SPD "Freiwillige Wehrpflicht"Seite 2/2
Stattdessen existieren gute Gründe, den verpflichtenden Wehrdienst nur als Notlösung anzusehen, zumindest den heutigen, der lächerliche neun Monate dauert (von denen viele oft sinnlos vertan werden, weil es an Waffen und Gerät für die Ausbildung mangelt). Die komplizierten Einsätze der heutigen Bundeswehr eignen sich nicht für Armee-Praktikanten. Weshalb das Prinzip der "freiwilligen Wehrpflicht" wirklich sinnvoll ist: Nur so viel Wehrpflichtige wie nötig.
Sinnvoll, aber beileibe nicht ausreichend. Es fehlt der Bundeswehr nicht an Rekruten, die nach der Grundausbildung noch ein bisschen schießen oder kochen oder Aktenführung lernen, sondern an Spezialisten (Logistik, Führung, Sanitätswesen). Dieser Mangel führt dazu, dass die Bundeswehr gegenwärtigen Zuschnitts nie mehr als etwa 10.000 Soldaten zugleich im Ausland einsetzen kann, was ihre Handlungsfähigkeit enorm einschränkt. Sie steht auch deshalb weitaus schwächer da als andere Armeen des Bündnisses, weil ihr Rotationsprinzip so extensiv ist: "Die Vorgaben eines von sechs auf vier Monate verminderten Einsatzzyklus mit anschließender zweijähriger Verwendung im Inland bedeutet, dass für den Einsatz von 10.000 Soldaten in internationalen Missionen insgesamt 50.000 Soldaten bereitgehalten werden müssen", schreibt der Militärexperte Franz-Josef Meiers von der Universität Nürnberg-Erlangen.
Insofern ist die Wehrpflichtdebatte eine Nebelkerze. Sie verdeckt das eigentliche Problem: Diese Armee ist noch nicht derart umgebaut, dass sie sich für ihre neuen Aufgaben eignet. Dafür mag es viele Gründe geben, fiskalische sind nicht die geringsten. Die Wehrverfassung, auch wenn sie reformbedürftig ist, zählt nicht dazu.
- Datum 20.08.2007 - 13:06 Uhr
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