Vergangene Woche haben wir an dieser Stelle die gereimten Morddrohungen thematisiert, mit der einige Rapper die SPD-Politikerin Monika Griefahn bedachten. Die Bundestagsabgeordnete steht in der Schusslinie, seitdem sie eine bestimmte Art von HipHop kritisiert. Gewaltverherrlichende Texte könnten Jugendliche in ihrer Entwicklung stören und gehörten auf den Index, meint sie. In der taz legt sie ihre Argumente noch einmal dar und entfacht eine Debatte.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, "dass Kinder und Jugendliche, die nicht in einem sicheren sozialen Umfeld und in einer intakten Familie aufwachsen, ein viel höheres Aggressionspotenzial haben, wenn sie 15-mal am Tag Textzeilen wie Ich fick dich in die Urinblase hören". Solche Inhalte gehörten nicht ins Tagesprogramm von Radio- und Fernsehsendern. Jugendlichen Straftätern falle die Unterscheidung zwischen Song und Realität schwer. Künstler versteckten sich hinter der Behauptung, "dass Gewalt verherrlichende, pornografische oder rechtsradikale Songtexte nur ihren Alltag spiegeln würden. Doch, wie es ein HipHop-Fan namens David in einer E-Mail ausdrückt: Das Ghetto ist doch nur in den Köpfen der Leute. Der Rekurs auf Verhältnisse wie in amerikanischen Großstädten dient lediglich als Rechtfertigung für einen geborgten Ghetto-Slang. Und Begriffe wie primitive Neger , schwule Zigeuner , geldgeile Schlampen oder Ostnigger sind schlicht menschenverachtend, frauenfeindlich und rechtsradikal – egal wer sie äußert und aus welchem Stadtteil er stammt."

Mehr zum Thema findet sich hier . Der taz- Autor Martin Reichert beschäftigt sich mit gerappten Hasstiraden gegen Schwule. " Bushido zum Beispiel (…) findet Schwule ähnlich toll wie Golfspieler, nämlich scheiße – er singt auch gerne mal was zum Thema, zum Beispiel darüber, dass man Tunten vergasen müsse. Wenn umgekehrt jemand in der taz schreibt, dass es sich bei Bushido womöglich um eine Dumpfbacke und einen furzlangweiligen Kacker handeln könnte, schickt der sensible Künstler gleich einen Learjet mit Anwälten vorbei. Den Learjet mit Anwälten kann er sich leisten, weil er und seinesgleichen sich kommerziell erfolgreich als deutsche Trittbrettfahrer der US-Ghetto-Hip-Hop-Gangsta-Rap-Kultur haben etablieren können."

Finanzielle Sorgen hat auch Prince aus Minneapolis nicht. Sein neues Album Planet Earth verschenkt er. Auf die Einnahmen aus Plattenverkäufen ist er nicht mehr angewiesen. Geld verdient man heute mit Konzerten. Als einer der ersten globalen Stars habe Prince erkannt, dass der Tonträger im Popgeschäft keine Rolle mehr spiele, stellt Andrian Kreye in der Süddeutschen Zeitung fest. "Und auch wenn das nicht sein Verdienst ist, sondern lediglich Zeichen der Zeit und der technologischen Entwicklung, ist es für den heute 49-Jährigen ein furioser Sieg nach einem rund zwölfjährigem Kampf gegen die Plattenindustrie."

Prince könne sich die Siegerpose leisten: finanziell und musikalisch. Denn "solange er einer der letzten Superstars ist, der mit einem einzigen Akkord ein ganzes Fußballstadion zu frenetischem Jubel treiben kann, ist die Studioarbeit letztlich nur die Pflicht, um das Material für die Kür auf der Bühne zu erarbeiten". Noch vor dem Erscheinungstermin hat er Planet Earth der englischen Zeitung Mail On Sunday beilegen lassen, Auflage: zwei Millionen. Demnächst will er seine Platte auch an die Besucher seiner 21 ausverkauften Konzerte im Londoner Millennium Dome verteilen. Diese Geste sei Kalkül, schreibt Andrian Kreye. Vor drei Jahren habe Prince das Album Musicology auf seinen Konzerten verschenkt. "So kommt er in Zeiten, da man nur noch einen Bruchteil der CDs absetzen muss, wie noch vor zehn Jahren, um in die Hitparaden einzusteigen, mühelos in die Top Ten." Der Plattenindustrie sei dies ein Dorn im Auge. "Vor drei Jahren zog man vor Gericht, um zu erreichen, dass die verschenkten Platten nicht mehr für die Hitparadenplatzierung zählen. Nun überlegen die britischen Plattenhändler, ob sie Planet Earth einfach nicht anbieten."

Das Album, resümiert die Neue Zürcher Zeitung , wiederhole in reichlich uninspirierter Art und Weise, den Versuch, an Princes’ goldene Ära in den achtziger Jahren anzuknüpfen. Und da es in Stücken wie Planet Earth und Somewhere Here On Earth um den Klimawandel gehe, passe dies, schreibt Tobias Rapp in der taz : "Dass Prince dazu seine alte Musik recycelt, ist eine schöne Geste."