Mügeln Ganz normale Gewalt

Die Hetzjagd auf acht Inder in Mügeln war eine Festzeltschlägerei - und ein weiteres erschreckendes Zeichen, wie sehr die Aggression gegen Fremde in Deutschland zum Alltag geworden ist. Eine Reportage

Eigentlich ist - auch wenn das vor allem für die Opfer zynisch klingen mag - nicht viel passiert. Auf einem Dorffest gab es Prügel, ein paar blaue Augen, einige Schnittwunden, eine eingetretene Tür, ein demoliertes Auto. Niemand wurde zum Krüppel geschlagen, keiner ernsthaft gequält oder ermordet. In einem Land, in dem solche Dinge gerne mal passieren, wenn es um fremde Einstellungen und Hautfarben geht, sind Platzwunden vielen Medien normalerweise kaum noch der Erwähnung wert. Trotzdem kennt den kleinen sächsischen Ort Mügeln, fünfzig Kilometer östlich von Leipzig, nun das ganze Land.

Am Sonntag, zum Abschluss des alljährlichen Altstadtfestes, gab es auf dem Rathausplatz Musik und Bier. Einige hundert Mügelner waren gekommen, auch der Bürgermeister mit seiner Frau und der örtliche CDU-Bundestagsabgeordnete samt zehnjähriger Tochter. Das Festzelt war voll, man redete, tanzte und trank. "Alles war friedlich", sagt Bürgermeister Gotthard Deuse, "wie jedes Jahr." Gegen zwölf machte er noch eine Runde durchs Zelt, sprach ein letztes Mal mit den vier Sicherheitsleuten, dann ging er ins Bett. Das war Sonntagabend.

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Als Deuse am Montagmorgen in sein Rathaus kam, war der Name Mügeln zum neuen Begriff für rechte Gewalt geworden. Eine "Hetzjagd" auf Ausländer habe auf dem Fest stattgefunden, meldeten Nachrichtenagenturen, Radiostationen, Fernsehsender. Acht Inder seien von Rechtsextremen durch die Straßen getrieben worden, die Menge habe applaudiert, alle acht seien verletzt, zum Teil schwer.

"Ich habe Mitleid mit allen, denen Gewalt angetan wurde. Ich habe mich bei ihnen entschuldigt und ihnen jede Hilfe angeboten", sagt Deuse zwei Tage danach. Er wirkt ehrlich erschüttert über die Gewalt, aber er ist es auch über die Berichte. Es geht ihm wie vielen in der 5000-Einwohner-Gemeinde. Schlimm sei das, sagen sie. Eine Hetzjagd aber sei es nicht gewesen.

Was genau kurz nach Mitternacht in dem Zelt passierte, ist bisher nicht eindeutig geklärt. Der Polizeibericht spricht von "verbalen und tätlichen Auseinandersetzungen". Wer anfing, wer wen provozierte? Unklar. Die Inder sagen, es sei ein gezielter Angriff gewesen, ein geplanter gar. Noch kurz vorher sei er auf dem Platz gewarnt worden, sagt Kulvir S., einer der acht: "Es gibt Ärger, wenn ihr nicht weggeht." Ein älterer Mann sei auf dem Fest von einem der Inder geschubst worden, daraufhin habe es Unruhe im Zelt gegeben, sagt Ronny K. Er ist einer der vier Deutschen, die ebenfalls verletzt wurden. Eine Menge habe die Inder daraufhin umringt, die hätten sich Flaschen gegriffen. Vier oder fünf Deutsche sollen auf die Inder losgegangen sein und sie geschlagen haben. Die wehrten sich, Flaschen flogen. Eine traf Ronny K. am Kopf.

Leser-Kommentare
  1. Gerade am Sonnabend einen türkischen Türsteher mit Thor Steinar Klamotten gesehen. Noch platter gehts wohl nicht, oder? Wahrscheinlich hatten die auch alle New-Balance-Turnschuhe und Lonsdale Sweatshirts.

  2. [Leider müssen wir uns an dieser Stelle vom Nutzer ProErwin verabschieden. An alle anderen Teilnehmer noch einmal der Hinweis: Bitte beachten Sie die Regeln - Kritik gerne, auch scharfe. Beleidigungen hingegen werden hier nicht geduldet. Die Redaktion / fl]

  3. Ein Text, der die bekannte Agenturmeldung und Eigenideologie zu einer romanhaften Beschreibung des angeblichen Geschehens verwebt.

    Liebe Zeit-Redaktion, geht es noch unseriöser? Ein ehrliche Frage: Wie wird Mann/Frau Zeit-Redakteur oder Online-Journalist? Gibt es noch Qualitätsstandards für die Online-Berichterstattung? Wenn ja, welche?

    Doch sie zeigt, dass Deutschland noch immer ein Land ist, in dem Alkohol und einige unbedachte Worte genügen, um aus einer feiernden Gesellschaft einen Mob zu machen, der selbst zum Töten bereit ist.

    Der Satz klingt so gut, er könnte aus Konrad Kujaus Hitler Tagebüchern stammen.

    Fest stehen im Augenblick nur drei Dinge:

    1. Niemand weiß Genaues
    2. Die Journaille schreibt irgendwelche Geschichten zusammen, die in das offizielle Meinungsbild passen
    3. Die Polit-Profis mit Öffentlichkeitsdefizit üben sich in der Abarbeitung von Ergebenheitsadressen zur Beseitigung des Defizits

    Ach ja, 4. fehlt noch

    4. Wenn Presse, Funk und Fernsehen das Interesse verloren haben, hat die Polizei das Geschehen aufgeklärt und wenn dann auch mit größtem Bemühen kein rassistischer Hintergrund hineininterpretiert werden kann, wird das Ermittlungsergebnis unter den Tisch gekehrt. Ruhe sanft, Wahrheit.

  4. Kai Biermann schreibt: "Doch sie zeigt, dass Deutschland noch immer ein Land ist, in dem Alkohol und einige unbedachte Worte genügen, um aus einer feiernden Gesellschaft einen gewaltbereiten Mob zu machen, der selbst zum Töten bereit ist."

    Interessant ist das Wörtchen "noch". Im Klartext: Wir Deutschen sollten uns keine Illusionen machen; wir waren schon immer ein "gewaltbereiter Mob, der selbst zum Töten bereit ist", und werden es womöglich immer bleiben.

    Schon komisch: Da passiert ein ausländerfeindlicher Überfall irgendwo in Sachsen, in einer kleinen Ortschaft dessen Namen ich noch nie zuvor gehört hatte. Und schon steht ganz Deutschland am Pranger! (Getötet wurde in Mügeln übrigens niemand, was angesichts des gewaltbereiten, mordsüchtigen deutschen Mobs einem Wunder gleichkommen dürfte.)

    Merkwürdig auch: Nach langen Jahren im Ausland lebe ich inzwischen seit gut zehn Jahren wieder in Deutschland, und obwohl hier in meiner Gegend sehr viele Ausländer leben, bin ich noch nie Zeuge eines fremdenfeindlichen Überfalls geworden.

    Sind Sie schon einmal in England gewesen, Herr Biermann? Oder in Frankreich? Oder in Italien? Ich kann Ihnen versichern, dass Ausländerfeindlichkeit dort mindestens genauso zum Alltag gehört wie in Deutschland.

    • Akakor
    • 21.08.2007 um 17:20 Uhr

    "Doch sie zeigt, dass Deutschland noch immer ein Land ist, in dem Alkohol und einige unbedachte Worte genügen, um aus einer feiernden Gesellschaft einen gewaltbereiten Mob zu machen, der selbst zum Töten bereit ist."

    Exakt, wir Deutschen, die nach Goldhagen genetisch veranlagten Mörder! NOCH immer ist in jedem von uns der gewaltbereite, allesvertilgende, bitterböse Nazi. NOCH immer...

    Was soll einem so etwas sagen, außer den latenten Rassismus des Autors ggü. Deutschen aufzuzeigen? Vom Geisteszustand möchte man nicht reden...

    Aber es zeigt eines ganz deutlich: Wie tief die Umerziehung gegriffen hat, dass man als Journalist mit Szenenapplaus rechnen darf, so etwas zu schreiben, völlig unabhängig von angeblich zugrundeliegenden Tatbestand. Dass weiterhin mit NOCH argumentiert wird, zeigt, dass wohl noch einiges zu erwarten ist, dass man aus uns endlich anständige Deutsche macht. Tägliche Prügelstrafe in den Schulen für alle Deutsche? Wallfahrten in Gedenkstätten verdoppeln?

    Oder sollen wir, frei nach Kaufman und Morgenthau, als Volk insgesamt am besten das Zeitliche segnen?

    Die Lösung liegt auf der Hand: Am besten schleichender Genozid durch Geburtenrückgang an den Deutschen, bis keiner mehr da ist. Wo nur noch Ausländer, da schließlich keine Ausländerfeindlichkeit durch Deutsche mehr möglich. Wenn man sich selbst die offiziellen Statistiken zur Bevölkerungszusammensetzung und Geburtenquoten ansieht, habt noch etwas Geduld liebe Deutschlandhasser: Euer Problem, euer Objekt des Hasses, Deutschland mit seinen Detuschen, wird sich von selbst erledigen. Im anerzogenen Selbsthass und permanenter Hoffnungslosigkeit das vollenden, was selbst 2 Kriege nicht geschafft haben. Meine Gratulation an die Umerziehungspropaganda der Allierten! Nie hat ein Volk sich so selbst gehasst, wie dieses!

  5. Es verwundert nicht, wenn Menschen durch ihre Minderwertigkeitsgefühle geplagt den Sinn für Fakten verlieren, oder sich niemals aneignen.
    Wenn von Mordwilligem Mob die Rede ist, sind die Vorfälle in Rostock Lichtenhagen und Hoyerverda angesprochen. Nach diesem Vorfall ist die Feststellung, dass ein Mob immer noch Mordlustig sein kann, schlicht eine Bestandsaufnahme. Selbst, wenn diesmal keine Brandsätze geflogen sind, sodass offensichtliche Mordgelüste diesmal bezweifelt werden können, kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass der Tod durch unkontrollierte Gewalt billigend in Kauf genommen wurde (Wer Besoffenen unterstellt, Sie wären Herr über die von ihnen ausgeübte Gewalt, sollte sein Alkoholproblem überprüfen) . Wie man sieht, sind selbst mit diesen einfachsten Zusammenhängen einige der Kommentatoren überfordert. Aber es steht jedem frei, hier ein Zeugnis über sich abzugeben.

  6. 7. Presse

    In Sebnitz waren sich Politik und Presse ja auch ganz sicher. Und die ganze Welt schaut jetzt entsetzt auf Mügeln, was war sonst noch, irgend jemand hat in Rußland einen Zug gesprengt und im Irak werden auf einen Schlag 170 Leute zerfetzt, aber wenn die Medien nicht aufpassen wird der Anschlag von Mügeln von den Behörden unter den Teppich gekehrt.

  7. die sich an einem Absatz des Autors aufhängen. Kein Wort darüber, dass 8 Inder durchs Dorf getrieben worden sind, oder man wüsste gar nichts was passiert sei und es auch mit Sicherheit nicht rassistisch gewesen wäre. Im europäischen Ausland sind ja sowieso auch alle fremdenfeindliche Rassisten, also wäre doch alles im Lot.

    Hat denn keiner die Courage von euch 5 Kommentatoren das zu schreiben, was er/sie wirklich denkt!?

    Die Dorfjugend hat es richtig gemacht, die 8 Hindus durchs Dorf zu treiben um ihnen klar zu machen, dass sie nicht willkommen sind.
    Ausserdem sollen die Deutschen mehr Kinder kriegen, um nicht unterzugehen und die Presse sollte sich den "Stürmer" oder den "Völkischen Beobachter" als Vorbild nehmen. [Vorsicht bitte mit solch sarkastischen Aussagen die leicht missverstanden werden können/ Redaktion]

    Mensch, Deutschnationale sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Wie könnt ihr dann von den Restdeutschen eine stramme Haltung erwarten!?

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    • FGAlte
    • 22.08.2007 um 17:23 Uhr

    Zu "5 Kommentare" von @Resistance
    Sie können andere Menschen auch nur nach deren Meinungen in Schubladen werfen. Wahrscheinlich haben Sie nur zwei: 1) "so wie ich" 2) "Nazi". Dass eine ganze Reihe von an sich vernünftigen Leuten zu ein und demselben Sachverhalt mehr als eine Meinung haben können, die sich sehr weitgehend unterscheiden, ist Ihnen offenbar unklar. Damit stellen Sie sich genau in die Reihe derjenigen, die Sie eigentlich kritisieren wollen.

    • FGAlte
    • 22.08.2007 um 17:23 Uhr

    Zu "5 Kommentare" von @Resistance
    Sie können andere Menschen auch nur nach deren Meinungen in Schubladen werfen. Wahrscheinlich haben Sie nur zwei: 1) "so wie ich" 2) "Nazi". Dass eine ganze Reihe von an sich vernünftigen Leuten zu ein und demselben Sachverhalt mehr als eine Meinung haben können, die sich sehr weitgehend unterscheiden, ist Ihnen offenbar unklar. Damit stellen Sie sich genau in die Reihe derjenigen, die Sie eigentlich kritisieren wollen.

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