Schule Einheitspauken

Unionspolitiker fordern das Zentralabitur bundesweit. Es geht um Gerechtigkeit und Vergleichbarkeit. Kann eine einheitliche Prüfung das gewährleisten?

Alle Abiturienten in ganz Deutschland sollen, geht es nach einigen CDU- und CSU-Politikern, an denselben Tagen über exakt den gleichen Prüfungsaufgaben brüten. Der baden-würthembergische Ministerpräsident Günther Oettinger hat die Diskussion aufgebracht und viele haben sich ihm angeschlossen. Auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan ist dafür. Zumindest im Prinzip. Man wolle den Vorschlag nicht voreilig ablehnen, sagte ihr Sprecher Elmar König. Immerhin sei er ein guter Impuls für eine bessere Vergleichbarkeit der Abiturnoten. Vorrangiges Ziel müsse aber sein, dass sich "die Abituraufgaben an bundesweiten Bildungsstandards für die gymnasiale Oberstufe orientieren".

Das Ministerium ist so vorsichtig, weil es nicht darüber entscheiden kann. Die konkrete Ausgestaltung sei Sache der Kultusminister der Länder, so König. Und es gibt auch Kritik an der Idee, auf die man offensichtlich reagieren will. Eltern- und Lehrerverbände beispielsweise fordern, den Fokus eher auf allgemeine Bildungsstandards zu legen, nicht auf einheitliche Abiturfragen. Heinz-Peter Meidinger vom Philologenverband beispielsweise bemängelte, dass für das Abitur nur „schwammig formulierte Prüfungsanforderungen“ existierten.

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Im Oktober soll die Kultusministerkonferenz darüber erstmals beraten. Schon im August wollen sich die Kultusminister der unionsregierten Länder auf einen gemeinsamen Vorschlag einigen, berichtet die Süddeutsche Zeitung .

Ein Argument der Befürworter des Zentralabiturs ist die Gerechtigkeit: Keiner würde die Prüfungsthemen kennen, weder Lehrer noch Schüler. Es würde also keine Klassen mehr geben, die von ihrem Lehrer die Antworten zu konkreten Fragen eingebläut bekommen, während andere gar nicht wissen, was sie erwartet. Doch das könnte eigentlich auch schon durch länderinterne zentrale Prüfungen erreicht werden, bundesweite braucht es dazu nicht. Und zentrale Länderprüfungen sind oder werden inzwischen in den meisten Bundesländern eingeführt, zumindest für einige Fächer. Nur Rheinland-Pfalz will auch in absehbarer Zeit noch nicht nachziehen.

Allerdings ist es mit der Gerechtigkeit so eine Sache. Denn erstens hieße das Zentralabitur nicht, dass zwei Schüler an zwei verschiedenen Schulen, die die gleiche Prüfung ablegen, auch gleich gut vorbereitet werden. Zweitens müssten, um absolute Gerechtigkeit herzustellen, auch alle Arbeiten von demselben Lehrer bewertet werden. Denn für viele Fächer kann es nur Richtlinien geben, um eine Aufgabe zu benoten. Viel bliebe der Auslegung des einzelnen Prüfers überlassen. Ganz gerecht wird es also nie sein.

Doch gibt es noch ein Argument für das Einheitsabitur, vielleicht das zentrale: Abiturnoten würden vergleichbar für Universitäten und Arbeitgeber. Sie wirkten verlässlicher auf Eltern und Schüler und schüfen deshalb mehr Vertrauen. Man müsste nicht mehr davon ausgehen, dass ein Schüler, der in Bayern Abitur gemacht hat, in Wirklichkeit eine Note besser ist als einer, der die Prüfungen in Hamburg ablegte.

Leser-Kommentare
  1. Wer hätte gedacht, dass diese Idee "ausgerechnet" von dem CDU-Ministerpräsidenten Oettinger kommt? Respekt, Herr Oettinger! So wird es vielleicht doch noch etwas, mit dem oft gerühmten, aber bisher nie unter Beweis gestellten "Wettbewerbsföderalismus" im Bildungsbereich unter den Bundesländern.
    Wenn zentrale Abschlussprüfungen, dann bitte aber nicht nur das Zentralabitur, sondern auch den zentralen mittleren Abschluss und den zentralen Hauptschulabschluss, zusammengestellt von einem zu schaffenden Prüfungsamt der Kultusminsterkonferenz.
    So werden wir endlich erfahren, in welchen Bundesländern die besten Schulen sind und wo die erfolgreichste Schul- und Bildungspolitik gemacht wird. Und zwar jedes Jahr wieder an den Ergebnissen der Prüfungen selbst, die für sich stehen, auch wenn in die Abschlussnoten der einzelnen Schüler natürlich auch ihre Jahresleistungen mit eingehen.
    Weniger erfolgreiche Bundesländer können sich an den erfolgreicheren ein Beispiel nehmen und ihre Schulsysteme verbessern. Dann hört die Bildungskakophonie in Deutschland bald auf und die internationale Wettbewerbsfähigkeit und die Chancengerechtigkeit unseres Bildungssystems, mit denen es nicht zum Besten steht, steigen.
    Das Problem ist nur, dass sich alle Bundesländer einig werden müssen. Rheinland-Pfalz, das Bundesland des Ministerpräsidenten und SPD-Vorsitzenden Beck, hat noch nicht einmal ein Landesabitur, von Realschul- und Hauptschulabschlussprüfungen gar nicht zu reden. In Hessen macht die SPD-Spitzenkandidatin Ypsilanti Wahlkampf damit, dass sie die von der CDU-Regierung Koch eingeführten zentralen Abschlussprüfungen nach einem Wahlsieg bei der Landtagswahl im kommenden Frühjahr wieder abschaffen will.
    Die politische "Linke" ist nach Aussagen dieses Blattes und anderer gerade wieder im Kommen. Ist es etwa "links", sich vor transparentem Wettbewerb zu drücken oder Schulabschlüsse zu produzieren und sich und anderen bei deren Qualität in die Tasche zu lügen?
    In das gleiche Horn stößt, wie gewohnt, die linke Lehrergewerkschaft GEW, die sich die altbekannten Sorgen darüber macht, dass in den Schulen nur noch abfragbares Wissen gelernt würde, und die inneren Werte sowie die Herzensbildung zu kurz kämen. Keineswegs, liebe Kollegen, ich kann sie da völlig beruhigen! An den Herausforderungen des Lebens, und Prüfungen sind zweifellos solche Herausforderungen, wächst auch der Charakter.
    Ich hoffe, die Initiative Herrn Oettingers kommt durch und wird nicht wieder unter der Rubrik "Sommertheater" abgelegt, wie neulich die Initiative der Bundesbildungsministerin Schavan bezüglich einheitlicher Lehrbücher für ganz Deutschland.
    Herr Oettinger hat hier, aus meiner Sicht, sogar noch den besseren Ansatz.
    Entgegen der Bedenken, die auch der Autor des Artikels wieder feinsäuberlich aufzählt, funktionieren zentrale Abschlussprüfungen nämlich. Auch wenn sie, wie alles Menschenwerk, natürlich nie vollkommen sein werden.
    Sie spornen sowohl die Schüler als auch die Lehrer zu höheren Leistungen an. Sie heben das Niveau an unseren Schulen und verbessern die Disziplin und die Arbeitsmotivation aller Beteiligten.
    Als Lehrer kann ich dies sagen, weil ich es jedes Jahr wieder neu erfahre.
    Und ich bin mir sicher, dass zentrale Schulabschlussprüfungen, auf die Dauer, in unserem Land für mehr und sicherere Arbeitsplätze und damit ein höheres Maß an sozialer Gerechtigkeit sorgen werden.

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    @lehrerpeter
    Volle Zustimmung! Ich hoffe sehr, dass viele Ihrer Kollegen so denken, und dies über die Schulräte in die Politik tragen. Es wäre schlimm, wenn man diese Chance wieder mit dem Totschlagargument Freiheit und "Jeder soll seins machen" vergibt.

    @lehrerpeter
    Volle Zustimmung! Ich hoffe sehr, dass viele Ihrer Kollegen so denken, und dies über die Schulräte in die Politik tragen. Es wäre schlimm, wenn man diese Chance wieder mit dem Totschlagargument Freiheit und "Jeder soll seins machen" vergibt.

  2. Die Einführung des Zentralabis wäre auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Nur so kann wirkliche Gerechtigkeit geschaffen werden, mit zentralen Prüfungsaufgaben als Grundstein für einheitliche Bildungsstandards. Als Schüler auf dem Weg zur Universität ist es unerträglich, eine Wichtung der Abi-Note nach Bundesland zu erfahren und auch entsprechenden Vorurteilen begegnen zu müssen. Selbst im Artikel taucht die einfache (und unzutreffende) Formel auf, ein Schüler aus Bayern sei ohnehin eine Note besser. Wirklich ? Wer vergleicht das ? In Brandenburg, wo ich zur Schule ging, wurden die Abiture noch von den Fachlehrern in zwei Varianten ausgearbeitet und vom Schulamt genehmigt, ergo in jeder Schule ein anderes Abitur. Wer sagt, dass diese nicht mit denen aus anderen (südlichen) Bundesländern mithalten können ? Zumal die Vorbereitungsaufgaben zu 80% aus bayrischen oder baden-würtembergischen Abituren stammten... Ein zentrales Abi würde hier die fehlende Vergleichbarkeit schaffen und möglicherweise vielen späteren Studenten die oft vorhandene Arroganz nehmen, aus einem Bundesland zu kommen, wo man "ja von vornherein zu den schlaueren Bürgern dieser Republik gehört".
    Leider driftet die Diskussion oft in die Richtung, alles strikt abzulehnen, was irgendwie zentralistisch anmutet. Womöglich noch, das "wäre ja wie in der DDR..." Ja und ? Warum nicht, in Frankreich geht's doch auch ... und da noch viel anonymer, mit dem Verschicken der Abiture quer durch's Land zur Korrektur an anderen Schulen.

  3. @lehrerpeter
    Volle Zustimmung! Ich hoffe sehr, dass viele Ihrer Kollegen so denken, und dies über die Schulräte in die Politik tragen. Es wäre schlimm, wenn man diese Chance wieder mit dem Totschlagargument Freiheit und "Jeder soll seins machen" vergibt.

  4. Seitdem meine Bewerbung mit einem 1,3-er Abitur bei BMW abgelehnt wurde, weil mein hessisches Abitur (damals noch nicht zentral geprüft) zu schlecht sei, sehe ich deutschlandweite Zentralprüfungen positiv. Da es aber um Inhalte gehen sollte, sind einheitliche Bildungsstandards noch wichtiger. Ob nun zuerst die Standards und dann die Prüfungen kommen sollten oder umgekehrt ist dabei einerlei, denn ich sehe beide als zwei Seiten der gleichen Medaille. Beide wären ein richtiger Schritt zu mehr Gerechtigkeit und mehr Vergleichbarkeit nicht nur der Schüler, sondern auch der Lehrer, der Schulen und der Länder. Gerade die Lehrer sollten sich ruhig mal etwas mehr Wettbewerb stellen.
    Es sollte aber durchaus darauf geachtet werden, dass die Vereinheitlichung nicht zu sehr um sich greift und sinnvolle lokale Ansätze verhindert. Aber ein Vereinheitlichungsgrad von 80% durch konkrete Standards sollte kein Problem sein. Die restlichen 20% kann dann jede Schule, jeder Lehrer selbst füllen und damit ein individuelles Profil beibehalten.

  5. Wen mein Kind Zukunftschancen bei einem ZA (Zentralabitur) haben soll, dann muss ich als Elternschaft rasch auch unfähige Lehrer absetzen können. Sonst raube ich meinem die Kind die Zukunftschance aufgrund des zugewiesenen Lehrers und der zugewiesenen Schule . Und die reicheren Kinder können zu einer Privatschule flüchten. Ach, was für ein elendes Zweiklassensystem. Ach wie gut, dass der Durchschnittsdeutsche so dumm ist.

    Das ZA setzt einen "göttlich" (oder was auch immer) richtigen Lehrplan voraus. Aua.

    ZA: Wohl (faschistoides?) Instrument eine Obrigkeitsstaates. Hierüber sollte man diskutieren. Mein Gott, das Untertanendenken ist noch weit verbreitet.

    Ich bin für Jahrgangstests - anonym für die Schüler, nicht anonym für die Schulen. Bei genügend Probanden kann man sich ein statistisch verlässliches Bild über den Lehrer, die Schule und letztlich die Schulbehörden machen.

    Wer bewertet die Bewerter? Das fehlt! Insoweit ist das ZA höchst unvollkommen.

    Und was soll die Bewertung mit Noten überhaupt? Vgl. Finnland.

    Wissen Sie, warum eigentlich damals die Pisa-Studie in D (Deutschland) bis nach der Bundestagswahl unter Verschluß gehalten wurde? Sie war schon ein halbes Jahr zuvor erstellt worden, was sollte das?

    Warum gibt es keine Pisa-Studie über die Lehrer in D? Warum war und ist der Widerstand hiergegen so groß?

    Fragen über Fragen. Für mich stinkt's in D. Und was ist mit der Lehrer-Ausbildung in D an den Hochschulen? Ist sie heute immer noch so katastrophal?

    Die KMK hat sich als besonders unfähige Krake herausgestellt. Wer dieser "Institution" das Wort redet, ich weiß ja nicht. Will man weiterhin das Versagen des Förderalismus verdeutlichen?

    Gruß
    Bernhard Schülke

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    @Herr Schülke

    Darf ich zusammenfassen: Sie sind mit der Gesamtsituation unzufrieden ? :-)
    Schade, dass es gleich wieder so polemisch wird und einem sofort faschistoides Untertanendenken unterstellt wird. Aber das war irgendwie abzusehen.

    Gruß, EinAndrer

    @Herr Schülke

    Darf ich zusammenfassen: Sie sind mit der Gesamtsituation unzufrieden ? :-)
    Schade, dass es gleich wieder so polemisch wird und einem sofort faschistoides Untertanendenken unterstellt wird. Aber das war irgendwie abzusehen.

    Gruß, EinAndrer

  6. Zentrale Abiprüfungen - ja!!
    Wir leben in Deutschland - ob in Kiel oder am Bodensee; in dieser Republik sollte es eine Bildungsgerechtigkeit geben; bei gleicher Leistungsfähigkeit - ausgedrückt in Noten - soll der Abiturient aus Kiel die gleichen Chancen auf einen Ausbildungsplatz in Baden-Württemberg haben wie derjenige aus Baden-Württemberg.
    In unserem föderalistischen System - jedes Land kocht seine eigene Suppe - ist dies jedoch nicht gewährleistet, da es keine echten Vergleichsmöglichkeiten gibt, da in jedem Bundesland unterschiedliche Standards und Prüfungen.

    Bildungsgerechtigkeit setzt für mich ein System voraus, in welchem Abschlüsse vergleichbar sind und nicht durch irgendeinen Erfahrungsfaktor willkürlich auf- bzw. abgewertet werden.

  7. @Herr Schülke

    Darf ich zusammenfassen: Sie sind mit der Gesamtsituation unzufrieden ? :-)
    Schade, dass es gleich wieder so polemisch wird und einem sofort faschistoides Untertanendenken unterstellt wird. Aber das war irgendwie abzusehen.

    Gruß, EinAndrer

  8. Wenn Schule besser werden will, wird sie nicht darum herumkommen vom Zufallsprinzip der Individualität der LehrerInnen Abstand zu nehmen und Ordnung in den Ablauf des Unterrichts zu bringen.
    Ordnung heißt: "Jede einzelne" Unterrichtsstunde hat ihr Thema. Jede einzelne Prüfung hat einen Aufgabenkatalog aus dem nach dem Zufallsprinzip die Prüfungsaufgaben ausgewählt werden. Und das nicht erst zum Abitur, sondern alles ab dem 1. Schultag.
    Sowohl die Themen für den Unterricht, als auch die Prüfungen sollen kein Geheimdokument der LehrerInnen sein, sondern allen zur Einsicht zur Verfügung stehen: Kindern Eltern, Wirtschaft, weiterführenden Schulen und allen die es sonst noch wissen wollen, oder zb selbst lernen wollen. Das Schulwissen soll keine esoterische Literatur, sondern Allgemeingut sein. Natürlich kann man das Schulwissen überall in allen Bibliotheken finden. Es geht hier darum, dass das Schulwissen sauber geordnet, vollständig, in zusammenhängenden Themen dargestellt ist. Die LehrerInnen sollen verpflichtet sein, sich an diese Ordnung zu halten. Alle Schüler sollen eine Recht auf einen Unterricht nach diesen Vorgaben haben.
    Der Unterricht besteht aus einer bestimmten Anzahl Pflichtfächern, einem Teil Wahlpflichtfächern und für die besonders Leistungsfähigen noch zusätzlich die Möglichkeit der freien Wahlfächer. So können problemlos SchülerInnen mit unterschiedlicher Lernfähigkeit in die gleiche Schule gehen. Jede Schule soll ein Dienstleistungsunternehmen sein, dass alle Dienstleistungen anbietet. Aber nicht alle Schüler nehmen alle Dienstleistungen in Anspruch.

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