Mafia-Morde Verbrechen global
Die Mafia mordet in Deutschland. Doch vor allem macht sie Geschäfte. Menschenhandel, Drogen, gefälschte Produkte: Die Kaufleute der Unterwelt überwinden alle Grenzen.
Nur 14 Minuten hat die Mafia gebraucht, um auf brutalste Weise ins Gedächtnis zu rufen, mit welcher Macht die Industrie des Verbrechens die Gesellschaft durchdringt, auch in Deutschland. Sechs Italiener starben in Duisburg im Kugelhagel, vermutlich als Opfer einer Fehde zweier Clans derkalabrischen Verbrecherorganisation'Ndragheta.
Längst durchziehen DeutschlandNetze unterschiedlicher mafiöser Gruppen, und die
'
Ndragheta
ist längst noch nicht die größte unter ihnen. Neben Italienern kämpfen besonders Kriminelle aus Russland, Polen, Litauen und Serbien um Marktanteile. Europol zählt 4000 organisierte kriminelle Gruppen, die in der EU aktiv sein sollen. Wie unterirdisches Pilzgeflecht durchziehe die organisierte Kriminalität die Gesellschaft,
schreibt die Friedrich-Ebert-Stiftung in einer Studie
, Verbindungslinien werden nur sporadisch sichtbar.
Die meisten mafiaähnlichen Organisationen nutzen Deutschland als Rückzugsraum und zur Geldwäsche. Weshalb Polizeisprecher davon ausgehen, dass Morde wie die von Duisburg auch künftig eher die Ausnahme bleiben werden. Denn es geht vor allem ums Geschäft. Das Bundeskriminalamt schätzt in seinem
"Bundeslagebild OK 2005"
den Jahresgewinn der kriminellen Gruppen in Deutschland auf 842 Millionen Euro. Der globale Markt ist ungleich größer. Die Vereinten Nationen gehen von einem Gesamtumfang von mehr als 390 Milliarden US-Dollar aus.
Christian Tenbrock hat vor wenigen Wochen in der ZEIT analysiert, wie dieses Geschäft funktioniert und welche Dimensionen es angenommen hat:
Das globalisierte Verbrechen
Menschenhandel, Drogen, gefälschte Produkte: Die Kaufleute der Unterwelt überwinden alle Grenzen.
»Wir lernen!«, sagt die Stimme hinter dem Wall aus Papier. »Nun ja, unsere Gegner lernen auch.« Ein jovialer Amerikaner in einem schwierigen Geschäft: Auf Ted Leggetts Schreibtisch lasten Grafiken, Länderstudien und Statistiken. In seinem Büro fließen aus allen Teilen der Welt Informationen über Kokain, Heroin, Cannabis und synthetische Drogen zusammen - Satellitenbilder von Anbauflächen, Interviews mit Farmern, Polizisten und Politikern, Zollstatistiken über Drogenfunde, Berichte über spektakuläre Festnahmen, die Zahl der Drogentoten.
Schlaglichter auf einen globalen Markt mit 200 Millionen Kunden weltweit. Leggetts Arbeitgeber, das United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC) in Wien, schätzt ihn auf einen Gesamtumfang von über 390 Milliarden US-Dollar. Damit ist er 16-mal so groß wie der globale Markt für Tabak und 65-mal größer als der für Kaffee.
Drogenhandel ist ein immer noch wachsendes Geschäft - genauso wie der illegale Handel mit Menschen und Waffen, mit gefälschten Markenprodukten, Antiquitäten oder menschlichen Organen. Die Wirtschaft der Nationen hat sich globalisiert, die Industrie des Verbrechens tut es ebenfalls. Ihr Netz operiert weltumspannend wie multinationale Konzerne. Sie erobert neue Märkte. Die globale Nachfrage nach ihren Angeboten steigt.
Bekämpfen kann sie nur, wer die ökonomischen Prinzipien versteht, nach denen sie funktioniert. Für Ted Leggett ist die Welt des Verbrechens ein Mosaik aus Produzentenländern und Absatzmärkten, ein grenzübergreifendes Geflecht schlecht bezahlter Bauern, Kleindealer oder Kuriere und gut verdienender Chefs transnationaler Kartelle. Strafverfolger beobachten, wie türkische Drogenbosse mit russischen Finanziers und albanischen Menschenhändlern zusammenarbeiten. Ukrainische Kriminelle tauschen in Südamerika Waffen gegen Kokain. Die Liberalisierung des Handels öffnet ihnen allen die Grenzen; die Deregulierung der Finanzmärkte macht die Legalisierung ihrer Profite fast zu einem Kinderspiel.
»Mit der Globalisierung haben sich für die Organisierte Kriminalität die Möglichkeiten vervielfältigt, die Summen vervielfacht«, sagt Wolfgang Hetzer, Berater der europäischen Antibetrugsbehörde Olaf und einer der führenden deutschen Experten für das internationale Verbrechen. Zu ihren größten Geschäftszweigen zählen der Drogenhandel, die Menschenschleusung und die Produktpiraterie. Insgesamt basieren inzwischen mindestens zwei bis drei Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung auf kriminellen Geschäften, schätzt das UNODC
Drei Prozent, das sind rund 1300 Milliarden Dollar. Das ist fast halb so viel, wie alle Deutschen zusammen in einem Jahr erwirtschaften.
Die Operation hatte den Decknamen »Gulliver«. So heißt die neapolitanische Speditionsfirma, die im Auftrag der Mafia und mit Hilfe korrupter Zollbeamter über Jahre die illegale Einfuhr von chinesischen Waren nach Italien besorgte. Am 11. April 2007 führte die Operation zur Festnahme von 21 Personen. Nahezu alle Container, die im Hafen von Neapel gelöscht wurden, soll die Bande sortiert haben; danach wurden gefälschte Markenprodukte ins neapolitanische Hinterland transportiert, von wo aus die Camorra sie in den Einzelhandel weiterleitete. T-Shirts, Jacken, Taschen und Elektroartikel landeten in den Läden der Stadt oder bei Grossisten in den Chinatowns von Rom oder Mailand.
Neapel ist für China einer der wichtigsten Häfen der EU, neun Zehntel der Warenlieferungen stammen aus dem neuen Wirtschaftswunderland. Die weitläufigen Containerterminals sind ein Symbol internationaler Zusammenarbeit - aber eben auch für die globale Kooperation des Verbrechens.
830 Seiten stark ist der Jahresbericht 2006 der italienischen Antimafiabehörde DNA. 25 Seiten widmet er ausländischen Organisationen, die in Italien operieren. Die sizilianische Cosa Nostra und die kalabrische Ndrangheta arbeiten mit Gruppen aus Albanien, Osteuropa, der Türkei und Südamerika zusammen. Die Camorra hat nicht nur Verbindungen nach China, sondern auch zu nigerianischen Banden, die im weltweiten Drogen- und Menschenhandel aktiv sind. In Italien ist Nigerias Mafia inzwischen in Rom, Turin, Padua, Brescia, Mailand, Rimini, Palermo und Cagliari vertreten. Albanische Kriminelle dominieren die italienischen Rotlichtbezirke. Rumänen und Bulgaren beteiligen sich am Menschenschmuggel und übernehmen Drogengeschäfte.
- Datum 26.10.2008 - 13:52 Uhr
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Ihr Artikel zeigt zurecht das Gesamtspektrum der kriminellen Aktivitäten international organisierter Verbrecherbanden auf.
Umsomehr verwunderte es mich, bereits heute (17.8.07) im WDR 5 einen Kommentar gehört zu haben, der letztlich darauf hinauslief, den brutalen 6-fachen Mord in Duisburg als "private, interne Familienstreitigkeit unter Italienern" darzustellen...mit der nicht ausgesprochenen aber pseudologischen Folgerung, das Ganze sei deswegen also etwas, was uns Deutsche eigentlich nicht beunruhigen muß und wir deswegen wieder zur gewohnten Tagesordnung übergehen könnten. In dem fraglichen Beitrag des WDR 5 wurde nebenbei noch erwähnt, dies sei nach der - zugegeben "schlimmen Sache" auch die Stimmung in der ortsansässigen Bevölkerung.
Diese Art "sedativen Umgangs" mit den Machenschaften höchstkrimineller Elemente, die letztlich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gegenüber diesem Treiben einschläfert ist geradezu fahrlässig, wenn man die möglichen Konsequenzen für die gesamte Gesellschaft, die aus den Aktivitäten der kriminellen Organisationen entspriessen kann, bedenkt.
Und diese Konsequenzen sind extrem weitreichend...wie weitreichend konnte und kann man in Italien bestaunen...einige Stichworte, wie Andreotti, Berlusconi, Polizistenmorde, Korruption wesentlicher Teile der Politik, Staatsorgane, Juristerei und Geschäftswelt sollten hierzu genügen.
Allerhöchste Zeit also, diesen brutalen Mord als ein Signal zu begreifen, dass allerhöchste Aufmerksamkeit gegenüber diesen Entwicklungen dringend geboten ist.
ist doch auch Teil eines zweifelhaften Systems-fängt schon bei der Auftragsvergabe an-Vetternwirtschaft ohne Ende.
Im Prinzip haben wir in unserer ganzen Gesellschaft mafiöse Strukturen.
Ob jetzt DAX-Unternehmen Mitarbeiter in Bundesministerien sitzen haben, ob die Pharmaindustrie auf Kosten der Zwangsversicherten unvorstellbare Gewinne einstreicht und Ärzte besticht; der Subventionsbetrug innerhalb der EU...
Das sind alles Strukturen die politisch legitimiert sind-Teil des Systems.
ist doch auch Teil eines zweifelhaften Systems-fängt schon bei der Auftragsvergabe an-Vetternwirtschaft ohne Ende.
Im Prinzip haben wir in unserer ganzen Gesellschaft mafiöse Strukturen.
Ob jetzt DAX-Unternehmen Mitarbeiter in Bundesministerien sitzen haben, ob die Pharmaindustrie auf Kosten der Zwangsversicherten unvorstellbare Gewinne einstreicht und Ärzte besticht; der Subventionsbetrug innerhalb der EU...
Das sind alles Strukturen die politisch legitimiert sind-Teil des Systems.
ist doch auch Teil eines zweifelhaften Systems-fängt schon bei der Auftragsvergabe an-Vetternwirtschaft ohne Ende.
Im Prinzip haben wir in unserer ganzen Gesellschaft mafiöse Strukturen.
Ob jetzt DAX-Unternehmen Mitarbeiter in Bundesministerien sitzen haben, ob die Pharmaindustrie auf Kosten der Zwangsversicherten unvorstellbare Gewinne einstreicht und Ärzte besticht; der Subventionsbetrug innerhalb der EU...
Das sind alles Strukturen die politisch legitimiert sind-Teil des Systems.
Wenn die diversen europaeischen Justiz Behoerden so gut zusammen arbeiten wie die mafioesen Organisationen dann kann man sicherlich diesem Uebel besser Herr werden.Aber wenn sie sich weiterhin bekaempfen,unterminieren und um Kommpetenzen streiten dann wird es nichts.
Ich empfehle Ihnen das Buch "Der Deutschland-Clan" von Jürgen Roth. Dann wissen Sie, warum die deutsche Justiz mäßig bzw. gar nicht ermittelt.
Ich empfehle Ihnen das Buch "Der Deutschland-Clan" von Jürgen Roth. Dann wissen Sie, warum die deutsche Justiz mäßig bzw. gar nicht ermittelt.
Ich empfehle Ihnen das Buch "Der Deutschland-Clan" von Jürgen Roth. Dann wissen Sie, warum die deutsche Justiz mäßig bzw. gar nicht ermittelt.
Reggio Emilia, Italien, den 17. August 2007
Sehr geehrter Herr Direktor!
die blutigen Ereignisse, die in Duisburg vorgekommen sind, haben mich empört und entsetzt, denn sie lassen mich beinahe beschämen, Italiener zu sein. Ich bitte die deutschen Leser darum, Italiener für Mafiosi oder Missetäter und Verbrecher nicht zu halten. Viele von uns können, wenn sie sich in Ausland befinden, ihren ernsthaften und klugen Fleiß würdigen lassen. Lohnt es sich nicht zu sagen, dass ich Norditaliener bin und die hineingezogenen Leute Süditaliener sind. Als Italiener, bitte ich um Entschuldigung dafür, dass einige von meinen Mitbürgern mein Heimatland so geschändet haben.
Mit herzlichen Grüßen,
Gianluca Pasini.
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