Pop

Puls auf 80

Alle Fotos: Christian Bartsch für ZEIT online

Norah Jones mischt Jazz, Country und Pop – seicht und erfolgreich. Den Hamburger Stadtpark verwandelt sie in eine Kuschelwiese. Eine Bildergalerie Ihre Stimme ist erwärmend wie ein Paar Puschen am Kamin: Norah Jones. Sie macht aus Jazz und Country klassische Barmusik. Und verkauft mal eben 39 Millionen Platten. Ohne Pyrotechnik ist sie im Hamburger Stadtpark angekommen, mit ihr 3000 Zuschauer. Der Bühnenaufbau ist schlicht.
Leser-Kommentare
    • Xing
    • 09.08.2007 um 0:28 Uhr

    ...im Prinzip hätte es gereicht, sich in eins dieser Starbuck-Cafés zu setzen, wo auch dort schon diese Sorte Einlullmusik in ihrer Beliebigkeit nur schwer zu ertragen ist.

    Einmal, einmal nur, ist die Band kurz aufgewacht, mit etwas dynamischeren Klängen, um sich sogleich wieder pflichtschuldig im Kaffeesahnedickicht aufzulösen - Süß-klebrig, wie ein Cappuchino Venti mit Vanille-Karameladditiv.

    Mein offensichtlich ebenfalls gelangweilter Konzert-Nachbar, ein gestandener Harleyfahrer, teilte mein Schicksal, auch auschließlich nur seiner Freundin mitgekommen zu sein.

    Es fehlte eine Männerecke.

    Xing

  1. ...schade nur, dass der fotograf anscheinend weder presseausweis noch teleobjektiv dabeihatte. die künstlerischen bewegungsunschärfen sind aber echt super. genauso wie die originellen bildunterschriften. weiter so, liebe schülerzeitung!

  2. Man k a n n Sebastian Reier über Norah Jones schreiben lassen. Natürlich. Der Redakteur entscheidet. Reier könnte auch über Reinhard Mey schreiben. Oder Udo Jürgens. Oder Mary Chapin Carpenter. Er würde sicher in vielen musikalischen Genres das Seichte und das Erfolgreiche entdecken und schließlich: kuscheln nicht auf allen Wiesen der Welt Pärchen zu den unterschiedlichsten Klängen? (Die hier jedoch aufgrund der Kuschelqualität das Attribut "seicht" verdienen) Man kann auch akzeptieren, dass Sebastian Reier Barmusik als minderwertig empfindet, dass er eng umschlungene und selig schunkelnde Paare in seinem Umfeld nicht duldet und dass ein Konzerterlebnispuls von 80 ihm so verdächtig vorkommt, dass er ihn gar schon in der Überschrift als äußerstes Verdachtsmoment nutzt. Dass Cappucinomaschinen zu einer Lebensform (und sicher auch Einkommensform) gehören, die einen guten Teil ihres einlullendes Harz-IV-Ignoranzpotentials aus den ertrinkeseligen Melodiesaucen von Miss Jones ziehen, lässt sich auch noch vertreten. Und dass Herrn Reier inmitten eines zahmen und eingelullten Publikums Gedanken durchs Hirn schießen, wie man die gelangweilten Ordner mit etwas Action wiederbeleben könnte- auch dagegen ist nichts zu sagen. Auch Gespräche über Fender Rhodes können so richtig abnerven, das kann man sicher verstehen. Aber warum---muss denn gerade Herr Reier eine sogenannte "Kritik" über ein Konzert von Norah Jones schreiben? Lasst ihn doch über Confectionsgruppengrößen und Schokoladenmultimediafestivals schreiben oder darüber, wie er seine Schwester leider nicht in Bern getroffen hat, weil sie ja immer unter Strom steht und dass das Auflegen heutzutage auch nicht mehr das ist, was es mal war..es fänden sich sicherlich einige Ereignisse, zu denen Herr Reier seinen Wortsenf abgegeben könnte (sehen sie, nun beginne auch ich, mich zu positionieren, so ist das auf der Welt, lieber verantwortlicher Redakteur!!) und von dessen Beschreibungen wiederum für manche Leser aufgrund vergleichbarer subkultureller Identitätszusammengehörigkeitspositionierungen irgendeine Form von verlinktem Hin und Her zustande käme, die man dann poststrukturell unter "Kommunikation" zusammenfassen würde- aber welchen Sinn macht es, verschiedene Gruppen mit völlig kontroversen Werteuniversen aus unterschiedlichsten Lebenswelten aufeinander loszulassen? Und schlimmer noch: dies alles, ohne den irrsinnigen Vorgang auch nur im mindesten zu kommentieren? (Macht doch zukünftig solche Experimente: die Darmstädter Tage für Neue Musik aus der Sicht einer Kaffeefahrtengruppe zu den Wildecker Herzbuben- das meine ich überhaupt nicht ironisch- das wäre wirklich interessant!) Anders gefragt: würde die Zeit es wagen, einen Jonesianer, einen Schmusekater also auf ein Happening des Augsburger Tafelconfectes anzusetzen (deren eingefügtes "c" mich nachdenklich macht) und eine Kritik in der obigen Form billigen? Wie hat denn Frau Jones musiziert, Herr Reier? War sie wirklich so entspannt, dass viele Zerebralfunktionen sich glücklich verabschiedet haben? Waren ihre Improvisationen so berüchtigt sparsam und berührend, wie es mir schon viele Musiker berichtet haben? Wie stand es um die Tempi- lagen sie wirklich einen minimalen Tick unter der geduldeten Hörakzeptanz? Wie hat sie gesungen, wie haben die einzelnen Musiker gespielt, was haben sie gespielt, wie war die abendliche Dramaturgie, wie hat denn die Mehrheit des Publikums reagiert, wie stand es denn um die Verstärkung? Liebe ZEIT-Redakteure, in der letzten Zeit fallen manche der Artikel, die ihr zulasst, immer mehr auf das Niveau einer (schlechtgemachten) Schüler-Zeitung zurück- und auch, wenn es teils wirklich frisch wirkt und vielleicht einige der älteren Journalisten nicht nur pisakt, sondern auch verjüngt und Euch notgedrungenerweise endlich auch das vielgelobte (und durch gaaanz unauffällige Anbiederung zu gewinnende) jüngere Leserpublikum zuführen soll: ganz so tief und widersinnig sollte es dann doch nicht absinken, das Niveau. Ich habe mir die Mühe gemacht und die Erzeugnisse des Herrn Reier zwei Stunden lang im Netz zusammengefischt: ja--zählt denn die differenzierte Kunst der Beobachtung gar nichts mehr? Die mindeste Relevanz des Gesagten innerhalb des angestrebten Kontextes? Und eine wenigstens leichte Begabung für das nicht unentscheidende Medium der Sprache- vielleicht gar die Lust, sich etwas mehr Zeit zu lassen für die Zubildschirmbringungen? Möchten wir Leser der faszinierendsten deutschen Zeitung solchermaßen Schwachbrüstiges wirklich unter dem Motto: "Hip und In" (oder wie auch immer) lesen? Wollen wir Beiträge lesen, die allein schon durch das Stigma des prädestinierten subkulturellen Mißverständnisses keine relevante Aussagefähigkeit in sich tragen können (wenn man derlei überhaupt akzeptiert für Kritiken- ich bin mir da nicht mehr sicher)? Und wollen wir die äußerst mageren (und reichlich unsachlichen) Bewertungsparameter des Sebastian Reier zulassen als bestandene Eignungsprüfung, um in unser aller ZEIT derlei von Sozialneid und Vorurteil geprägtes Geschreibe lesen zu müssen? Nein. Ein von unbeugsamen Lesern bevölkertes virtuelles Dorf hört nicht auf, den neuen Eindringlingen Widerstand zu leisten...Und eines noch zu guter Letzt: ich bin beileibe kein eingefleischter Norah Jones-Fan- aber ihr besonderer Tonfall, die Setzung eines wirklich eigenen Stils, ihre besondere Entspanntheit, ihre sparsamen Improvisationen , die dennoch in langen Zeiträumen so wunderbar schwingen können, ihr spezielles Timing (das noch hinter dem gefühlten Laid-Back eine Nuance möglich macht) und ihre gesamte, die Musik durchwehende Lebenshaltung aus Melancholie, melancholischer Wärme und melancholischer Verzweiflung, aus der Tristesse hinter vielen anscheinend banalen Wendungen- all das sollte doch nicht von Sebastian Reier mit dem Wort "seicht" abqualifiziert werden dürfen- unter leicht verächtlichem Seitenhieb auf 39 Millionen verkaufte Alben (welches deutsche Unqualitätsmerkmal auch immer pekuniärer Erfolg innerhalb der hippen Szene sein mag). Liebe Redakteure, lasst dies künftig nicht mehr zu! Gebt Euch wieder mehr Mühe und sucht geeignetere Autoren!

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