Dalai Lama Urlaubsantrag für Bush und Putin

Interview mit einem sanften Heiligen: Der Dalai Lama über Tibet, Politiker und sein endgültiges "Bye Bye"

Der Dalai Lama stellte sich am Montag in Hamburg den Fragen mehrerer Journalisten; einige seiner Antworten hat Uwe Jean Heuser für ZEIT online aufgezeichnet.

Frage: Wie ist heute um die Menschenrechte in Tibet bestellt?

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Dalai Lama: Ernst. Vor einem Monat traf ich einen Mann, den die Chinesen als politischen Gefangenen inhaftierten und der schrecklich gefoltert wurde. Sein Freund ebenso. Dann die Bedingungen in den Gefängnissen: Die politischen Gefangenen sind noch schlechter dran als die anderen.

Frage: Können junge Tibeter in ihrer Religion unterwiesen werden?

Dalai Lama: Generell hat die junge Generation in Tibet ein starkes Gefühl für unsere Kultur. Doch in den Städten leben viele Chinesen, und da nehmen auch unsere Jugendlichen mehr und mehr deren Lebensart an. Das nenne ich unbeabsichtigten kulturellen Genozid. Die Tibeter Jugendlichen, die in Indien geboren wurden, sind heute mehr Tibeter als diejenigen, die aus dem Land selbst kommen. Sanfter und so weiter. Das zeigt, wie sich die Kultur verändert.

Frage: Welche Hoffnungen verbinden Sie mit einem Besuch wie diesem?

Dalai Lama: Bei meinen Besuchen geht es mir in erster Linie darum, menschliche Werte zu verbreiten, damit der einzelne glücklicher wird, die Familie, die Gemeinschaft, schließlich die Menschheit. Zudem geht es mir um Harmonie zwischen den Religionen. Doch wenn Menschen Tibet ansprechen, ist es meine moralische Verantwortung, die Lage zu erklären. Sogar in China zeigen mehr Menschen als bisher ein Interesse für tibetanischen Buddhismus. Eine Million sollen es schon sein, und viele von ihnen folgen der buddhistischen Praxis. Ihre Haltung zu Tibet kann sich dann auch verbessern. Denn das Image von Tibet ist das einer zurückgebliebenen Region. Mehr und mehr Chinesen kommen auch zu uns nach Indien. Nachdem sie die tibetische Gemeinschaft und den Dalai Lama gesehen haben, sagen sie: Da ist ein großer Unterschied zu dem, was wir gehört haben.

Frage: Glauben Sie, dass die Welt besser würde, wenn die führenden Persönlichkeiten kontemplativ geschult würden?

Dalai Lama: Wie denn? Präsident Bush. Präsident Putin. Premierminister Brown und so weiter? (lacht laut) Niemand kann das schaffen. Diese Führungsgeneration kommt aus einer Gemeinschaft und einer bestimmten Atmosphäre der 20. Jahrhunderts. In ihren Köpfen stehen viele Dinge fest. Ansetzen können wir bei den künftigen Generationen, das ist ein langfristiges Projekt. Es ist wichtig, in der Schule, ja im Kindergarten, schon menschliche Wert und die Bedeutung von Dialog zu vermitteln. Führung, die daher kommt, kann auch friedlicher und mitfühlender sein. Wir müssen da ganz einfach ansetzen.

Frage: Heute wird soviel „"Führung"“ gelehrt, wäre da nicht auch ein Platz für anderes Denken?

Dalai Lama: Niemand kann den Präsidenten einfach ein paar Stunden geben – unmöglich (lacht). Was ich aber schon länger vorschlage: Sie sollten samt Familien gemeinsam in Urlaub fahren, in eine schöne Gegend, zusammen essen und nichts Ernsthaftes diskutieren. Wenn man sich so kennen lernt, herrscht weniger Misstrauen. Dann kann man hinterher einfacher miteinander reden

Frage: Sie sagen, dass es nach Ihnen keinen weiteren Dalai Lama geben muss.

Dalai Lama: Ja. Nur, wenn die Tibeter das wollen. Derzeit würden sie es wollen. Aber wenn ich noch 20 Jahre lebe und die Situation in Tibet eine ganz andere, ganz normale wird, dann sieht es die Mehrheit vielleicht einmal anders. Dann ist es vorbei mit der Institution des Dalai Lama (lacht). Ich bin der 14., und ich bin sicherlich nicht der beste, aber auch nicht der schlechteste. Dieser Dalai Lama ist sogar recht beliebt. Wenn es jetzt endet, dann in einer gewissen Würde (lacht erneut).

Frage: Hoffen Sie, Tibet wiederzusehen?

Dalai Lama: Ja, wie viele. Allerdings bin ich ein buddhistischer Mönch. Persönlich und mental ist die Rückkehr für mich nicht so wichtig. Als Mönch trennt man sich früh von seinem Zuhause. Die Tibeter sagen, dort, wo man sich wohl fühlt, ist die Heimat. Und wer einem Gutes tut, sind Eltern. Insofern ist Hamburg jetzt neun Tage lang meine Heimat. Wichtig ist, dass mein Leben nützlich ist – schlimm, wenn man sein Leben nicht nutzbringend einbringen kann. Da brauche ich etwas Freiheit. Wenn die Gelegenheit kommt, will ich etwas tun, damit Tibeter und Chinesen Freundschaften entwickeln. Das ist wichtig, um in Harmonie zu leben. Das könnte ein Dienst sein. Auch für das Verhältnis von China und Indien, wo ich nun vier Jahrzehnte lebe (lacht wieder). Dann werde ich abtreten, "bye bye" sagen und auf den Planeten gucken.

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