Finanzkrise Das Risiko kehrt zurück

Die Finanzmärkte könnten nach der gegenwärtigen Krise wieder schnell auf riskante Geldanlagen setzen, warnt Raghuram G. Rajan, ehemals Chefökonom des IWF. Ein Interview

Raghuram G. Rajan lehrt Ökonomie an der Universität Chicago und gilt als ein führender Experte in Geld-, Währungs- und Bankenfragen. Bis Ende 2006 war er Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF). Thomas Fischermann sprach mit ihm über das Gewitter am internationalen Finanzmarkt und die Gefahren für die Weltwirtschaft.

ZEIT online:Es blitzt und donnert an den internationalen Finanzmärkten , ein Investmentfonds nach dem nächsten braucht Nothilfen. Aber in dieser Woche hatten erstaunlich viele Optimisten das Wort. Etliche Notenbankiers, Ökonomen großer Banken und Zeitungskommentatoren glauben, dass die Krise fast vorüber sei.

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Rajan: In Wahrheit ist das unheimlich schwer zu beurteilen. Schauen Sie auf die Ursachen der jetzigen Krise. Ausgangspunkt sind die vielen notleidenden Hypothekenkredite am amerikanischen subprime market . Da sind Kreditnehmer in Schwierigkeiten geraten, die von vornherein nicht die beste Bonität hatten. Die Probleme rühren aber auch daher, dass der amerikanische Immobilienmarkt sich abgekühlt hat. Viele sagen, dass in beiden Bereichen noch viel passieren wird: Etliche Hypothekenkredite, die zu variablen Zinssätzen abgeschlossen wurden, werden jetzt teurer, weil die Zinsen steigen. Und die Hauspreise steigen nicht mehr wie in vergangenen Jahren um 10 oder 12 Prozent im Jahr, was manche Hausbesitzer in Schwierigkeiten bringt. Es gibt längst Anzeichen, dass nicht nur die riskanten subprime -Kreditnehmer in der Bedrouille stecken, sondern auch andere. Dann wäre ein viel größeres Marktsegment am Hypothekenmarkt betroffen als bisher. Zwei bis dreimal so groß.

ZEIT online: Groß genug, um weite Teile des Finanzmarktes oder gar die Konjunktur in Mitleidenschaft zu ziehen?

Rajan: Im Vergleich zur gesamten Wirtschaftskraft der USA ist das immer noch sehr klein. Doch die Verluste sind sehr stark konzentriert, bei einigen Anlegern, die massiv in solche Hypothekenkredite investiert haben. Wir haben im Augenblick leider keinen Überblick, wer diese Anleger sind, wessen Bilanz am Ende damit belastet ist. Deshalb können wir die Gefahren nicht abschätzen. Ich bin mir sicher, dass neben den Hedgefonds auch noch eine Reihe von Vermögensverwaltungen von Universitäten, Pensionsfonds, Lebensversicherungen betroffen sind.

ZEIT online: Warum sind die Gesellschaften überhaupt ein so großes Risiko eingegangen?

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