Weltweit genießt die BBC einen beinah mythischen Ruf. Belegt wird dies durch das Zitat, im Reich der BBC gehe „die Sonne niemals unter“, wie das amerikanische Magazin Time unlängst voller Bewunderung vermerkte.

Die Briten sind mit Recht stolz auf ihre BBC. Sie besitzen mit der BBC eine Institution mit global reach , die weltweit ungemeines Prestige genießt, die Sprache und Kultur ihre Landes verbreiten hilft und in gewisser Weise die mediale Ergänzung darstellt zum Anspruch des britischen Staates, auch als europäische Mittelmacht weiterhin eine globale Rolle zu spielen.

Die BBC ist die wohl einflussreichste und mächtigste Medienorganisation der Welt. Ihre Nachrichten und Informationssendungen gelten als zuverlässig und seriös. Dabei entgehen dem bewundernden Blick von außen leicht die Schatten, die das hehre Bild der Mutter aller öffentlich-rechtlichen Anstalten verdunkeln. Gewiss ist Kennern der internationalen Medienszene schon seit einiger Zeit bewusst, dass auch die BBC nur mit Wasser kocht und dass manches im Argen liegt.

Aber das Ausmaß des Unbehagens über die BBC dürfte auch sie überraschen. Was auch damit zu tun hat, dass der Medienindustrie Selbstkritik nicht leicht von der Hand geht. Es gilt weithin als unsolidarisch, eine journalistische Bastion wie die BBC zu kritisieren und damit ihre Aufpasserfunktion gegenüber der Politik zu schwächen.

Nun aber kommen selbst BBC-Fans nicht umhin, aufzumerken. Nach einer Sitzung des BBC Trusts am Mittwoch, des Aufsichtsgremiums der Corporation mit der gesamten Führungsriege unter Generaldirektor Mark Thompson gab dieser als Reaktion auf eine Serie von Skandalen einen drastischen Katalog von Maßnahmen bekannt, mit dem erklärten Ziel, das Vertrauen der Öffentlichkeit in Ehrlichkeit und Integrität der BBC wieder herzustellen. Dazu gehört die Suspendierung verantwortlicher leitender Redakteure, der Verzicht auf jegliche interaktive Programme und phone ins, wenn Zuschauer sich bei Telefon in einer Sendung beteiligen, die Schulung für alle Mitarbeiter, neue Verträge, in denen auf die Bedeutung hoher redaktioneller Standards hingewiesen wird – und nicht zuletzt eine unabhängige Untersuchung der Affäre um die verfälschende Werbung für eine Dokumentation über Königin Elisabeth.

Was war geschehen? Einmal hatte die BBC in verschiedenen Programmen die Zuschauer absichtsvoll getäuscht und getürkte Gewinner von phone ins, die oft selbst aus dem Redaktionsteam stammten, präsentiert. Das landesweit bekannte Jugendprogramm Blue Peter war dafür vergangene Woche von Ofcom, dem Regulator der Medienindustrie, mit einer Geldstrafe von 50.000 Pfund belegt worden. Ernster noch waren Fälle direkter Manipulation – einmal in einer Reportage über Gordon Brown, in der die Abfolge von Ereignissen geändert wurde, um eine griffige These zu erhalten; für Schlagzeilen sorgte besonders die Fälschung, die bei der Vorstellung des Herbstprogramms durch den Direktor von BBC 1 mit launigen Worten über eine "grantige" Königin präsentiert worden war. Am Schneidetisch hatte man ein Video erstellt, in dem fälschlicherweise behauptet wurde, die Queen sei aus einem Termin mit einer bekannten Fotografin grollend herausgestürmt – die verwendeten Bilder zeigten in Wahrheit die Ankunft der Queen.

Die BBC hatte sich zunächst mit dem Argument "einzelne menschliche Irrtümer" zu entschuldigen versucht. Bei genauerem Hinschauen wurde klar, dass es sich um ein tiefsitzendes Verhaltensmuster handelt, das im Spiel war. Das Zurückgreifen auf getürkte Gewinner von phone ins war vorgeplant; das Bearbeiten faktischen Bildmaterials am Schneidetisch erfolgt oft ohne jede Rücksicht auf Wahrhaftigkeit; einzig der Effekt zählt. Je dramatischer und knalliger, desto besser. Diese Haltung ist weitverbreitet in der Fernsehindustrie. Der Kampf um Einschaltquoten und um Erfolg wird immer erbitterter geführt; junge Redakteure empfinden oft gar kein Unrechtsbewusstsein mehr, wenn sie auf solche Methoden zurückgreifen. Sie haben eigentlich nichts anderes mehr gelernt.