DDR-Aufarbeitung Rosa-rote ScheinweltSeite 2/2

Nun sind diese Ausflüge in die heile Welt des SED-Staates zwar kritisch zu hinterfragen, aber eben auch freie Meinungsäußerung in einer pluralistischen Gesellschaft, und die Freiheit des Andersdenkenden tiefer Ausdruck der 1989 erkämpften Freiheit. Doch Bücher und Autoren der edition ost apostrophieren genau jene Freiheit, stellen kontrastierend zum historisch verbürgten Mainstream knallhart auf Geschichtsrevisionismus ab. Der Verlag bietet den sektiererischen Kreisen ehemaliger Stasi-Kader eine Bühne, die diese immer offensiver nutzen. Einen Eindruck davon gewinnt man selbst in der freien Internet-Gemeinde. Je spezifischer die DDR-Themen, desto häufiger erkennt man etwa bei Wikipedia die Handschrift der edition ost-Autoren.

Wer sind nun diese Autoren? In alphabetischer Reihenfolge taucht da zuerst Robert Allertz auf, Autor der beiden Bücher: "Im Visier die DDR. Eine Chronik" und "Sänger und Souffleur. Biermann, Havemann und die DDR". Das erstgenannte Buch handelt vom Versuch, die DDR ob ihrer Stärken beständig zu schädigen, um nachzuweisen, dass der "Gegner", die BRD, eben wirklich ein Gegner voll böser Absichten war. Das zweite Buch schickt sich an "hinter die Fassade" zu blicken und den "tatsächlichen Charakter" der Biermann-Ausbürgerung zu beleuchten. Gleichzeitig schreibt der Autor für das "Insiderkomitee zur Förderung der kritischen Aneignung der Geschichte des MfS" (IK) über die Haltung der Linkspartei zur DDR-Staatssicherheit. Er fordert einen selbstbewussteren Umgang mit dieser Vergangenheit, schließlich lebe die katholische Kirche auch mit der Inquisition, Menschenverbrennung und Missionierung. "Um wie vieles leichter wiegt da die Vergangenheit der DDR mit ihren Erfahrungen des frühen Sozialismus.", so Allertz.

Das Insiderkomitee ist nur einer der Vereine früherer Stasi-Kader, die immer wieder mit Autoren der edition ost in Verbindung zu bringen sind. Betrachtet man das Verlagsprogramm, so erscheint diese enge Zusammenarbeit nachvollziehbar, denn das Geschichtsbild gleicht sich auffällig. Während Vereine wie die "Gesellschaft zur rechtlichen und humanitären Unterstützung e. V." (GRH), die "Initiativgemeinschaft zum Schutz sozialer Rechte ehemaliger Angehöriger bewaffneter Organe und der Zollverwaltung der DDR" (ISOR) und die "Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde e.V." (GBM) der Verklärung der DDR-Geschichte in Veranstaltungen und Internetangeboten Vorschub leisten, verlegt die edition ost die Bücher dazu; eines der Lieblingsthemen: die Berliner Mauer. Dazu die GRH: "Die Maßnahmen vom 13. August 1961 verhinderten die aggressiven Pläne des Westens, sicherten den Frieden und trugen zur Entschärfung eines gefährlichen Krisenherdes in Europa bei." Die edition ost liefert das ideologisch passende Buch, "das Standardwerk", dazu: "Die Grenzen der DDR. Geschichte, Fakten, Hintergründe.", herausgegeben von Peter Freitag, Oberst der Grenztruppen der DDR a.D., und Klaus-Dieter Baumgarten, Chef der Grenztruppen der DDR von 1979 bis 1990. Im Übrigen trügen die euphemistischen Vereinsnamen; von Humanität, Bürgerrechten und Menschenwürde haben die Vereinsmitglieder größtenteils eine andere Auffassung als das deutsche Grundgesetz.

Den Beweis dafür treten die Vereinsmitglieder selbst an. So waren sie zum Beispiel maßgeblich an den Ereignissen im ehemaligen Stasi-Knast Hohenschönhausen am 14. März 2006 beteiligt, wo sie bei einer Diskussionsveranstaltung über vier künftige Informationstafeln am Ex-Stasi-Untersuchungsgefängnis Opfer der DDR-Staatssicherheit verhöhnten oder einzuschüchtern versuchten und beweisbare Realitäten umkehrten. Maßgeblich organisiert und geführt wurde dieser "kritische Besuch" bei einer Gedenkveranstaltung im ehemaligen Stasi-Gefängnis von Mielke-Stellvertreter Werner Großmann und dem letzten DDR-Stasi-Chef Wolfgang Schwanitz. Der Erstgenannte schrieb auch, zusammen mit dem mittlerweile verstorbenen obersten DDR-Spion Markus Wolf das Vorwort zu Gotthold Schramms in der edition ost veröffentlichten Werk "Der Botschaftsflüchtling und andere Agentengeschichten". Auch der ehemalige Hauptabteilungsleiter der DDR-Staatssicherheit Dieter Skiba war in Hohenschönhausen zugegen, nannte die Gedenkstätte ein "Gruselkabinett", drohte Opfer zu verklagen. Ach ja, in der edition ost schreibt Skiba auch, in Allertz" Buch über Biermann und Havemann.

Historischer Irrtum sollte nicht justiziabel sein, meint der Historiker Konrad H. Jarausch. Vielmehr sei es eine Aufgabe der Geschichtswissenschaft, öffentlicher Aufklärung und politischen Handelns, ihm entgegen zu wirken. Fast achtzehn Jahre nach der friedlichen Revolution zeigt sich, dass wir hier bezüglich der DDR noch lange nicht am Ende sind.

 
Leser-Kommentare
  1. ... falls das in diesem Kontext auch angewendet werden darf, schreibt nun mal die Geschichte. Insofern ist es wirklich so Elementar was der Westen glaubt dem Osten an Denkansätzen vorgeben zu können? Wenn die Ostdeutschen Ihr Land anders wahrnehmen als wir es tun, wo liegt dann die Wahrheit? Nur schon "Verklärung" für die andere Meinung dafür zu verwenden stösst jegliche Ausserungen "für die DDR" auf ein nicht mehr so frei diskutierbares Niveau.

  2. ... es sich gut leben ließ. Natürlich gibt es immer Leute denen nichts recht zu machen ist. Die sind aber nicht der Maßstab. Die DDR im Jahre 1980 war nicht mehr die DDR 1961 oder 1953. Es war ein wirklich funktionierendes System, im Gegensatz zu dem Chaos heute.

    Es wird nicht mehr lang dauern bis die BRD an die Wand gefahren wird. Der Kapitalismus kann die Massen nicht befriedigen weil immer weniger Menschen benötigt werden um die notwendigen Güter zu produzieren. Das bestehende System ist zum Scheitern verurteilt.

    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Polemik und unsachliche Spekulationen. Danke. Die Redaktion/vn

    • h.kkel
    • 16.08.2007 um 21:30 Uhr

    es ist schon erstaunlich das es wie die kommentatoren über mir immernoch menschen gibt welche einer diktatur nachtrauern und ihre rückehr wünschen ich als auch in der damahligen DDR gebohrener und bürger des jetzt ein des zum glück einigen deutschlands sehe es so nicht und find ihren artikel gut es ist wahrlich nicht alles gut in dder demokratie aber bürger welche nur sehnsucht nach dem alten haben und sich nicht für verbesserungen engagieren sind mir persönlich suspekt

  3. Hey ich habe 30 Jahre in der DDR gelebt - und ich fand's schön, war zufrieden, abgesehen von dem Politklamauk.
    Es gab Sachen, die möchte ich auch heute noch als den hiesigen Verhältnissen haushoch überlegen bezeichnen - und es gab Dinge, die scheitern mussten.
    Bin ich jetzt auch ein Geschichtsklitterer, weil ich nicht alles pauschal mies mache?

    • andrku
    • 16.08.2007 um 21:40 Uhr

    Es gibt halt viele Leute die sich nach der Zeit zurücksehnen. Die darin aufgewachsen sind, ihr Wertesystem, ihre Freunde und ihr Auskommen hatten. Lassen wir ihnen doch ihre spezielle Art der Geschichtsverklärung, solange sowas nicht an den Schulen gelehrt wird...

    Die DDR war mit Sicherheit kein astreiner Rechtsstaat und hatte einige Leichen im Keller, verglichen mit Stalins Regime oder gar dem dritten Reich war sie aber harmlos. Expansionistischen Drang hatte sie kaum, Rassenwahn schon gar nicht, allein von daher ist diese rosa Brille weitgehend ungefährlich.

    Ich habe selbst in der DDR gelebt, wenn auch nur als Jugendlicher. Ich vermisse sie nicht. Vor allem in den letzten Jahren war die Stimmung eher schlecht, ich kann mich noch erinnern, dass fast in jedem Gespräch irgendwie gejammert wurde, weil es dies oder jenes nicht gab. Die DDR war schliesslich fast pleite. Etablierte Bürgerliche und Handwerker hatten diese Probleme natürlich eher nicht, da wurde fleissig Tauschhandel getrieben...Vitamin B eben, damals so nützlich wie heute. Leider waren meine Eltern nur einfache Arbeiter, so dass mir vor, wie aber auch lange Zeit nach der Wende oft nur der neidige Blick auf die Sachen der Anderen blieb.

    MfG
    AKu

    • hawat
    • 16.08.2007 um 21:50 Uhr

    konnten die in der DDR auch schon nicht leiden.
    Vorsicht!

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    • phuter
    • 17.08.2007 um 1:19 Uhr

    es sei denn, man würde die paar Nazis, die ebenso der alten Zeit nachtrauerten mit der gleichen Nachsicht behandeln. Die DDR war zwar nicht nach aussen agressiv - das mag stimmen - aber ein Unterdrückungs und Überwachungsapparat war sie sehr wohl - so wie es schäuble auch gerne heute in der BRD hätte.

    • phuter
    • 17.08.2007 um 1:19 Uhr

    es sei denn, man würde die paar Nazis, die ebenso der alten Zeit nachtrauerten mit der gleichen Nachsicht behandeln. Die DDR war zwar nicht nach aussen agressiv - das mag stimmen - aber ein Unterdrückungs und Überwachungsapparat war sie sehr wohl - so wie es schäuble auch gerne heute in der BRD hätte.

  4. Ich habe mich als BRD Bürger immer gewundert wie leichtfertig die DDR Bürger ihren Staat dem Westen vor die Füße geworfen haben. Nicht anders kann man diesen Hundertmeterlauf zur D-Mark beschreiben. Offensichtlich gab es kein öffentliches Interesse mehr an diesem Staat. Umso peinlicher sind die heutigen Beschwörungen dieses tollen Staates, der vor 18 Jahren an öffentlichen Desinteresse eingegangen ist. Sonst hätten die DDR Bürger doch einen eigenen Weg gewählt. Das sollten sich heutigen propagierer der DDR klar machen.

  5. Wenn man die Kommentare liest, fragt man sich,was die Leute nun eigentlich wollen. Allen gefiel es gut, es war so gemütlich, nicht alles war schlecht (kommt einem eigentümlich bekannt vor),fehlt nur noch die Aussage, daß Erich doch die Autobahnen gebaut hat. Ja zum Teufel, warum habt ihr euer Land denn derartig verrotten lassen, daß es wie ein Kartenhaus zusammenfiel? Oder habt ihr schon vergessen, daß ihr total Pleite wart?

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    • andrku
    • 17.08.2007 um 21:04 Uhr

    @riccardo43

    Zitat:
    "Warum habt ihr euer Land denn derartig verrotten lassen, daß es wie ein Kartenhaus zusammenfiel?

    Da du offensichtlich nicht sehr geschichtsfest bist:

    1)
    Die "Verrottung" war ein Ergebnis der Planwirtschaft und dem Diebstahl von Maschinen etc. durch die Russen, nicht eine Folge der Faulheit der DDR-Bürger. Damit einhergehend ist auch die beliebte westdeutsche Lüge entlarvt, nach der allein der Fleiß der Westdeutschen für ein Wirtschaftswunder sorgte. Ohne Kapitalismus und Marshallplan hätte sich in der BRD ebenso wenig bewegt.

    2)
    Zitat:
    "Oder habt ihr schon vergessen, daß ihr total Pleite wart?"

    Da der Bürger (ähnlich wie auch im jetzigen System) kaum Einfluß auf die Politik hatte, musste ihn sowas nicht interessieren und es wurde, meines Wissens, auch nie öffentlich gemacht. Tatsächlich erfuhr ich persönlich erst nach der Wende von den Schulden der DDR.

    In unseren Zeitungen stand sinngemäß immer etwas derart: "Erneut 120% Planerfüllung im VEB Lebkuchenwerk! SED-Vorsitzender verleiht Orden für außergewöhnliche Leistungen und lobt den Sozialismus, in dem niemand Hunger leiden muss, wie etwa in den imperialistischen Ländern des Westens".

    Im Übrigen ist auch der Westen nicht gerade unverschuldet und dies nicht erst seit der Wiedervereinigung. Einzig die Wachstumsrate verhinderte bisher einen Zusammenbruch. Fraglich wie lange noch.

    3)
    Last not least sind längst nicht alle DDR-Bürger nostalgisch, ebenso wie es nicht allen DDR-Bürgern früher schlecht ging. Auch geht es heute längst nicht allen Ex-DDR-lern besser als früher, wenn man joblos und dadurch ausgegrenzt ist, dann wünscht man sich, trotz Westfernsehen und Reisefreiheit, gerne wieder zurück. In eine Zeit in der man sich noch als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft fühlen konnte.

    MfG
    AKu

    • andrku
    • 17.08.2007 um 21:04 Uhr

    @riccardo43

    Zitat:
    "Warum habt ihr euer Land denn derartig verrotten lassen, daß es wie ein Kartenhaus zusammenfiel?

    Da du offensichtlich nicht sehr geschichtsfest bist:

    1)
    Die "Verrottung" war ein Ergebnis der Planwirtschaft und dem Diebstahl von Maschinen etc. durch die Russen, nicht eine Folge der Faulheit der DDR-Bürger. Damit einhergehend ist auch die beliebte westdeutsche Lüge entlarvt, nach der allein der Fleiß der Westdeutschen für ein Wirtschaftswunder sorgte. Ohne Kapitalismus und Marshallplan hätte sich in der BRD ebenso wenig bewegt.

    2)
    Zitat:
    "Oder habt ihr schon vergessen, daß ihr total Pleite wart?"

    Da der Bürger (ähnlich wie auch im jetzigen System) kaum Einfluß auf die Politik hatte, musste ihn sowas nicht interessieren und es wurde, meines Wissens, auch nie öffentlich gemacht. Tatsächlich erfuhr ich persönlich erst nach der Wende von den Schulden der DDR.

    In unseren Zeitungen stand sinngemäß immer etwas derart: "Erneut 120% Planerfüllung im VEB Lebkuchenwerk! SED-Vorsitzender verleiht Orden für außergewöhnliche Leistungen und lobt den Sozialismus, in dem niemand Hunger leiden muss, wie etwa in den imperialistischen Ländern des Westens".

    Im Übrigen ist auch der Westen nicht gerade unverschuldet und dies nicht erst seit der Wiedervereinigung. Einzig die Wachstumsrate verhinderte bisher einen Zusammenbruch. Fraglich wie lange noch.

    3)
    Last not least sind längst nicht alle DDR-Bürger nostalgisch, ebenso wie es nicht allen DDR-Bürgern früher schlecht ging. Auch geht es heute längst nicht allen Ex-DDR-lern besser als früher, wenn man joblos und dadurch ausgegrenzt ist, dann wünscht man sich, trotz Westfernsehen und Reisefreiheit, gerne wieder zurück. In eine Zeit in der man sich noch als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft fühlen konnte.

    MfG
    AKu

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