ZEIT online, dpa
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