Computerhacker

Geekheim Finowfurt

Der Chaos Computer Club wird erwachsen. Beim vierten Sommercamp gab es einen Kindergarten und Vorträge von Rechtsanwälten - aber wie immer auch Anleitungen zum Ungehorsam.

Aus einem der alten Flugzeug-Bunker pingelt "Computerliebe" von Kraftwerk, es riecht nach Kaffee und die ersten ferngesteuerten Drohnen taumeln durch die Luft. Zwölf Uhr, langsam kommt Bewegung ins Camp. Der Zug derer, die sich ihre Morgendosis "Club Mate" von der Bar holen und ein Rührei mit Toast vom Rührei-und-Toast-Stand, wird größer. Das Tempo: gemächlich. Erster Eindruck: Ein ganz normaler Zeltplatz. Nur das kaum jemand ein Handtuch um die Schultern hat, dafür aber fast alle ein Laptop unterm Arm. Der Ort: GPS Target Waypoint Nord 52.8317, Ost 13.6779, gemeinhin bekannt als Finowfurt.

Anzeige

Der Chaos Computer Club hat zum Sommercamp geladen . Das findet alle vier Jahre in der brandenburgischen Steppe statt und ist so etwas wie ein Pfadfinderlager für Hacker aus aller Welt. Dieses Jahr treffen sie sich auf einem alten Russenflugplatz nördlich von Berlin.

Wer hier herkommt, meint die Sache mit den Computern ernst und hat kein Problem damit, wenn andere ihn als Nerd bezeichnen. Im Gegenteil. Draußen, im RL, dem real life, ist die Bezeichnung eine Stigmatisierung, um auszugrenzen. Hier drinnen ist er die Eintrittskarte, das Passwort. Das Sommercamp ist ein Schutzgebiet, ein Biosphärenreservat. Die Lebensbedingungen sind optimal: es gibt Strom bis in jedes Zelt, freien Zugang zum Internet, haufenweise Vorträge über Themen wie "Hardware Hacking for Software Geeks" und ein eigenes Funknetz für schnurlose Telefone. Dafür sind Duschen rar, doch das interessiert kaum jemanden. Es ist wie bei einem großen Klassentreffen, man kommt, um alte Freunde zu treffen, um Blödsinn zu machen, zu reden, zu feiern. Und um zu hacken.

Was nicht immer etwas mit Rechnern zu tun haben muss. Hacker verstehen sich vor allem als kreative Leute. Sie interessieren sich nicht dafür, wozu etwas gebaut wurde. Sie wollen lieber wissen, wie es funktioniert und was man damit noch anstellen kann.

Wie Starbug zum Beispiel. Er hat auch einen richtigen Namen, doch den will er nicht in der Öffentlichkeit lesen. Verständlich, zeigt er doch in seinem Vortrag anderen, wie man biometrische Pässe wieder zu normalen Pässen machen kann. Aus einer Einwegkamera, deren Blitzkondensator und einer selbst zusammen gewickelten Spule hat Starbug einen Biometriechip-Killer gebaut. Der besteht vor allem aus Klebeband, hat nur ein paar Euro gekostet und eine halbe Stunde Zeit. Einmal draufdrücken und der Chip, der Gesicht und Fingerabdrücke des Passinhabers speichert und dessen Entwicklung sich das Innenministerium Millionen kosten ließ, ist hinüber. Der Pass ist trotzdem gültig, die Operation hat aus dem Überwachungshelfer ein Sandkörnchen im Getriebe der elektronischen Grenzkontrolle gemacht.

Anzeige
Leser-Kommentare

    • 12.08.2007 um 14:30 Uhr
    • culum

    ich nehme an damit sind "22 Länder der EU sowie Australien, Brunei, Japan, Neuseeland und Singapur" gemeint. Besonders die ersten 22-1 sind ja gefährlich ;-)
    Ja; Terrorismus ist überall.

    MfG
    culum

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren
  • Von kai biermann
  • Datum 13.8.2007 - 09:53 Uhr
  • Seite 1 | 2 | 3 | 4 | Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT online
  • Kommentare 1
  • Empfehlen E-Mail verschicken | Bookmarks
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service