Tour de France Winokurow positiv getestet
Tour-Favorit Alexander Winokurow ist offenbar des Blutdopings überführt worden. Das Team Astana, für das auch Andreas Klöden fährt, erklärte seinen Tour-Ausstieg.
Die Tour de France steht vor dem Kollaps: Der zweifache Etappensieger Alexander Winokurow ist laut der französischen Zeitung
L'Equipe
des Blutdopings überführt worden. Der Tour-Ausstieg seines Astana-Teams bedeutete auch das Ende der Frankreich-Rundfahrt für seinen deutschen Mannschaftskollegen Andreas Klöden. Der 33 Jahre alte Kasache Winokurow soll unmittelbar vor seinem Sieg am vergangenen Samstag im Zeitfahren Bluttransfusionen erhalten haben.
Als der Schotte David Millar von der Nachricht des neuen Doping-Falles erfuhr, brach er in Tränen aus. "Wenn das in unserer jetzigen Situation einem Fahrer dieses Formats passiert, ist der Radsport nicht mehr zu retten", prophezeite der frühere Zeitfahr-Weltmeister, der im Vorjahr eine zweijährige Doping-Strafe beendet hatte und sich seitdem als engagierter Antidoping-Kämpfer gibt. Der neue deutsche Radsport-Liebling Linus Gerdemann vom Team T-Mobile war erschüttert: "Das ist natürlich sehr schlimm und ich fühle mich von Winokurow verarscht, aber es zeigt, dass die Kontrollen greifen."
Am frühen Abend war im Astana-Quartier in Pau das große Kofferpacken angesagt. Astana-Manager Marc Biver sagte: "Nach Rücksprache mit der Tour haben wir unser Team zurückgezogen. Wir haben Winokurow sofort suspendiert und ihn nach Hause geschickt und werden an den kommenden Rennen erst einmal nicht teilnehmen. Für weitere Schritte warten wir die B-Probe ab. Ich fürchte jetzt um die Zukunft des Teams". Winokurow selbst war zu keiner Stellungnahme bereit.
Nach der Überführung von Winokurow und dem Rückzug seines Teams steht die 94. Tour wenige Tage vor dem Finale in Paris vor einem Scherbenhaufen. Bereits die Entscheidung, den Dänen Rasmussen trotz mehrerer Doping-Vorwürfe im Rennen zu belassen, hatte den 104 Jahre alten Klassiker vor eine Zerreißprobe gestellt. "Rasmussen ist immer noch da", titelte die L'Équipe und machte deutlich, wie sehr die Causa der Tour de France, die den Namen des Vorjahressiegers Landis aus ihren Annalen strich, schadet.
Rasmussen, Träger des Gelben Trikots, gab am Dienstag eine Pressekonferenz. Er gab zu, drei Doping-Kontrolltermine verpasst zu haben, machte dafür aber "Verwaltungsfehler" verantwortlich. Außerdem zweifelte er die Rechtmäßigkeit der erteilten Verwarnungen an. Mit Zitaten aus Briefen, Faxen und Paragrafen bauten Rasmussen und seine Berater am Fuß der Pyrenäen eine Nebelwand aus angeblichen Fakten und Regeldeutungen auf. Damit wollten sie den seit Tagen anhaltenden Druck gegen den Verbleib des Dänen in der Tour mit einer eigenen Offensive parieren.
"Ich kann nicht verstehen, warum sie ihn aus der Tour noch nicht herausgenommen haben", sagte Jesper Worre, der Präsident des Dänischen Radsport-Verbandes (DCU). Worre hat Rasmussen, der für das niederländische Rabobank-Team fährt, von der Teilnahme an den Weltmeisterschaften im September in Stuttgart und von den Olympischen Spielen in Peking suspendiert. Dagegen sagte UCI-Präsident Pat McQuaid: "Mit allen diesen Spekulationen wäre mir ein anderer Sieger als Rasmussen sicher lieber. Aber er hat keine Regeln gebrochen, deshalb muss man im Zweifel für den Angeklagten sprechen."
- Datum 25.07.2007 - 10:22 Uhr
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- Quelle ZEIT online, dpa, tso
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Fremdblut?? Donnerwetter! Das waren bestimmt noch die alten Tüten von Ullrich und Basso... Naja, irgendwer muss sie ja benutzen, bevor das Haltbarkeitsdatum überschritten wird.
Verkehrte Sichtweise; nichts weiter.
Es ist überhaupt nicht wichtig, wer wann dem Doping verfällt, sondern wer am Schluß NICHT gedopt wurde. Das wär' mal interessant.
Verkehrte Sichtweise; nichts weiter.
Es ist überhaupt nicht wichtig, wer wann dem Doping verfällt, sondern wer am Schluß NICHT gedopt wurde. Das wär' mal interessant.
Es sollte bekannt sein, daß die Nachricht "Ein Hund hat gebellt" keine ist. Eine Nachricht dagegen, wäre: "Ein Hund hat nie gebellt"
Nach Monaten mit verschärften Dopingkontrollen, team-eigenen Anti-Doping-Programmen, Unterschrift einer Ehrenerklärung mit Einsatz eines Jahresgehalts, der Affäre Sinkewicz, dem Ausstieg der wichtigsten deutschen Sender aus der Live-Berichterstattung, den Diskussionen um Rasmussen - nach all dem setzt jemand (wer?) Herrn Vinokourov eine Bluttransfusion.
Ich muss gestehen, dass dies mein Vorstellungsvermögen übersteigt. Was geht im Kopf der Verantwortlichen für diesen neuen Vorfall vor? Was steckt dahinter? Ist das allen Ernstes nur Dummdreistigkeit? Oder setzt jemand Vinokourov (oder sein Team) so sehr unter Druck, dass derartige Risiken vertretbar erscheinen?
Was nun folgt, scheint vorgezeichnet: Vinokourov wird an den Pranger gestellt, gesperrt, entlassen, angeklagt und mit horrenden Geldstrafen belegt. Ob Astana neben dem Tour-Ausschluss noch weitere Konsequenzen drohen, steht in den Sternen.
Also mir reicht die Erklärung vom persönlich motivierten Einzelfall schon lange nicht mehr aus - dafür ist die Liste allein der kürzlichen Vorfälle schlicht zu lang. So langsam sollte die Zeit vorbei sein, wo man die gedopten Fahrer allein zu Sündenböcken macht und die unauffälligen Fahrer gleich mit in Sippenhaft nimmt. Es muss auch denen an den Kragen gehen, die Teamverantwortung tragen, und denen, die die Einnahme leistungssteigernder Mittel fördern, dulden oder wie auch immer unterstützen. Und wenn man diese nicht (sport-)rechtlich dingfest machen kann, ist hier ein Stück investigativer Journalismus gefragt.
...oder sich nicht wundern, wenn "die Jungs" mit steinhageln begrüßt werden. ach, meine tagträume...
War kürzlich in Frankreich. Zehn Stunden am Tag gibt's TdF im Fernsehen: Berichte über Rennen, Feste, Begeisterung! Viel Stolz, nach wie vor, obwohl seit vielen Jahren kein Franzose mehr in Gelb nach Paris fuhr. Und eine gewisse nachdenkliche Traurigkeit angesichts dessen, dass es neuerdings immer leichter wird, das nationale Drei-Wochen-Fest in den Schmutz zu ziehen. (Man jammert nicht, bewahrt Haltung, aber doch ...) Wir hier in Deutschland haben gar nichts zu bestimmen hinsichtlich der Frage, ob man die Tour abbrechen sollte oder nicht.
Nach wie vor ist die Tour de France das mächtigste Ereignis im internationalen Radsport. Gestern abend sah man die Hauptverantwortlichen der Tour-Organisation im Fernsehen. Ich hatte den Eindruck, es ist ihnen Ernst in ihrem Bemühen um einen - wenigstens dem Anspruch nach - sauberen Sport. Es gibt kein Augenzwinkern mehr. Leute, die sich auf geschickte Art und Weise Kontrollen entziehen, werden nächstes Jahr gar nicht mehr an den Start gehen können. Die UCI und die nationalen Verbände bekommen Druck!
Vielleicht ist die TdF eine letzte Chance für den Radsport. Die Tour ist "Nummer eins", Giro und Vuelta spielen zweite Geige. Wenn bei der Tour ein gründliches Umdenken stattfindet (oder bereits stattgefunden hat) und gleichzeitig die Hauptsponsoren der Profi-Teams beginnen, mit ihrem Geld sehr, sehr nachdenklich umzugehen, hat der Radsport vielleicht noch eine winzige Chance!
Wenn selbst im Land der größten Tour-Fans Frankreich (die die Tour nicht umsonst und gut bezeichnend "Grande Boucle" nennen) die Zustimmung schwindet und fast 80% der Befragten (Umfrage siehe: http://www.lejdd.fr/sonda...) nicht mehr an die Ehrlichkeit der Teilnehmer glauben, ist dies für mich ein überdeutliches Zeichen.
Einstellen kann man die Tour nicht ohne weiteres, wer das verlangt, muss die Tour einmal in Frankreich selbst erlebt haben um zu wissen, dass dagegen einfach zu viel spricht.
Die Franzosen werden aber ihre Lehre nun endgültig ziehen: ich wage die Prognose, dass sich bis zur nächsten Tour (die sicher stattfinden wird!), Einiges fundamental ändern wird, Betrüger werden im Vorfeld ausgesiebt werden, die Überwachung wird stärker professionalisiert werden.
Inkonsequent finde ich es übrigens von ADR und ZDF, zwar nicht mehr in Sondersendungen über die Tour zu berichten aber trotzdem in jeder Nachrichtensendung der Tour überhaupt noch einen Zeitrahmen einzuräumen.
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