Börse Die Unsicherheit bleibt

Zu lange haben die Anleger an die Mär vom risikolosen Investment geglaubt. Die Kursverluste der vergangenen Tage holen sie auf schmerzhafte Art zurück in die Realität

Anleger sind manchmal wie Kinder, die noch an Märchen glauben. Viele unter ihnen haben sich lange weismachen lassen, es gebe an den Finanzmärkten kein Risiko mehr. Allzu verlockend waren die Geschichten, mit denen die Broker um ihr Kapital warben, allzu undurchsichtig die Anlageprodukte im Angebot der Finanzhäuser und allzu stark der Druck, zusätzliche Erträge zu erzielen. Doch spätestens nach den Turbulenzen der vergangenen Tage sind die Investoren wieder in der Wirklichkeit angekommen.

Die Ursachen für die Unruhe an den Märkten sind komplex. Am Anfang stehen die Subprime-Hypotheken, also Immobilienkredite an Häuslebauer minderer Bonität, die in den USA vergeben wurden. Zum Problem werden sie, weil sie in großer Zahl nicht mehr zurückgezahlt werden können – vor allem aber durch die undurchsichtige Art, auf die sie verbrieft und von den Finanzinstituten an die Anleger weitergereicht wurden. Nun bringen die faulen Kredite nicht mehr nur die zahlungsunfähigen Häuslebauer in die Bredouille oder ihre Bank, sondern das komplette Finanzsystem.

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Zu viele Anleger haben die intransparenten Produkte im Portfolio. Es sind komplizierte Konstruktionen, abgesichert durch Unternehmensforderungen oder Hypotheken, aus denen sich auch die Rendite der Investoren finanziert. Verpackt wurden diese Pakete in schöne Mäntel mit wohlklingenden Namen. Nun stellt sich heraus, dass die Hüllen nicht halten, was sie versprachen.

Dabei schien es ein sicheres Geschäft: Da Hypothekenkredite meist höher verzinst sind als klassische Anleihen, konnten die Käufer der exotischen Papiere auch mit höheren Erträgen rechnen. In der vergangenen Niedrigzinsperiode waren viele Anleger auf solche Zusatzerträge angewiesen, vor allem institutionelle Investoren, die immer gezwungen sind, die höchstmögliche Rendite zu erwirtschaften. Zwar lernt jeder Wirtschaftsstudent im ersten Proseminar, dass zusätzliche Erträge nur erwirtschaften kann, wer im Gegenzug ein höheres Risiko in Kauf nimmt. Doch durch die neuen Produkte schien dieser Zusammenhang aufgehoben.

Allein er existierte fort. Das wird nun offensichtlich. Gerade institutionelle Anleger mussten mit Schrecken feststellen, dass sie häufig gar nicht genau wissen, was hinter den Papieren steckt, die sie im Depot halten – zum Beispiel angeblich risikofreie Geldmarktfonds, die dann innerhalb weniger Tage 20 Prozent ihres Wertes einbüßten, weil der Kurs der in ihnen verborgenen Finanzinnovationen durch die Marktturbulenzen eingebrochen war.

In Krisenzeiten wie der gegenwärtigen zählt selbst die eigentlich gerechtfertigte Differenzierung zwischen risikoarmen und riskanten Anlageprodukten nichts mehr. Papiere, die auf vergleichsweise stabilen Kreditforderungen europäischer Unternehmen basieren, werden mit solchen, in denen US-Immobilienkredite schlechter Bonität enthalten sind, in einen Topf geworfen. Die einen werden notleidend, die anderen leiden ebenfalls. So etwas nennt man wohl Solidarhaftung.

Leser-Kommentare
  1. Der arme Bernanke kann einem leid tun. Es war nämlich sein sonst stets lauthalsiger Vorgänger Greenspan, der den Leitzins auf 1 % senkte und damit die Billighypotheken überhaupt erst möglich machte.

    • WIHE
    • 07.08.2007 um 14:52 Uhr

    Die meisten Gewinne habe ich mit Aktien gemacht, die ich innerhalb des letzten Jahres gekauft hatte.
    Um keine Steuern zahlen zu müssen, habe ich mich für das Aussitzen entschieden.
    Auch wenn ich heute verkaufen würde, müsste ich Gewinne versteuern. Aber die Gewinne wären viel niedriger als noch vor 14 Tagen.

    Also übe ich mich in Geduld und warte darauf, dass die Aktien wieder steigen, um irgendwann den Lohn meiner Anstrengung nicht mit dem Staate teilen zu müssen.
    Bevor ich mit dem teile, kassiere ich lieber Verluste.

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    • herbi
    • 11.08.2007 um 17:55 Uhr

    "Bevor ich mit dem teile, kassiere ich lieber Verluste." In Deutschland nimmt man lieber Nachteile, sprich Verluste, in Kauf bevor man dem Allgemeinwohl dient und Steuern zahlt.

    Dies ist in vielen Fällen betriebswirtschaftlicher Unsinn. Ein Unternehmen oder eine Privatperson, die gut verdient, zahlt viel Steuern. Darauf übertragen würde das bedeuten, dass ich lieber weniger verdienen will, damit ich nicht so viel Steuern bezahle.

    Für meinen Teil, ich zahle lieber viel Steuern und mache dabei Gewinne, als Verluste zu kassieren, nur damit ich dem Staat nichts zahlen muss. Der zunehmende Steuer-Egoismus und der damit verbundene, oft als Kavaliersdelikt angesehene Steuerbetrug, führt dazu, dass wir auch weniger von den Ausgaben des Staates, in dem wir leben, profitieren können. Mit dieser Einstellung, leider auch von der politischen Klasse vorgelebt, haben wir unserem Land in den letzten Jahren keinen Gefallen getan. Wir können von Glück reden, dass uns derzeit die gute Exportsituation zu Gute kommt. Der Handlungsspielraum des Staates tendierte vor wenigen Jahren noch gegen Null.

    Es wäre schön, wenn man Steuern nich als notwendiges, möglichst zu vermeidendes Übel ansieht, sondern als seinen Beitrag zur Steigerung der Lebensqualität aller Mitbürger, auf den man stolz sein kann.

    • herbi
    • 11.08.2007 um 17:55 Uhr

    "Bevor ich mit dem teile, kassiere ich lieber Verluste." In Deutschland nimmt man lieber Nachteile, sprich Verluste, in Kauf bevor man dem Allgemeinwohl dient und Steuern zahlt.

    Dies ist in vielen Fällen betriebswirtschaftlicher Unsinn. Ein Unternehmen oder eine Privatperson, die gut verdient, zahlt viel Steuern. Darauf übertragen würde das bedeuten, dass ich lieber weniger verdienen will, damit ich nicht so viel Steuern bezahle.

    Für meinen Teil, ich zahle lieber viel Steuern und mache dabei Gewinne, als Verluste zu kassieren, nur damit ich dem Staat nichts zahlen muss. Der zunehmende Steuer-Egoismus und der damit verbundene, oft als Kavaliersdelikt angesehene Steuerbetrug, führt dazu, dass wir auch weniger von den Ausgaben des Staates, in dem wir leben, profitieren können. Mit dieser Einstellung, leider auch von der politischen Klasse vorgelebt, haben wir unserem Land in den letzten Jahren keinen Gefallen getan. Wir können von Glück reden, dass uns derzeit die gute Exportsituation zu Gute kommt. Der Handlungsspielraum des Staates tendierte vor wenigen Jahren noch gegen Null.

    Es wäre schön, wenn man Steuern nich als notwendiges, möglichst zu vermeidendes Übel ansieht, sondern als seinen Beitrag zur Steigerung der Lebensqualität aller Mitbürger, auf den man stolz sein kann.

    • herbi
    • 11.08.2007 um 17:55 Uhr

    "Bevor ich mit dem teile, kassiere ich lieber Verluste." In Deutschland nimmt man lieber Nachteile, sprich Verluste, in Kauf bevor man dem Allgemeinwohl dient und Steuern zahlt.

    Dies ist in vielen Fällen betriebswirtschaftlicher Unsinn. Ein Unternehmen oder eine Privatperson, die gut verdient, zahlt viel Steuern. Darauf übertragen würde das bedeuten, dass ich lieber weniger verdienen will, damit ich nicht so viel Steuern bezahle.

    Für meinen Teil, ich zahle lieber viel Steuern und mache dabei Gewinne, als Verluste zu kassieren, nur damit ich dem Staat nichts zahlen muss. Der zunehmende Steuer-Egoismus und der damit verbundene, oft als Kavaliersdelikt angesehene Steuerbetrug, führt dazu, dass wir auch weniger von den Ausgaben des Staates, in dem wir leben, profitieren können. Mit dieser Einstellung, leider auch von der politischen Klasse vorgelebt, haben wir unserem Land in den letzten Jahren keinen Gefallen getan. Wir können von Glück reden, dass uns derzeit die gute Exportsituation zu Gute kommt. Der Handlungsspielraum des Staates tendierte vor wenigen Jahren noch gegen Null.

    Es wäre schön, wenn man Steuern nich als notwendiges, möglichst zu vermeidendes Übel ansieht, sondern als seinen Beitrag zur Steigerung der Lebensqualität aller Mitbürger, auf den man stolz sein kann.

    Antwort auf "Aussitzen, ganz klar"
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    • WIHE
    • 21.08.2007 um 2:04 Uhr

    Herbi,

    schön gesprochen.
    Ich bin ein bisschen sauer auf diesen Staat.
    Ich bin verwitwet und allein erziehend.
    Das Lust auf das Steuernzahlen ist mir gründlich vergangen.
    Wenn ich bedenke, was ich im letzten Jahr an finanziellen Einbußen zu tragen hatte, dann kann ich wenigstens meine Haltung selbst verstehen.
    Alleinerziehungsfreibetrag gestrichen, Weihnachtsgeld halbiert, Restbehalt aus einer Witwenrente gestrichen, ein Vorstandsvorsitzender einer großen deutschen AG, z.B. Dieter Zetsche würde ihn weiterbekommen, trotz seines hundertfach höheren Gehaltes, eine Ministirialdirigentin, der der Mann - z.B. Staatssekretär - verstorben wäre, ebenfalls.
    Freiwillig zusätzlich Steuern zahlen? Niemals.
    Lieber verzichte ich auf realisierten Gewinn.

    • WIHE
    • 21.08.2007 um 2:04 Uhr

    Herbi,

    schön gesprochen.
    Ich bin ein bisschen sauer auf diesen Staat.
    Ich bin verwitwet und allein erziehend.
    Das Lust auf das Steuernzahlen ist mir gründlich vergangen.
    Wenn ich bedenke, was ich im letzten Jahr an finanziellen Einbußen zu tragen hatte, dann kann ich wenigstens meine Haltung selbst verstehen.
    Alleinerziehungsfreibetrag gestrichen, Weihnachtsgeld halbiert, Restbehalt aus einer Witwenrente gestrichen, ein Vorstandsvorsitzender einer großen deutschen AG, z.B. Dieter Zetsche würde ihn weiterbekommen, trotz seines hundertfach höheren Gehaltes, eine Ministirialdirigentin, der der Mann - z.B. Staatssekretär - verstorben wäre, ebenfalls.
    Freiwillig zusätzlich Steuern zahlen? Niemals.
    Lieber verzichte ich auf realisierten Gewinn.

    • WIHE
    • 21.08.2007 um 2:04 Uhr

    Herbi,

    schön gesprochen.
    Ich bin ein bisschen sauer auf diesen Staat.
    Ich bin verwitwet und allein erziehend.
    Das Lust auf das Steuernzahlen ist mir gründlich vergangen.
    Wenn ich bedenke, was ich im letzten Jahr an finanziellen Einbußen zu tragen hatte, dann kann ich wenigstens meine Haltung selbst verstehen.
    Alleinerziehungsfreibetrag gestrichen, Weihnachtsgeld halbiert, Restbehalt aus einer Witwenrente gestrichen, ein Vorstandsvorsitzender einer großen deutschen AG, z.B. Dieter Zetsche würde ihn weiterbekommen, trotz seines hundertfach höheren Gehaltes, eine Ministirialdirigentin, der der Mann - z.B. Staatssekretär - verstorben wäre, ebenfalls.
    Freiwillig zusätzlich Steuern zahlen? Niemals.
    Lieber verzichte ich auf realisierten Gewinn.

    Antwort auf "Steuern zahlen"

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