Die symbolische Eroberung des Meeresbodens unter dem Nordpol hat begonnen: Mit einer groß angelegten Tauchaktion am Nordpol hat Russland seinen Anspruch auf die reichen Öl- und Gasvorräte in der Arktis geltend gemacht. Russische Polarforscher stießen heute erstmals in der Geschichte der Nordpolexpeditionen mit zwei bemannten "Mir"-Tauchkapseln bis zu einer Tiefe von 4302 und 4261 Metern auf den Meeresboden vor.

Auf dem Grund des Eismeeres stellte die Expedition eine ein Meter hohe russische Flagge aus unverwüstlichem Titan auf. Damit will Moskau seinen Anspruch auf die reichen Öl- und Gasvorräte in der Arktis geltend machen. Unter dem Meeresgrund in der Arktis sollen bis zu 25 Prozent der globalen Öl- und Gasvorräte liegen – und auch Zinn-, Mangan-, Gold-, Nickel-, Blei-, Platin- und Rohdiamantenvorkommen.

Das russische Staatsfernsehen hatte live über die Aktion berichtet. Außenminister Sergej Lawrow sagte, das Ziel der russischen Expedition sei es, wissenschaftliche Beweise dafür zu sammeln, dass das Unterwassergebirge am Nordpol mit dem russischen Festland verbunden sei. Die Frage des Eigentums müsse auf Grundlage internationalen Rechts neu geregelt werden, betonte Lawrow.

Auch die anderen sogenannten Polarstaaten USA, Kanada, Dänemark und Norwegen erheben Ansprüche auf das Gebiet. Nach der UN-Seerechtskonvention von 1982 können die Polarstaaten jeweils 320 Kilometer vom jeweiligen Festland aus in Richtung Nordpol als Wirtschaftszone beanspruchen. Doch seit 2001 verlangt die Regierung in Moskau einen größeren Teil einschließlich des Nordpols. Russland hofft auf 1,2 Millionen Quadratkilometer zusätzliche Fläche - ein Gebiet, das etwa doppelt so groß wie Frankreich wäre.

Die dänische Regierung bewertete Russlands Nordpol-Aktion mit Blick auf Territorialansprüche als "bedeutungslosen Gag für die Medien". Zur Entsendung der zwei russischen Mini-U-Boote sagte der Sprecher im Kopenhagener Außenministeriums, Peter Taksøe-Jensen: "Das nehmen wir sehr gelassen und mit Humor. Für die juristische Durchsetzung völkerrechtlicher Ansprüche hat das nicht die geringste Bedeutung."