Manfred Schell, der Chef der Lokführer-Gewerkschaft, kündigte eine Urabstimmung über unbefristete Streiks an. Die Ergebnisse sollen Anfang August vorliegen - Schell nannte den 3. oder 6. August als mögliche Stichtage. Zumindest in den kommenden zehn Tagen werde es jedoch noch keine Ausstände geben, sagte die Personalchefin der Bahn, Margret Suckale. Dies habe die Gewerkschaft der Bahn zugesichert.

Suckale beklagte, in den Verhandlungen hätten sich beide Seiten "nicht angenähert". Es gebe auch "keine Lösungsansätze", um den Konflikt beizulegen. Die Gewerkschaft habe jetzt sogar 31 Prozent Einkommenserhöhung für das Fahrpersonal gefordert.

Die Bahn hatte zu Beginn Verhandlungsrunde eine Neuregelung der Arbeits- und Ausbildungsbedingungen angeboten. Außerdem brachte das Unternehmen ein neues Tarifsystem ins Gespräch, durch das gut ausgebildete Mitarbeiter wie die Lokführer mehr Geld bekommen könnten. Dieses Angebot bezeichnete Schell als unzureichend. Schon vor Beginn der Gespräche hatte eine Gewerkschaftssprecherin gesagt, es gehe in erster Linie ums Geld. "Wir wollen keine Nebenkriegsschauplätze eröffnen." GDL-Chef Schell hatte mehr Geld und kürzere Arbeitszeiten gefordert.

Schell hatte zuvor eine Einladung von Mehdorn ausgeschlagen, der die Vorsitzenden aller drei Bahn-Gewerkschaften GDL, Transnet und GDBA zu einem Gespräch eingeladen hatte. "Dort geht es nicht um unser Thema", sagte GDL-Sprecherin Gerda Seibert. Bahn-Personalchefin Suckale hatte mitgeteilt, die Bahn wolle "mit allen drei Gewerkschaften ein Vergütungssystem entwickeln, nach dem alle Mitarbeiter künftig besser nach Leistung und Qualifikation vergütet werden - auch die Lokführer". Einen eigenen Entgelttarifvertrag für das Fahrpersonal, wie die GDL ihn forderte, wollte die Bahn jedoch offenbar unbedingt verhindern. 

Uneinigkeit herrscht auch unter den Gewerkschaftern: Vor den Verhandlungen zwischen GDL und Bahn hatte der Transnet-Vorsitzende Norbert Hansen gesagt, die drei Bahn-Gewerkschaften seien sich prinzipiell einig, "dass Lokführer und andere Berufsgruppen strukturell besser gestellt werden müssten". Sollten sich GDL und die Bahn aber auf einen höheren Tarifabschluss einigen, als ihn Transnet und GDBA vor gut einer Woche erreicht hätten, "würde das den Betriebsfrieden gefährden".