Besonders beliebt war die Bundeswehr-Mission in Afghanistan noch nie hierzulande. Nur wenige Tage nach dem 11. September 2001 konnte sich eine Mehrzahl der Deutschen dafür erwärmen, die Bundeswehr ins Krisengebiet zu schicken. Bereits wenige Wochen später, die Taliban hielten sich gerade noch so an der Macht, kippte die Zustimmung von knapp 70 Prozent auf weit unter 50 Prozent.

Damals ging es allerdings um die Beteiligung an einem Krieg. Die Aufgabe der Deutschen innerhalb der ISAF beruhte bald jedoch mehr auf Wiederaufbau-Arbeit, sie waren in einer Friedensmission dort. Doch Soldaten, Journalisten und zivile Arbeiter, die am Hindukusch entführt und getötet wurden, überdecken den friedlichen Aspekt des Auslandseinsatzes. So auch der aktuelle Fall der Entführung zweier deutscher Bauingenieure. Die Stabilität, die man sich für Afghanistan erhofft hatte, zerbröckelt. Wie auch die Geduld der Deutschen: Weit über 60 Prozent fordern mittlerweile den Rückzug.

Diese Meinung wird allerdings von keiner der großen Parteien geäußert, nicht einmal von den einst friedensbewegten Grünen. In diese Lücke springt die Linkspartei gerne hinein, Marktschreier Lafontaine füllt sie seitdem am lautesten aus. So laut, dass auch die von anderen Umfragedaten schwer gebeutelte SPD ganz leise Skepsis über den Verbleib der deutschen Soldaten in Afghanistan äußert. Von einer „Überprüfung“ der Mission ist dann die Rede. Selbst die Union sollte sich Gedanken machen: Laut einer Forsa-Umfrage wollen 55 Prozent ihrer Wähler den Abzug, in der CSU sind es sogar 64 Prozent.

Müssen also die Truppen zurückgeholt werden, nur weil die Bürger es so wünschen? Langfristiges militärisches Engagement lässt sich mit dem wenig ausdauernden Volk als Regenten schlecht durchführen, Kriegsführung ist in (den meisten) Demokratien wenig beliebt. Das Argument, das Engagement diene dem eigenen Schutz, hat sich für viele überreizt, wenn Deutsche in Afghanistan sterben, während unser Land vom Terror verschont bleibt. Doch für Experten ist der Abzug keine vernünftige Option.

In den Medien ist die Sache recht klar: Stimmen, die einen Abzug der Bundeswehr erwägen, kommen kaum vor. Einzig die Frankfurter Rundschau schreibt: „Afghanistan hat gar keine Wahl mehr zwischen Pest und Cholera, es ist längst von beiden Epidemien befallen. Die ausländischen Soldaten, die als Heiler der afghanischen Krankheiten unterwegs sind, können allenfalls Symptome bekämpfen. An die Ursachen kommen sie nicht heran.“ Einen jahrelangen Abnutzungskampf drohe der Bundeswehr, der die patriotisch gesonnenen Afghanen nur in die Arme der Radikalen treibe. „Die eine Hälfte des Landes verstrickt in blutige Gefechte, die andere den Drogenbossen überlassen - so geht der Krieg gegen den Terror auch verloren.“

Welche Konsequenzen lassen sich daraus ableiten? Viel härter und viel schneller als bisher müssten die westlichen Länder arbeiten, um die afghanische Regierung in die Lage zu versetzen zu regieren. Auf eine einfache Formel gebracht: „Brot und Bildung statt Bomben“ empfiehlt die Frankfurter Rundschau , ergänzt um die schlichte Handlungsaufforderung: „Die westlichen Staaten (...) müssen raus aus Afghanistan.“