Teuerung Sturm im Milchglas

Weil die Preise weltweit steigen, werden Milch, Käse, Quark und Joghurt teurer. Schlecht für deutsche Verbraucher - gut für die Molkereien. Sie können sich endlich gegen das Diktat des Einzelhandels wehren.

Die Aufregung ist groß: Der Preis für Milch und Molkereiprodukte werde ab dem kommenden Mittwoch um bis zu 50 Prozent steigen, meldete die Zentrale Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft am Wochenende. Ein Päckchen Butter werde dann beispielsweise 1,19 Euro statt 79 Cent kosten, der Liter Milch fünf bis zehn Cent mehr als bisher. Nun werfen sich Politiker, Milchindustrie und Handel gegenseitig Preistreiberei vor.

Von „Abzocke“ durch Milchindustrie und Einzelhandel sprach die Vorsitzende des Bundestagsagrarausschusses Ulrike Höfken von den Grünen. Die so gescholtenen Molkereien wuschen, ebenso wie die Viehhalter, ihre Hände in Unschuld: Schließlich sei der Einzelhandel für die Preise im Supermarkt verantwortlich. Dieser versuchte derweil zu beschwichtigen, in Gestalt des Geschäftsführers des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels Hubertus Pellengahr. Es sei klar, dass Milch, Butter, Käse und Co. teurer werden müssten, sagte Pellengahr, doch „explodieren“ würden die Preise nicht. Er gab die Kritik zurück an die Politik – die Bundesregierung selbst habe durch die jüngste Erhöhung der Mehrwertsteuer zur Teuerung beigetragen. Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer nutzte derweil die Gelegenheit, ebenfalls die Einzelhändler zu kritisieren. „Es ist gut, wenn die Bauern mehr bekommen, es wäre aber schlecht, sollte der Handel die Situation jetzt ausnutzen“, sagte er.

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Der Auslöser des Streits, die ZMP, legte am Montag noch einmal nach. Das Kilo Butter werde um 1,40 Euro teurer, sagte Erhard Richarts, ZMP-Abteilungsleiter für Milch und Milchprodukte. Der Quarkpreis werde um 50 Cent je Kilo steigen, der Käsepreis um mehr als einen Euro pro Kilo. „Das muss nicht alles gleich Anfang August passieren“, sagte Richarts. Dafür, so prognostiziert er, würden die Preise bis zum kommenden Sommer oben bleiben.

Die ZMP warnt die Verbraucher, Politiker zeigen sich besorgt, Verbände weisen jede Schuld von sich - ein bisschen Sommertheater steckte wohl schon hinter der öffentlichen Debatte. Denn dass Milch und verwandte Produkte teurer würden, war absehbar. Wer im vergangenen halben Jahr beispielsweise die Butterpreise an der Warenterminbörse in Hannover verfolgte, sah dort sehr deutlich, wie der Preis für nicht abgepackte Butter, die sogenannte Blockbutter, in die Höhe schoss. Dieser Preis gilt aber als Indikator für die Butterpreise im Supermarkt - mit seinem Anstieg kündigte sich die Teuerung für den Endverbraucher also schon an. Weil Blockbutter aber weder über den Einzelhandel vertrieben noch vom Staat mit einer Mehrwertsteuer belegt wird, zeigen die Daten der Warenterminbörse auch, dass hinter dem Anstieg mehr stecken muss als die Gewinnsucht des Einzelhandels oder die Steuererhöhungen des deutschen Staats.

Leser-Kommentare
  1. Warum?
    Soll doch mal die Lebensmittelindustrie darauf verzichten in sämtliche Dinge Laktosepulver reinzuschütten. Ich frag mich eh schon was Milchpulver in sovielen Dingen zu suchen hat. Ach nein, es geht nicht um persönliche Dinge, es geht darum, Geld zu verdienen. Ich vergaß!

  2. Haben nicht nahezu alle Asiaten eine Laktose-Intoleranz? Und gerade die sollen unsere Milchprodukte in riesigen Mengen importieren (und dadurch hier die Preise in die Höhe treiben)? Wo ist mein Denkfehler?

  3. 1. Der Milchpreis wird in Europa einheitlich subventioniert, mit Milliarden, das zum Ersten. Daran hat sich nichts geändert. Die Bauern bekommen Festpreise, die auf Jahre vereinbart sind. EU schottet sich damit auch ab.
    2. Der Preis soll für alle Milchprodukte steigen, aber ich bitte Euch, wollt Ihr Joghurt oder Milch in flüssiger Form nach China exportieren, bei der Haltbarkeit? Und Milchpulver ist eben subventioniert (weil schon eingelagert) - denn "Milchseen" gibt es nicht.
    3. Die Chinesen oder Inder trinken fast keine Milch, oder essen kaum Milchprodukte, die Einzelhandelskonzerne denken, die Preise, die im ruinösen Wettbewerb nach unten gingen, können mit so einer Mär "Milch wird international mehr nachgefragt" (wie Öl oder was?) uns betrügen.
    4. Wir haben schon bei der Gammelfleisch-Debatte gesehen, dass das nur benutzt wird, um die Preise zu erhöhen, wegen der Qualität, die dadurch steigt. Das einzige was stieg, war der Preis: eine runde Pfeffer-Salamiverpackung, die vorher 100g hatte und 99 Cent kostete, war danach bis zu 40% teurer: 80g für 1,29 Euro. Die Qualität und der Hersteller bei mir im Supermarkt ist der gleiche !!!
    5. Warum, wird dann der Milchpreis nur in Deutschland teurer und nicht auch in Holland, Polen oder Österreich?
    Nein die Lebensmittelkonzerne wie Nestle und Co. müssen sich für ihre Preiserhöhungen schon was besseres einfallen lassen. Denn folgendes: 6. Dann stelle ich hier eben mal die "Nachfrage" nach billigerer brasilianischer Milch oder Milchprodukte, die ich gerne kaufen würde (z.B. viel weniger Hormone drin als bei uns) - warum kann ich die hier dann nicht kaufen? Wenn es doch international so nachgefragt wird?

    Ach ja, weil die europäische Milch ja durch ihren subventionierten Preis billiger zu exportieren ist, als z.B. die brasilianische!

    Guckst´Du - Denkst´Du

  4. für Frischmilch und Joghurt? Wohl eher für Trockenprodukte, die die Industrie irgendwo anders auf der Welt wieder anmixt.
    Seit Jahren werden Milch und andere Lebensmittel zu Dumpingpreisen verscherbelt um Marktpositionen von Industrie und Einzelhandel aufrechtzuerhalten. Der geile Geizkragen Konsument geht denen dabei willig zur Hand, damit bloß keins der geliebten Produkte teurer oder gar ausgelistet wird.

    Ohne Galgenhumor kann man sagen, daß Gammelfleisch, BSE und andere Umsatzkiller keine wirklichen Gefahren für die allgemeine Gesundheit darstellen. Die Lebenserwartung steigt trotzdem!

    Es ist nicht einfach und vor Allem unbequem, die "Versorgerketten" beim Einkauf von Nahrungsmitteln nur zum Teil zu umgehen. Wir praktizieren dies seit Langem und stellen fest, dass die Entspannung beim Zeitunglesen steigerungsfähig ist.

    Aber es ist auf jeden Fall eine Nische für nur Wenige, die meisten haben kaum andere Möglichkeiten. Die Strukturen wurden während der letzten 20 Jahre nur sekundär durch die zunehmende Präsenz von Lebensmittelketten verdrängt. Primär und entscheidend war es das Konsumverhalten der Verbraucher.
    Skupellos und geldgierig sucht er seinesgleichen...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • hawat
    • 31.07.2007 um 12:58 Uhr

    jetzt wird das veränderte Konsumverhalten der Verbraucher, sprich indem er mehr bezahlen muß, ja zur erwünschten Entspannung führen:
    Also entspannt Euch mal alle schön an der Milchtheke!
    Denn merke: Die Verbraucher, Konsumenten, sind selbst schuld...

    • hawat
    • 31.07.2007 um 12:58 Uhr

    jetzt wird das veränderte Konsumverhalten der Verbraucher, sprich indem er mehr bezahlen muß, ja zur erwünschten Entspannung führen:
    Also entspannt Euch mal alle schön an der Milchtheke!
    Denn merke: Die Verbraucher, Konsumenten, sind selbst schuld...

  5. Die Ankündigungen einer Butterpreiserhöhung von 50 (fünfzig!) Prozent ist schockierend. Welch ein Kontrast zu der jüngsten Rentenerhöhung von 0,54 (null Komma vierundfünfzig!) Prozent und der für nächstes Jahr großzügig angekündigten Rentenerhöhung von weiteren 0,5 (null Komma fünf!) Prozent, und dies nach mehreren Jahren von Nullrunden trotz steigender Inflation und Geldentwertung. Da braucht es hundert Jahre Rentensteigerungen um die Butterpreiserhöhung eines Jahres auszugleichen! Wo bleibt das Soziale in der Sozialdemokratie, der Christlich Sozialen Union, und in der sozialen Marktwirtschaft?
    Wenn schon im Export höhere Preise für Milch und Milcherzeugnisse zu erzielen sind, dann ist das fein für die Exportwirtschaft, aber noch lange kein Grund, die Inlandspreise für Grundnahrungsmittel gleichermaßen anzuheben. In diesem Bereich sind steuernde Maßnahmen der Preiskontrolle dringend angesagt!

  6. ins Fitnessstudio gehen brauchen sie auch die Nahrungsergänzungsmittel die da angesagt sind.

    Hier sind aus billigen Zutaten Höchstgewinne möglich.

    Ausserdem werben die internationalen Konzerne in China mit mehr Größenwachstum von Kindern durch Milchprodukte, in Japan zeigen sich die Folgen bereits in mehr Zivilisationskrankheiten wie Brustkrebs und Prostatakrebs.

    Erwachsene sollten die Finger von Milch und zuviel Fleischprodukten lassen, damit schädigen sie sich selbst und die Umwelt.

    • ErichH
    • 31.07.2007 um 11:39 Uhr

    Betrachten Sie die Reihe von Skandelen in diesem Bereich!

    Das Viehfutter hat sich zeitweise auch aus Altöl und Fäkalien zusammengesetzt. Könnte man dar einen Zusammenhang erkennen?

    Oder sollen wir die logische Konsequenz aus der Empörung ziehen:

    Lieber Fäkalien (fr)essen, als angemessen bezahlen.

    • hawat
    • 31.07.2007 um 12:58 Uhr

    jetzt wird das veränderte Konsumverhalten der Verbraucher, sprich indem er mehr bezahlen muß, ja zur erwünschten Entspannung führen:
    Also entspannt Euch mal alle schön an der Milchtheke!
    Denn merke: Die Verbraucher, Konsumenten, sind selbst schuld...

    Antwort auf "Milchweltmarkt"

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