Spielzeug Mythenpackung im Kinderzimmer
Von der Action-Figur zum Spielfilm: Transformers sind prächtige Archetypen. Eine Würdigung
Jetzt also auch als Film. Begonnen hatten die "Transformers" als sogenannte "Action-Figuren". Sie waren hässliche Plastikwesen, deren Glieder sich derart drehen ließen, dass die Gestalt mal einem Roboter, mal einem Auto glich. Oder einem Flugzeug, oder einer militärischen Weltraumstation.
Der Angriff der Transformers auf die Kinderzimmer begann in den achtziger Jahren als multimedialer Feldzug. Comics, Zeichentrickfilme und Videospiele propagierten die Geschichte, deren Hauptakteure die Figuren darstellten. Es ist eine manichäische Erzählung, in der die Guten ( Autobots , sie können sich in allerlei Autos verwandeln) die Bösen bekämpfen (die Decepticons , die stets auch als Militärzeugs daherkommen können).
Ein geniales Konzept, denn es verdichtet auf kindgerechte Weise mehrere starke Mythen zugleich.
Da ist zum einen der Android, das menschenähnliche, aber technische Wesen. Kaum ein Mythos dürfte älter sein. Im Gilgamesch-Epos entsteht er aus Lehm; eine Idee, die später von den Christen entlehnt wurde. Der griechische Schmiedegott Hephaistos scharte mechanische Gehilfinnen um sich, Dädalus konstruierte einen kämpfenden Soldaten aus Bronze, und Pygmalion, König von Zypern, verliebte sich in die Statue Galatea, der Aphrodite dann gnädigerweise Leben einhauchte. Auch in asiatischen Mythologien treten die künstlichen Menschen auf. Das Motiv fasziniert, weil die Unterscheidung zwischen Mensch und Sache zu den elementaren Gussformen aller Kulturen zählt; in der Figur des Androiden indes wird diese Differenz aufgehoben. Kinder lassen sich von dieser Vorstellung erst recht mitreißen; vielleicht, weil ihnen das schwierige Erlernen des Unterschieds von Sachen, Lebewesen verschiedener Schutzstufen und Menschen noch gegenwärtig ist.
Zum anderen begeistert die Fähigkeit, seinen Körper zu verwandeln. Zauberei! Auch dieses Motiv ist stark, es stellt die selbstverständliche Identitätsannahme infrage, die ebenfalls aller Kultur zugrunde liegt.
Dann das Machtmotiv: jeder Transformer ist ein Übermensch. Und zwar dank seines Körpers. "Es ist mehr Vernunft in deinem Leibe als in deiner besten Weisheit", so steht es in Nietzsches Zarathustra , dem Manifest des Übermenschen. Machtmotive sind attraktiv, besonders für Jungs. Die lieben auch Autos, Trecker, Kampfmaschinen, also alles das, worin Transformers sich verwandeln. Schließlich: Gut und Böse. Transformers sind archetypische Spielzeuge. Der kleine Computerhund Aibo dagegen, der jetzt im Roboterhimmel weiter bellt, war nur süß .
- Datum 01.08.2007 - 06:37 Uhr
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