DDR-Geschichte Stasi, Mauer, Stacheldraht

Mit Erfolg verhindern die Kommentatoren in der Schießbefehl-Debatte wieder einmal eine offene Debatte über unser gemeinsames Erbe DDR. Eine Antwort auf Michael Lühmann

Wenn es um die Aufarbeitung der DDR geht, befindet sich die deutsche Öffentlichkeit nach wie vor im Schützengraben. Triumphierend wiederholten allerlei Kommentatoren in den vergangenen Tagen die trivialste aller Kenntnisse über den realsozialistischen Staat im Osten: Er war eine Diktatur. Mit dieser Feststellung aber endet die Diskussion nicht, wie es viele gern hätten. Im Gegenteil: Sie steht am Anfang jeder Auseinandersetzung über die DDR.

Dass die Deutschen erschreckend wenig über diesen vergangenen Staat wissen, zeigte eine jüngere Umfrage. Sieben Prozent aller deutschen Gymnasiasten glauben, Erich Honecker sei der zweite deutsche Bundeskanzler gewesen. Man darf annehmen, dass diese Zahl noch höher ausgefallen wäre, hätte man nur westdeutsche Schüler befragt.

Anzeige

Deutschland hat eine offene Debatte über sein jüngeres Erbe bitter nötig. Vielleicht ist die Zeit noch nicht reif dafür, brauchen die Deutschen noch einige Jahre Abstand, um einzuschätzen, welche der oft grotesken, hin und weiter heiteren, häufig auch grausamen Erfahrungen sie in den Rucksack packen wollen. Sicher aber ist: Es reicht nicht, die DDR nur als kommunistischen Unrechtsstaat zu kennzeichnen. Das war sie, ohne Frage. Sie ist aber auch die kulturelle, politische und soziale Herkunft jedes fünften Deutschen.

Michael Lühmanns Beschreibung revisionistischer Netzwerke wie der edition ost mag deshalb zwar zutreffen. Er holt aber weiter aus und prangert in seinem Artikel auch eine "Verharmlosung" der DDR im MDR an und meint damit - zugegeben unwissenschaftliche - Sendungen, etwa über Freizeit und Sexualität im SED-Staat. Die Behauptung jedoch, es sei auch diese Art der DDR-Aufarbeitung, die die Befürworter der Demokratie in den neuen Bundesländern in die Minderheit gebracht habe, geht vollends an der Sache vorbei. Sie entspricht im übrigen genau jener Art der Vergangenheitsbewältigung, die in den vergangenen siebzehn Jahren tonangebend war und dem Muster folgt: alles, was mit der DDR zu tun hat, ist von Übel, weil sie eben eine Diktatur war. Das muss man den Menschen nur oft und lange genug erklären. Wer so denkt, nimmt an, dass es reine Propaganda ist, etwas einfach Abzuschaltendes, das die Ostdeutschen so renitent macht und ihren Geist vernebelt. Dass nur endlich die Wirtschaft in Gang kommen muss, damit die Ostdeutschen sich endlich als zugehörig begreifen. Es ist aber viel komplizierter.

Lührmann verwechselt Ursache und Wirkung. Es sind nicht solche Sendungen wie im MDR, die bei vielen Ostdeutschen einen nostalgischen Blick zurück entstehen lassen. Sie spiegeln vielmehr das Bedürfnis nach kultureller Selbstvergewisserung wider. Was wiederum einiges damit zu tun hat, wie radikal die deutsche Einheit das Leben der ehemaligen DDR-Bürger verändert hat. Im übrigen trägt wohl auch die Abwesenheit der Westdeutschen in diesem Diskurs dazu bei, dass dieser Erinnerung bisweilen glorifizierend und manchmal auch entschuldigend wirkt. Warum eigentlich befassen sich westdeutsche Sender und Zeitungen nur mit DDR-Themen, wenn sie mit Mauer, Stasi und Stacheldraht zu tun haben? Weil alles andere kitschige Propaganda ist? Oder doch, weil derartiges das westdeutsche Publikum langweilen würde?

Leser-Kommentare
    • rudi14
    • 17.08.2007 um 8:54 Uhr

    Das die DDR mehr war, als eine Diktatur, wissen scheinbar nur wenige. Viele in den neuen Bundesländern haben sich mittlerweile daran gewöhnt, in den Medien nur über dieses Thema bzw. die Ostalgie definiert zu werden. Im Alltag stellen wir immer wieder fest, dass die guten Dinge, die es gab, langsam wiederkommen. Nur dürfen diese nicht als "DDR-Produkte" verkauft werden. Es sind ganz neue, innovative Ansätze und Projekte. Ein Beispiel zeigt sich für mich in den aktuellen Ansätzen der Berufsorientierung in den Schulen. Wenn Schüler im Rahmen des Schulunterrichts als Berufsorientierung in Werkstätten und/oder Unternehmen gehen, dann sagen alte DDR-Bürger "das hatten wir schon mal und hieß nur damals PA (Produktive Arbeit - die noch älteren sagen UTP) oder in der theoretischen Variante ESP (Einführung in die sozialistische Produktion). Gleiches beim Thema Kinderbetreuung. Den heute hochgelobten Betriebskindergarten hatten wir auch schon mal - nur hieß es nach der Wende, den brauchen wir nicht mehr, die Mütter sollen ihre Kinder zu hause erziehen. Heute ist es für Unternehmen fast schon Marketing, einen Betriebskindergarten zu haben.
    Weitere Beispiele selbst in den "kapitalistischen" Unternehmen bzw. allgemein in der Betriebswirtschaft könnten folgen.
    Der sparsame Umgang mit den Ressourcen der Natur, auch den hatten wir (wenn auch aus anderen Gründen) ebenfalls in der DDR. Mir ist klar das es insbesondere beim Umweltschutz nicht so toll aussah. Auch insgesamt ist mir klar, dass die DDR nicht immer heile Welt war, aber das allzu negative Bild, welches insbesondere in den westlichen Medien gezeichnet wird, stimmt so ebenfalls nicht. Und ich habe das Gefühl, dass sich der Ostdeutsche mittlerweile einen Panzer angelegt hat, gegen all die negativen Berichte und dann nur noch unter seinesgleichen von den guten Dingen erzählt und höchstens noch um die Ecke gedacht, seine Sicht der Dinge berichtet.
    Wie gesagt, es darf nicht gesagt werden, dass hatten wir schon in der DDR und es hat funktioniert, sondern andere haben es erprobt und daran können wir uns orientieren.
    Im übrigen gibt es auch die einen oder anderen Westdeutschen, die ihr Bild aus eigenen Erfahrungen heraus über den Osten und seine Vergangenheit mehr als revidiert haben.

  1. ... ich kann dieses Wort nicht mehr hören. Wann starten wir endlich einen Befreiungsfeldzug um die Monegassen von ihrer diktatorischen Knechtschaft zu befreien. Eine Diktatur ist nicht automatisch schlecht, eine Demokratie nicht automatisch gut - bestes Beispiel USA.

    Eine Diktatur welche eine klare Linie verfolgt ist allemal besser als ein solch unstetes Gewurschtel wie wir es jetzt haben.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie schreiben:

    "Eine Diktatur welche eine klare Linie verfolgt ist allemal besser als ein solch unstetes Gewurschtel wie wir es jetzt haben."

    Mein Kommentar:

    Dann war Nazi-Deutschland besser als unser jetziges Gewurschtel, wenn wir davon ausgehen, dass damals eine klare Linie verfolgt wurde.

    Sie schreiben:

    "Eine Diktatur welche eine klare Linie verfolgt ist allemal besser als ein solch unstetes Gewurschtel wie wir es jetzt haben."

    Mein Kommentar:

    Dann war Nazi-Deutschland besser als unser jetziges Gewurschtel, wenn wir davon ausgehen, dass damals eine klare Linie verfolgt wurde.

  2. Dann empfehle ich Ihnen, Staatsbürger von Nordkorea zu werden: Da kriegen Sie dann soviel Diktatur mit "klarer Linie" wie Sie wollen.

  3. 070817fr1214 vierzehn minuten nach zwölf uhr mittags

    "Arroganz kommt vor dem Fall"
    (KlaKoWa)

    Aber Hallo, lieber Christian Bangel,
    ja, es ist richtig, jeder hat davon geredet, von der Wiedervereinigung. Es sei Politik, sie herbeizuführen, sie herbeiführen zu wollen.

    Dann, niemand war wirklich drauf vorbereitet. Sie sei über uns gekommen und eine einmalige Chance gewesen, dieses "Zeitfenster" hätte genutzt werden müssen und auf "die Schnelle" hätte man ebend nicht anders gekonnt - so in etwa Doktor Helmut Kohl.

    Nur, der an "etwas" wirklich glaubt, wer zuversichtlich ist, arbeitet dafür!!

    Ich behaupte, daß weder ein Doktor Helmut Kohl noch viele andere wirklich an die Wiedervereinigung geglaubt hat.

    Ansonsten hätten sie vorgesorgt.

    Und, entschuldigen Sie bitte (na, ich laß das weg und zitiere, was ich bereits 1995 im Schreiben an Johannes Rau niedergelegt habe)...

    ***Diese Tatsache und die „Wiedervereinigung“ wird eines Tages als gigantische Fehlleistung der Deutschen und deren „Führungskraft“, dem Kanzler Helmut Kohl (in meinen Augen ein Dilettant, wie er im Buche steht), erkannt und zum Allgemeinwissen zählen. Hier wurde nicht nur eine Chance vertan.***

    Dem habe ich eigentlich auch heute nichts weiter hinzu zu fügen.

    Doch: Es ist immer wieder dasselbe, da kommt eine äußert arrogante sogenannte Elite daher und will den Betroffenen sagen, warum sie...
    Sie kommt, diese Elite, ausschließlich - nach Adam Smith - ihren persönlichen Reichtum zu mehren.

    Mein Freund sagte mal: Raubritter, Glücksritter, im Westen abgehalfterte Politiker, alle kamen sie, um sich zu bereichen, zu rauben und zu stehlen.

    Und ich füge hinzu: Zugehört hat keiner - außer mir!!

    Ich kann Ihnen hunderte Beispiele nennen. Es ist eine Schande, was die Verantwortlichen geschehen ließen. Doch Sie sind und waren ja Teil dieses korrupten Systems.

    Tschuldigung - ich hab soooooo en Hals!!

    Mit herzlichem Gruß und kühl-rauchendem Kopfe
    Ihr Mit-Leid -äh- Mit-Leut
    klaus w.
    Dat KlaKoWa
    Mit Glied der MU - materiellen Unterschicht
    Der, der mit seinem "Gott" spricht

  4. - das kennt doch jeder aus eigener Erfahrung, deshalb kann ich solche rosarote Erfahrungen auch akzeptieren. Viel problematischer wird es bei notorischen Geschichtsverdrehern, da sollte man ganz genau hingucken.

    Was mich z.Z. viel nervöser macht, ist die Tatsache, dass unsere Supermanager hier den Kommunismus einführen wollen.
    Natürlich den aus China, mit der Option "Wer nicht spurt wird entlassen".
    In unserer Firma (Den Namen darf ich nicht nennen - wir wurden schriftlich dazu vergattert nur positiv über die Firma zu berichten (soviel auch zum Thema "Meinungsfreiheit in der BRD)wird trotz Rekordgewinnen die Arbeitszeit erhöht und die Sonderzahlungen gestrichen.

  5. Aus dem Artikel:

    „Triumphierend wiederholten allerlei Kommentatoren in den vergangenen Tagen die trivialste aller Kenntnisse über den realsozialistischen Staat im Osten: Er war eine Diktatur.“

    Mein Kommentar:

    Ja, er war eine Diktatur!

    Aus dem Artikel:

    „Dass die Deutschen erschreckend wenig über diesen vergangenen Staat wissen, zeigte eine jüngere Umfrage. Sieben Prozent aller deutschen Gymnasiasten glauben, Erich Honecker sei der zweite deutsche Bundeskanzler gewesen.“

    Mein Kommentar:

    Das wundert mich nicht, wenn ich mich an die post68er Lehramtsstudenten erinnere, die sich fast ausschließlich mit mehr oder weniger abstrusen Faschismustheorien beschäftigten. Hell- und weitsichtige Lehrer sind dabei nicht entstanden.

    Aus dem Artikel:

    „Es reicht nicht, die DDR nur als kommunistischen Unrechtsstaat zu kennzeichnen. Das war sie, ohne Frage. Sie ist aber auch die kulturelle, politische und soziale Herkunft jedes fünften Deutschen.“

    Mein Kommentar:

    Was soll man mit diesem Satz nur anfangen, außer der Relativierung von Unrecht? Was wäre, wenn der Ausdruck „DDR“ mit dem Ausdruck „Nazi-Deutschland“ ersetzt würde? Aus der Sicht universeller Menschenrechte bleibt doch Unrecht was es ist, nämlich Unrecht. Aus kulturrelativistischer Perspektive verböte sich ein be(ver)urteilender Standpunkt jedoch ganz von selbst.

    Aus dem Artikel:

    „Sie entspricht im übrigen genau jener Art der Vergangenheitsbewältigung, die …dem Muster folgt: alles, was mit der DDR zu tun hat, ist von Übel, weil sie eben eine Diktatur war.“

    Satzvariation:

    Sie entspricht im Übrigen genau jener Art der Vergangenheitsbewältigung, die dem Muster folgt: alles, was mit Nazi-Deutschland zu tun hat, ist von Übel, weil sie eben eine Diktatur war.

    Wir können allerdings als Hypothese setzen: Es gibt gute (linke, Diktatur des Proletariats?) und schlechte (nicht-linke?) Diktaturen.

    In Venezuala ist ein Herr Chávez gerade dabei, eine (gute linke?) Diktatur einzurichten. Ich nehme an, unser Kasper Oskar wird dort bald willkommener Besucher sein.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Spiegel 15.08.07:
    MIELKES SCHWERES ERBE
    Wie die Aufarbeitung der Stasi-Akten neu organisiert werden könnte
    Von Hubertus Knabe

    Vorschlag mit Ergänzung
    Vorwort: Wenn das nicht geschehen sollte, dann besteht bei der nächsten Wahl die Gefahr,
    daß die Rattenfänger Lafontaine und Gysi sehr große Teile der Bevölkerung
    die Benachteiligten
    die neuen alten Roten
    die rot lackierten Braunen
    die alten neuen Braunen

    an sich binden.

    Die deutschen Medien -
    vor allem die ö.r. TV-Sender (denen ihre Brötchen zwangsweise verdient werden und ohnehin den Auftrag dazu haben)
    - müssten Aufarbeitungsvorreiter für eine umfassende Aufklärung/Information aller Bürger sein und sollten sich endlich dazu - in einer konzertierten Aktion - entschließen.
    Dazu gehört zwingend die Aufarbeitung des Beginns dieser Ungeheuerlichkeit, die mit dem Namen Kohl (und Schäuble??) untrennbar verbunden ist.
    ER hat eine kriminelle Organisation - ohne Not ?????(STASI/SED-PDS) - in unsere Demokratie übernommen,
    ER hat sie ihr beiseite geschafftes Geld behalten lassen
    ER hat sie unsere Milliarden (nicht vorhandene) unkontrolliert ausgeben lassen
    ER hat sie den ö. Dienst unkontrolliert übernehmen lassen
    und zum Dank fürstlich verrentet, dank der Mithilfe des Bundesverfassungsgerichts,
    das diesen Verbrechern den "Schutz ihrer persönlichen Lebensleistung" bestätigte.

    Alle die unter diesen Verbrechern gelitten haben, gingen - bis jetzt - leer aus.
    (Anmerkung: Wenn das nicht einen Friedens-Nobel-Preis wert ist !???????)

    Originaltext Auszugsweise übernommen aus www.stasiopfer.de
    ....Die CDU geführte Bundesregierung hat bis 1998 dem nicht ausreichend Rechnung getragen.
    Im Gegenteil - es wurde ein "Waffenstillstand" zwischen dem MFS und den Sicherheitsbehörden der BRD abgesprochen:
    Straffreiheit für Mitarbeit: Verzicht auf Sabotage gegen sichere Position......

    Spiegel 15.08.07:
    MIELKES SCHWERES ERBE
    Wie die Aufarbeitung der Stasi-Akten neu organisiert werden könnte
    Von Hubertus Knabe

    Vorschlag mit Ergänzung
    Vorwort: Wenn das nicht geschehen sollte, dann besteht bei der nächsten Wahl die Gefahr,
    daß die Rattenfänger Lafontaine und Gysi sehr große Teile der Bevölkerung
    die Benachteiligten
    die neuen alten Roten
    die rot lackierten Braunen
    die alten neuen Braunen

    an sich binden.

    Die deutschen Medien -
    vor allem die ö.r. TV-Sender (denen ihre Brötchen zwangsweise verdient werden und ohnehin den Auftrag dazu haben)
    - müssten Aufarbeitungsvorreiter für eine umfassende Aufklärung/Information aller Bürger sein und sollten sich endlich dazu - in einer konzertierten Aktion - entschließen.
    Dazu gehört zwingend die Aufarbeitung des Beginns dieser Ungeheuerlichkeit, die mit dem Namen Kohl (und Schäuble??) untrennbar verbunden ist.
    ER hat eine kriminelle Organisation - ohne Not ?????(STASI/SED-PDS) - in unsere Demokratie übernommen,
    ER hat sie ihr beiseite geschafftes Geld behalten lassen
    ER hat sie unsere Milliarden (nicht vorhandene) unkontrolliert ausgeben lassen
    ER hat sie den ö. Dienst unkontrolliert übernehmen lassen
    und zum Dank fürstlich verrentet, dank der Mithilfe des Bundesverfassungsgerichts,
    das diesen Verbrechern den "Schutz ihrer persönlichen Lebensleistung" bestätigte.

    Alle die unter diesen Verbrechern gelitten haben, gingen - bis jetzt - leer aus.
    (Anmerkung: Wenn das nicht einen Friedens-Nobel-Preis wert ist !???????)

    Originaltext Auszugsweise übernommen aus www.stasiopfer.de
    ....Die CDU geführte Bundesregierung hat bis 1998 dem nicht ausreichend Rechnung getragen.
    Im Gegenteil - es wurde ein "Waffenstillstand" zwischen dem MFS und den Sicherheitsbehörden der BRD abgesprochen:
    Straffreiheit für Mitarbeit: Verzicht auf Sabotage gegen sichere Position......

  6. Von Christian Bangel stammt auch dieser niedliche Bericht über seine Kindheit in der DDR:

    Kohlenzüge mahlen und Fähnchen schwingen

    Dort behauptet Bangel z.B., "Höhepunkt kommunistischer Indoktrination" im DDR-Kindergarten sei es gewesen, "Erich Honecker mit Fähnchen winken zu müssen, als er an einem Feiertag mit seinem Tross an der Hauptverkehrsstraße vorbeifuhr." Wie süß! So ganz und gar harmlos ging es also zu in der SED-Diktatur!

    Da verwundert es Einen dann doch ein bisschen, wenn Christian Bangel zum Schluss erklärt: "Linkspartei habe ich trotzdem nie gewählt." (Warum nicht?) Und natürlich ist es nur zu verständlich, wenn jemand wie Bangel sich seine schönen Erinnerungen an seine Kindheit in der DDR von Miesmachern wie Michael Lühmann nicht kaputtreden lassen möchte.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Argumentationsweise von winterhart ist genau die, die es mir verleidet, mich an Diskussionen über die DDR zu beteiligen. Warum bitte darf ich - oder auch irgend jemand anders aus der DDR oder dem Iran oder der Tschechoslowakei - keine glückliche Kindheit gehabt haben, in der Albernheiten wie "Soldaten sind vorbeimarschiert" oder Winken an der Protokollstrecke Randerscheinungen waren? Die westdeutsche hohe Warte - "Wir erklären Euch mal, wie Ihr gelebt habt und wie Ihr heute damit umzugehen habt" - hat genau zu dem geführt, was Bangel beklagt: Die ostdeutsch bestimmte Vergangenheitssicht als Gegenwehr gegen eine kolonialisierte Erinnerung. Wen wundert es da, dass es auf beiden Seiten zu Glorifizierungen kommt?

    Die Argumentationsweise von winterhart ist genau die, die es mir verleidet, mich an Diskussionen über die DDR zu beteiligen. Warum bitte darf ich - oder auch irgend jemand anders aus der DDR oder dem Iran oder der Tschechoslowakei - keine glückliche Kindheit gehabt haben, in der Albernheiten wie "Soldaten sind vorbeimarschiert" oder Winken an der Protokollstrecke Randerscheinungen waren? Die westdeutsche hohe Warte - "Wir erklären Euch mal, wie Ihr gelebt habt und wie Ihr heute damit umzugehen habt" - hat genau zu dem geführt, was Bangel beklagt: Die ostdeutsch bestimmte Vergangenheitssicht als Gegenwehr gegen eine kolonialisierte Erinnerung. Wen wundert es da, dass es auf beiden Seiten zu Glorifizierungen kommt?

  7. Nicht vergessen, wir haben am 7. September wieder einen Gedenktag, der deutsch-deutsche Geschichte geschrieben hat.
    Dann,genau vor 20 Jahren ist der Diktator des "Unrechtsstaates" DDR, Chef der "Verbrecherpartei SED" und Verursacher des "Schießbefehls" Erich Honecker, wie jetzt gefunden wurde, getarnt als Generalsekretär und Vorsitzender des Staatsrates in Bonn eingefahren. Nur deshalb wurde er versehentlich mit allen militärischen Ehren für ein Staatsoberhaupts eines UNO-Mitgliedstaates empfangen. In schönen Reden, anschließend durch "Gläserklang" bekräftigt, beschworen beide Seiten die Verantwortung für die gemeinsame Vergangenheit und Zukunft. Über eine Bemerkung Honeckers zu den Bedingungen der Veränderung des Grenzregimes wurde tagelang in den Medien orakelt. Nach einem "Schießbefehl" wurde nicht gefragt. Ein "Haftbefehl" wegen der "Mauertoten" wurde durch die "unabhängige" Justiz nicht ausgestellt. Diesen hatte er sich erst "verdient", nachdem seine Grenzer am 9.11.1989 nicht auf Frauen und Kinder geschossen haben und seine brutale STASI durch ihre in der Geheimdienst-Welt beispiellose Auflösung den friedlichen Weg in die deutsche "Einheit" entscheidend mitebnete. Aber was spielt das noch für eine Rolle, wenn man, wieder durch schöne Reden, diesmal aber an das jubelnde, gemeine Volk gerichtet, einen Zugewinn von 108000 qkm Staatsgebiet erhält und sogar noch die Nachbarn wegen "Großdeutschland" ein bisschen erschrecken kann.Was jetzt nur noch stört ist die "Nostalgie" eines großen Teils dieser "Undankbaren". Aber dazu haben wir endlich nach 17 Jahren mühevoller Kleinstarbeit aus vielen Tausend Metern Aktenbeständen das "Kron-Dokument" gefunden, das den ganzen "Schrecken" der DDR beweist. Dieses eine aus dem Gesamtzusammenhang herausgerissenen und missbrauchte Dokument, für das sich vor 10 Jahren als es in ca. 50000 Büchern verbreitet wurde, keiner wegen Belanglosigkeit interessierte, wird für die Zukunft zeigen, welchen Einfluss die Verantwortlichen für diese Vergiftung des politischen und geistigen Klimas in Deutschland weiter haben werden. Die Welt wird auf uns schauen und sich fragen,was habt Ihr aus dem Glücksfall friedliche "Deutsche Einheit" gemacht? Soll dann diese geheuchelte und verlogene Betroffenheits-Kultur, die auf dem Rücken der Opfer des "Kalten Krieges" ausgetragen wird, eine Antwort sein?
    Jedenfalls waren wir in den hoffnungsvollen Tagen des September 1987, was das "Deutschland-einig Vaterland" betrifft wesentlich weiter, als mit dem heutigen Motto: " Wie viele Dokumente müssen denn noch gefunden werden, damit Ihr Ossis endlich nach unserer Pfeife tanzt? "

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service