Wahrnehmung Äpfel oder Birnen?Seite 2/2
Trotzdem präsentieren sie ihre Theorie von der Wahrnehmungsblockade selbstbewusst. Ihre Forschungsergebnisse könnten sich auf alle Arten des optischen Designs auswirken, glaubt Liqiang Huang, zum Beispiel auf die Werbung. Designer müssten berücksichtigen, dass die Wahrnehmung eben beschränkt sei. Zum Beispiel, indem sie nur wenige Farben benutzen. Zu bunte Anzeigen oder Bilder können schließlich nur in vielen Schritten, also langsam aufgenommen werden.
Anderen Forschern gehen solche Schlüsse zu weit. Karl Gegenfurtner, Experimentalpsychologe an der Universität Gießen und dort Mitglied der Forschergruppe Wahrnehmung und Handlung, findet die Science-Ergebnisse zwar "interessant und spannend", bleibt aber skeptisch. Richtig sei, dass immer mehr Kognitionsforscher die visuelle Wahrnehmung für limitierter halten, als gemeinhin gedacht. Doch die These, dass wirklich nur eine Farbe auf einmal ins Bewusstsein dringe, sei "sehr waghalsig", sagt der Psychologe. "Das führt einen deutlichen Schritt weiter und zwar in eine extreme Richtung." Dafür seien die experimentellen Befunde der Amerikaner recht knapp und hätten zu schwache Beweiskraft.
Vor allem gebe es nach derzeitigem Forschungsstand in der Struktur des Gehirns nichts, das auf die Farbthese hinweisen würde. Damit die Nervenzellen, die auf verschiedene Farben ansprechen, nur eine davon weiterleiteten, müsste es einen dahinter geschalteten, neuronalen Auswahlprozess geben. Ein solcher ist Gegenfurtner aber nicht bekannt. Die Theorie der Amerikaner, glaubt der Gießener Forscher, werde sich deshalb wohl eher nicht dauerhaft halten.
- Datum 11.08.2007 - 08:13 Uhr
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