PakistanBomben gegen den Buddy?

Pakistans Präsident Musharraf ist ein enger Verbündeter der USA. Dennoch erwägen US-Militärs Angriffe gegen Pakistan. Warum? von 

Der pakistanischen General Pervez Musharraf gehört zu den engsten Verbündeten der USA. „My Buddy“ – nannte George W. Bush Muscharraf und schloss ihn mit diesen Worten in sein texanisches Herz. Angesichts dieser Freundschaftsbekundungen klingt die Nachricht der letzten Tage, dass die USA Militärschläge in Pakistan erwägen, etwas befremdlich.

Warum überhaupt planen George W. Bushs Generäle einen Angriff gegen seinen „Buddy“ ? Die Antwort ist einfach. Sie trauen dem Freund Musharraf nicht. Sie glauben nicht mehr, dass er in der Lage ist, sein Land in ihrem Sinne zu „kontrollieren“.

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Militärschläge gegen Pakistan heißt zweierlei: erstens ein Vorgehen gegen das Atomarsenal Pakistans; zweitens militärische Aktionen in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan.

Das Pentagon hat schon seit geraumer Zeit eine Elitetruppe zusammengestellt, die sich für den Fall, dass Islamisten die Macht in Pakistan ergreifen, das pakistanische Atomarsenal lahmlegen soll. Die Aussicht, dass fanatische Islamisten an den Knopf der Atomwaffen kommen könnten, ist für die USA lebensbedrohlich – wenn auch äußerst unwahrscheinlich.

Realistischer ist, dass die USA in den Stammesgebieten eingreifen könnten. Pakistans Armee hat dort die Kontrolle teilweise verloren. Die Folge ist, dass die Taliban und al-Qaida diese Gebiete als Rückzugsgebiet nutzen können. Das ist nach Auffassung vieler Militärs der Grund dafür, dass sie in Afghanistan wieder stärker geworden sind.

Es läge durchaus in der Logik des Krieges gegen den Terror, den die USA in Afghanistan führen, dass sie Bombenangriffe auch auf pakistanischer Seite der Grenze führen. Die Hemmschwelle dafür ist allerdings groß. Sollten nämlich amerikanische Bomben auf pakistanischen Boden fallen, würde dies die Pakistaner weiter radikalisieren.

Trotzdem existieren diese Pläne wirklich. Das kann nur bedeuten, dass im Pentagon die Gefahr einer Radikalisierung Pakistans geringer eingeschätzt wird als die Folgen einer Nicht-Intervention in den Stammesgebieten. Mit anderen Worten: Man glaubt nicht mehr, dass Afghanistan und die pakistanischen Stammesgebiete in absehbarer Zeit befriedet oder stabilisiert werden können. Das ist in den Augen des Pentagon nur eine Illusion, an der höchstens noch Politiker festhalten, die den Einsatz gegenüber ihren Wählern begründen müssen. Vielmehr wird aus der Sicht der US-Generäle in dieser Weltgegend auf Dauer Krieg herrschen.

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  • Schlagworte Pervez Musharraf | Militär | Pakistan | USA | Afghanistan | Atomwaffe
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