Hip Hop Für das große Geld

Hip Hop ist nicht nur Musik, sondern vor allem ein gutes Geschäft. Die reichsten Rapper scheffeln Geld mit Klingeltönen und Videospielen, als Gastronomen und Modemacher.

Während die meisten von uns die Rente kaum erwarten können, hielt es Shawn Carter, weltweit besser bekannt als Masterrapper Jay-Z, nach seinem 2003er Abschiedsalbum The Black Album nicht aus, hinter den Kulissen zu stehen und zuzuschauen. Trotz seines randvollen Terminkalenders als Präsident von Def Jam Recordings und Mitbegründer des ultraerfolgreichen Labels Roc-A-Fella Records schaffte es Jay-Z im vergangenen Jahr, mit seinem 11. Studioalbum Kingdom Come noch schnell ein Comeback einzuschieben. Das Album stieg an der Spitze der Pop- und Rapcharts ein und verkaufte sich etwa 2 Millionen Mal.

Daraus bezog er jedoch nicht seine einzigen Einnahmen. Jay-Z ist zudem noch Eigentümer der Sportbar-Kette 40/40 Club mit Filialen in New York und Atlanta und hält einen kleinen Anteil am NBA-Team New Jersey Nets. Er wird oft auf den Zuschauerrängen neben seiner Freundin, Pop-Superstar Beyoncé, fotografiert. Außerdem kassiert der gebürtige New Yorker, der aus dem Armenviertel Marcy Projects in Brooklyn stammt, Einnahmen aus erstklassigen Werbeverträgen mit Budweiser und General Motors. Alles in allem verbuchte Jay-Z 2006 geschätzte 25,1 Millionen Euro auf seinem Konto. Das brachte ihm den obersten Rang auf der allerersten Liste der Hip-Hop-Spitzenverdiener von Forbes ein.

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Im Gegensatz zu traditionellen Musikrichtungen wie Pop, Rock und Country, deren Künstler den größten Teil ihrer Einnahmen in der Regel durch Plattenverkäufe und Tourneen erzielen, hat der Hip-Hop eine beeindruckende Vielzahl kreativer Musiker hervorgebracht, die gleichzeitig als Unternehmer ihren Ruhm zur Schaffung lukrativer Imperien der Unterhaltungsbranche nutzen . Curtis "50 Cent" Jackson, auf der Forbes-Liste die Nummer Zwei, steht an der Spitze von G-Unit, einem Unternehmen mit so unterschiedlichen Geschäftsbereichen wie Bekleidung, Klingeltöne, Videospiele und sogar einer Belletristikreihe. Alles in allem kassierte "Fiddy", wie ihn seine Fans nennen, im letzten Jahr schätzungsweise 23,7 Millionen Euro. "Ich schaffe mir ein Fundament, das lange vorhält, denn der Ruhm kann kommen und gehen oder sich in Lebensstil oder Schwelgerei verlieren", ließ er im vergangenen Jahr gegenüber Forbes verlauten. "Ich habe das nie wegen der Musik gemacht. Ich habe es wegen des Geschäftes gemacht."

Auf Platz 3 steht Impresario Sean "Diddy" Combs, früher als "Puff Daddy" bekannt, Herr über die Bad Boy Worldwide Entertainment Group. Dieses Unternehmen ist verantwortlich für Fernsehserien wie die MTV-Franchise Making the Band , für die Bekleidungslinie Sean John, den Bestseller-Herrenduft Unforgivable sowie eine Restaurantkette, die mit dem Namen Justin's nach einem seiner Söhne benannt wurden. Das Label Bad Boy Records, hinter dem die Warner Music Group steht, brachte im vergangenen Jahr Alben von Danity Kane, Cassie und Yung Joc heraus. Diddy selbst brachte letztes Jahr sein erstes Album seit vier Jahren heraus; Press Play stieg an der Spitze der US-Pop- und Rapcharts ein. Alles in allem machte Combs im vergangenen Jahr geschätzte 20,7 Millionen Euro. Agenten von Diddy, ganz Showman, behaupten, dass diese Zahl noch wesentlich höher läge.

In der Regel betreiben die erfolgreichsten "Hip-Hopreneurs" ihr eigenes Plattenlabel und verdienen an den Künstlern, die sie unter Vertrag nehmen. Sowohl Eminem (13,3 Millionen Euro) als auch Dr. Dre (14,8 Millionen Euro) verfügen über Labels, hinter denen Interscope steht; beide wirkten an der Produktion und Veröffentlichung der letzten beiden Alben von 50 Cent mit, die sich bisher weltweit 20 Millionen Mal verkauften. Fifty gehört das Label G-Unit, das unter anderem Künstler wie Young Buck und Lloyd Banks produziert.

Ein weiteres lukratives Geschäft ist das Produzieren von Tracks und Beats für andere Künstler. Ranking-Kandidaten wie Timbaland (15,5 Millionen Euro), Scott Storch (12,6 Millionen Euro) und Pharrell Williams (12,6 Millionen Euro) gehören zu den gefragtesten - und teuersten - Produzenten der Welt. Rapper wie Snoop Dogg (12,6 Millionen Euro) kassieren gewaltige Summen für Cameos auf Tracks anderer Künstler. Zusätzlich zur Veröffentlichung seines achten Studioalbums Tha Blue Carpet Treatment wirkte Snoop Dogg (12,6 Millionen Euro) letztes Jahr als Gast auf Hitsingles von Akon, Mariah Carey und den Pussycat Dolls mit.

Während Werbeverträge mit Spitzenmarken früher exklusiv den größten Popacts - darunter Michael Jackson und Madonna - vorbehalten waren, schließen Hip-Hop-Künstler solche Verträge mittlerweile routinemäßig. In diesem Jahr schloss Chamillionaire (8,1 Millionen Euro) einen Vertrag mit Energizer ab; The Game (8,1 Millionen) verkauft Skechers-Sneakers. Und wenn es noch eines weiteren Beweises dafür bedarf, wie eng Hip-Hop und Unternehmen verbunden sind - im Oktober letzten Jahres ernannte Anheuser Busch Jay-Z zum "Marken-Kodirektor" für Budweiser Select.

Unsere Schätzungen basieren nur auf den Einkünften von 2006. Im März verkaufte Jay-Z seine Bekleidungsmarke Rocawear für 150,8 Millionen Euro an Iconix. Forbes schätzt, dass etwa ein Viertel davon in seinen Taschen landete, nach Steuern und anderen Zahlungsverpflichtungen. Und im Mai verkündete Coca Cola, man werde Glaceau, den Hersteller von VitaminWater, für 3,1 Milliarden Euro kaufen. Ist der Deal perfekt, dürfte 50 Cent, der 2004 die Werbung für die Marke im Austausch gegen einen kleinen Anteil übernommen hat, mit etwa 73,9 Millionen Euro nach Hause gehen. Es wurde alles unternommen, um von jedem auf dieser Liste einen Kommentar zu erhalten.

 
Leser-Kommentare
    • ambln
    • 20.08.2007 um 17:23 Uhr

    Schöner Abriss über die Hip- Hop- "Kultur", die eben zu einer Sparte der Unterhaltungsindustrie geworden ist und mittlerweile ein einfaches Produkt darstellt, das den gleichen Spielregeln gehorcht wie andere Produkte und Dienstleistungen für (männliche) Teenager auch. Um einen Produktkern, der sich aus einem festgefügten Satz an Schlüsselreizen zusammensetzt, werden jeweils baukastenähnlich Sekundärleistungen materieller und immaterieller Natur gruppiert, um dem Ganzen, nach Zielgruppe, einen passend individuellen Anstrich zu geben. Dazu gehört dann auch die Musik. Ein schlagendes Indiz dafür sind die Erfolge einzelner Produzenten, die hinter die Grundregeln des "Games" gestiegen sind und sie konsequent an immer neuen Künstlern/ Produktvarianten exerzieren. Hip- Hop hat Rockmusik als massenkompatibler, gefühlter und ersehnter Tabubruch nachwachsender Generationen längst beerbt. Und demenstprechend wird auch daran verdient. Wie sagt man so schön: "Only for the money and the fame."

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