Afghanistan ist eine gefährliches Land. Das ist allen klar. Ist aber Afghanistan für Deutsche besonders gefährlich? Führen die Taliban etwa Krieg gegen die Deutschen? Nach dem Attentat vom Mittwoch, durch das in Kabul drei BKA-Beamte getötet wurden, stellen sich viele diese Fragen.

Klar ist eines: Die Taliban führen Krieg gegen alle, die ihnen im Weg stehen - ob sie aus dem Westen kommen oder aus Afghanistan. Die Deutschen gehören zu ihren Zielen und Opfern. Sie sind jedoch nicht die Bevorzugten. Die Gewalt der Taliban trifft vor allem die Afghanen selber, namentlich Polizisten, Soldaten, Lehrer und alle, die sich am Aufbau des neuen Staates beteiligen.

Es gibt keinen Krieg gegen die Deutschen, jedenfalls keinen gezielten. Was es aber gibt, ist ein hoch entwickeltes Bewusstsein der Taliban, dass man mit wenigen Mitteln viel Wirkung erzielen kann. Die Taliban wissen natürlich, dass in Deutschland im Herbst die Bundestagsdebatte über die Verlängerung der Afghanistan-Mandate ansteht. Sie wissen auch, dass eine Mehrheit der Deutschen den Afghanistan-Einsatz beenden möchte. Sie wollen die öffentliche Meinung in Deutschland gezielt beeinflussen. Tote Deutsche in Kabul, davon versprechen sie sich große Wirkung in ihrem Sinne: Der Rückzug Deutschlands und aller anderen ausländischen Truppen aus Afghanistan ist ihr Ziel.

Die Attentate sind der Beweis für die mediale Stärke der Taliban. Sie sind aber auch der Beleg für ihre militärische Schwäche. Das ist nur auf den ersten Blick ein Paradox. Tatsächlich sind die Taliban auf militärischen Gebiet in diesem Jahr von der Nato in die Defensive gedrängt worden. Den islamistischen Gotteskriegern ist es - entgegen ihren vollmundigen Erklärungen - nicht gelungen, eine Offensive im Süden des Landes zu starten. Sie haben keine einzige Bezirksstadt auf Dauer unter ihre Kontrolle bringen können. Auch das hatten sie angekündigt.

Auf diese Misserfolge haben die Taliban mit einem Strategiewechsel reagiert. Sie führen Attentate aus und entführen Ausländer und hoffen, dass die westlichen Medien mitspielen. Ein toter Deutscher in Kabul ist mehr wert als eine gewonnene Schlacht im Süden des Landes, über die kaum jemand berichtet, es sei denn, es sterben wieder einmal viele unbeteiligte Zivilisten. So lautet das grausame Kalkül der Taliban. Was die mediale Reaktion in Deutschland angeht, könnte es erneut aufgehen. Die Politik allerdings erweist sich als standfest. Noch jedenfalls. Für die Deutschen in Afghanistan bleibt es gefährlich. So oder so.