In deutschen Regierungskreisen hieß es, es gebe Zweifel an der Glaubwürdigkeit des angeblichen Taliban-Sprechers Kari Mohammed Jussuf. Es handele sich möglicherweise um einen Trittbrett-Fahrer. Auch Nachrichtendienste hätten bestätigt, dass der Mann nichts mit den Entführern zu tun habe. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes wollte zu dem Bericht keine Stellung nehmen.

Jussuf hatte noch einmal kurzfristige Ultimaten gestellt, bevor er die Erschießung der beiden Geiseln bekannt gab. Seinen Angaben nach ist noch nicht entschieden worden, was mit den Leichen geschehen soll. Beide Männer seien in der Provinz Ghasni südwestlich von Kabul ermordet worden. Weiter kündigte er an, noch im Verlauf des Samstag solle es über den Schicksal der 23 entführten Südkoreanern entschieden werden. Neben dem Abzug der Bundeswehr fordern die Taliban auch die Freilassung inhaftierter Rebellen.

Die ARD berichtete, ihr Hörfunkstudio in Kabul habe Hinweise darauf, dass eine deutsche Geisel bereits am Freitag an Erschöpfung gestorben sei. In einem Bericht der Online-Ausgabe des Spiegel hieß es, dabei handele es sich um Rüdiger B. aus Mecklenburg-Vorpommern, der an Diabetes erkrankt sei. Weiter schrieb Spiegel Online, das Auswärtige Amt arbeite mit der These, dass die beiden Deutschen nicht in der Hand der Taliban, sondern von einem Stamm gefangen gehalten würden.

Die beiden Deutschen werden seit Mittwoch vermisst. Sie wurden etwa 100 Kilometer südwestlich von Kabul in der Provinz Wardak verschleppt. Es handelt sich bei ihnen nach Medienberichten um zwei Bauingenieure, die im Auftrag der Vereinten Nationen Bau- und Entwicklungsprojekte betreuten.

Kanzlerin Merkel wollte die Ereignisse zunächst nicht kommentieren und verschob deswegen ein Interview von Samstag auf Sonntag. Sie hatte zuletzt in einem Interview mit der Passauer Neuen Presse vom Samstag bekräftigt, die Bundesregierung lasse sich nicht erpressen. "Wir dürfen jetzt nicht mit unseren Anstrengungen nachlassen. Das afghanische Volk darf nicht im Stich gelassen werden." Die deutsche Beteiligung an den militärischen Optionen in Afghanistan müsse fortgesetzt werden.