SPD
"Freiwillige Wehrpflicht"
Eine neue, seltsame Vokabel. Ein pragmatischer Kompromiss - und eine Nebelkerze.
An diesem Montag berät der Parteivorstand der SPD über das Konzept der
"freiwilligen Wehrpflicht".
Der Begriff klingt wahrlich seltsam, etwa wie "alkoholfreier Schnaps". Die contradictio in adjecto deutet daraufhin, dass hier ein Kompromiss gesucht und gefunden wurde. Das muss nichts Schlechtes sein,
die Demokratie (auch die innerparteiliche) lebt von Kompromissen
; letztlich ist nur wichtig, ob die Vorteile eines Kompromisses seine Nachteile überwiegen. Jedenfalls ist in
die Wehrpflichtdebatte, die zurzeit wieder aufflammt
, Bewegung gekommen.
In der Sache bedeutet "freiwillige Wehrpflicht", dass der Staat sich um Freiwillige für seine Armee bemüht, und, wenn diese Bemühungen nicht hinreichen, auf die allgemeine Wehrpflicht zurückgreifen kann. Purer Pragmatismus, und insofern vernünftig. Freilich enthält diese Idee ein Dementi: dass nämlich die Wehrpflicht aus grundsätzlichen Erwägungen geboten sei, und nicht nur aus praktischen.
Die prinzipiellen Befürworter, auch in der SPD, führen vier Gründe an, die Wehrpflicht nicht fallen zu lassen. Erstens führe sie junge Menschen in die Bundeswehr, die dort als Zeit- oder Berufssoldaten angeworben werden könnten. Zweitens verhindere die Wehrpflicht, dass die Bundeswehr vorrangig zum Auffangbecken sozial Schwacher verkomme. Drittens bewirke sie, dass die Armee nicht zum "Staat im Staate" werden könne, und viertens schließlich falle die Entscheidung über den Waffeneinsatz schwerer, wenn es sich um eine Wehrpflichtarmee und nicht eine von Berufssoldaten handele.
Diese Argumente werden freilich durch Wiederholung nicht besser. Das erste, das Rekrutierungsargument, ist nicht so stark, dass es den tiefgreifenden Eingriff in die Grundrechte rechtfertigen könnte, den eine Einberufung ja darstellt. Schließlich stehen dem Staat im Prinzip ja auch andere Mittel des Anwerbens von Zeit- und Berufssoldaten zur Verfügung. Das zweite Argument scheitert aus den gleichen Gründen an verfassungsrechtlichen Überlegungen. Es ist auch deswegen schwach, weil die heutigen Anforderungen an die Bundeswehr einen weitaus höheren Bildungsstand auch ihrer Mannschaftsdienstgrade voraussetzen als noch zu Zeiten des Kalten Krieges.
Das dritte Argument ist rein ideologisch. Es verkauft uns die Wehrpflicht als "legitimes Kind der Demokratie", obwohl doch der Autor dieses geflügelten Wortes, Theodor Heuss, es besser wusste. Im Deutschland vor der Bundesrepublik ist die Wehrpflicht oft genug von undemokratischen Regimes eingeführt worden. Selbst ihre Nachkriegsgeschichte ist keine demokratische, und damit ist jetzt nicht etwa die NVA gemeint. Ihr Ursprung ist die sogenannte "Himmeroder Denkschrift" von 1950, ein strategisches Papier der "Militärelite des Ostfeldzugs", wie der Militärhistoriker Detlef Bald den Expertenstab nennt, den Konrad Adenauer mit der Abfassung dieses Plans für eine westdeutsche Wiederaufrüstung in Zeiten des Kalten Krieges beauftragt hatte. "Krieg führen à la sowjetische Steppe", in diesen Worten beschrieb Wolf Graf von Baudissin, der an den Beratungen teilgenommen hatte, das Konzept. Das Instrument dafür konnte nur eine Massenarmee sein, also eine Wehrpflichtarmee. Die Denkschrift musste allerdings lange Zeit geheim bleiben, das Parlament blieb außen vor. "Kind der Demokratie? - "
Das vierte Argument schließlich, dass nämlich die Entscheidung über den Waffeneinsatz für eine Wehrpflichtarmee besonders schwer falle, klingt nur so lange plausibel, als vergessen wird, dass der typische Fall des Waffengebrauchs auf absehbare Zeit der Auslandseinsatz ist, und der ist Freiwilligen sowie Zeit- und Berufssoldaten vorbehalten.
- Datum 20.8.2007 - 12:06 Uhr
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geht mit einer Söldnerarmee, besser als wie mit einer Wehrpflichtigenarmee, warum dann nicht gleich Blackwater anheuern ?
"Freiwillige Wehrpflicht"! Was für ein Einfall!
Man weiß als Wähler schon gar nicht mehr, ob man lachen oder weinen soll ob solcher Konzeptlosigkeit einer einstmals großen Partei. Die SPD braucht sich nicht zu wundern, wenn sie aus dem Umfragetief nicht herauskommt und inzwischen sogar um ihren Status als Volkspartei bangen muss.
Und wieder einmal hat die Lafontaine-Linke die Nase vorn: Die hat wenigstens eine klare Position zur Wehrpflicht, indem sie deren Abschaffung fordert!
Offenbar kommt die SPD auch blos nicht ohne Zuchtmeister, Herbert W., aus!
Ganz offensichtlich "Ungediente" und oder "Kriegsdienstverweigerer" fabulieren im Sommerloch öffentlich von Dingen die sie nicht verstehen.
Entweder das ist das die "Dritte Garde" der SPD, weshalb sie keinen Zugang zu den möglicherweise vorhandenen tätsächlichen Experten hat, die man ja mal vorher fragen könnte, oder aber die Auflösung der SPD steht bevor.
Wahrscheinlich hat Oskar L., ob dieses Geschwafels, schon ne Pulle Champus geköppft!
... sonst gibt es keine Zivildienstleistenden mehr. Und das wäre bitter für die pflegende Zunft. Gäbe es morgen keinen einzigen Wehrpflichtigen mehr - die Sonne würde weiter scheinen. Ab morgen auf einen Schlag keinen Zivildienstleistenden in Deutschland - Chaos!
Gestern noch eine fette Diskussion um die sog. "Wehrgerechtigkeit" (ein Wort, das nur einem "Gedienten" einfallen kann), heute eine Wehrpflicht, die nach gutdünken Leute zieht oder nicht? Bin ich froh, daß ich nicht mehr 19 bin. Fakt ist, daß in Hightech-Zeiten jemand der in 9 löcherigen Monaten zum Soldaten ausgebildet wird, nur zu einem zu gebrauchen ist: Als Kanonenfutter, bestenfalls noch fürs Hoffegen. Und das Zivi-Argument zieht schon lange nicht mehr. Viele Arbeitgeber verzichten mittlerweile lieber auf Zivis, weil die Zeit einfach nicht ausreicht, um sie sinnvoll anzulernen. Also weg mit der Wehrpflicht und zwar pronto.
sehr richtig. zumal sich andere ppp-projekte ja auch bestens bewährt haben.
was läge also näher als die einführung einer privatarmee durchs demokratische hintertürchen. das prozedere bliebe gleich, der pöbel zahlt und stirbt, die herrendamen managen den rest.
aber welche effizienzsteigerung.
apropos hintertürchen - mit freiwilligen verpflichtungen kennt die lohnsenkungspartei sich aus. man muß nicht einmal an die kriegskredite denken, um zu sehen, daß dieser partei nichts wichtiger ist, als bei den großen herrendamen vorgelassen zu werden.
und sei es durchs hintertürchen.
PPP-Projekte haben sich nicht bewährt, sie sind erstmal nur billiger. Die Hintergründe dieser Kostenersparnis kann sich jeder selbst ausmalen. Ist hier aber off-topic.
PPP-Projekte haben sich nicht bewährt, sie sind erstmal nur billiger. Die Hintergründe dieser Kostenersparnis kann sich jeder selbst ausmalen. Ist hier aber off-topic.
so blond bin ich nun wieder nicht. daß ppp-projekte sich ausschließlich für die herrendamen als bewährt erweisen, hatte ich als binsenweisheit vorausgesetzt.
Vorschlag: Verfassungsänderung auf eine zwölf - oder fünfzehnmonatige Dienstpflicht für jedermann (nicht jederfrau, aber das ist ein anderes Thema) mit VORRANG FÜR DIE BUNDESWEHR. Das hieße: anders als heute wird JEDER eingezogen. Die Bundeswehr kann sich unter denjenigen jungen Männern, die nicht verweigern, diejenigen aussuchen, die sie benötigt. Die übrigen haben Zivildienst zu leisten.
Resultate:
- Wehrgerechtigkeit (endlich)
- personell gute Ausstattung der Bundeswehr
- genügend Zeit für vernünftige Einsätze
- dringend benötigtes Personal insb. im Altenpflegebereich.
Falls sei es nicht wussten hier noch mal zum "mitlesen"Wir haben eine allgemeine Wehrpflicht!! Der Deinst an der Waffe kann aber aus Gewissensgründen verweigert werden! kapito??
Warum sie allerdings Frauen den Wehrdienst oder einen anderen
Dienst, trotz aller Gleichberechtigung vorenthalten wollen entzieht sich absolut meines Verständnisses..
Diese Dikussion gehört hier in den Fordergrund und sollte ohen wenn und aber geführt werden!
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