Fall Natascha Kampusch Keine Gnade für Natascha Kampusch
Über die heute 19jährige, die am 23. August des vergangenen Jahres nach achtjähriger Gefangenschaft ihrem Kellerverlies entkommen konnte, bricht jetzt erneut rücksichtsloser Medienrummel herein
Er ist der große Gewinner der Aufsehen erregenden Geschichte: Christoph Feuerstein, 35, Journalist bei dem österreichischen Fernsehsender ORF. Seit Tagen gibt der jungenhaft wirkende Reporter bereitwillig Interviews, erzählt von den Dreharbeiten in Barcelona und dem Vertrauensverhältnis, das sich zwischen ihm und seiner Auskunftsperson seit ihrem ersten Fernsehgespräch vor einem Jahr entwickelt habe. Er lässt die Welt auch wissen, wie es um die fragile Psyche seiner jungen Hauptdarstellerin bestellt sein könnte. Die früher noch auskunftsfreudigen Psychiater und Anwälte geben sich mit einem Mal verschlossen, nur Feuerstein plaudert unverdrossen und strahlt auf zahlreichen Schnappschüssen den Lesern der Boulevardpresse entgegen: Ein Sonnyboy im Reporterglück. Er ist schließlich das kostbarste Bindeglied, das der Sensationspresse zu ihrem eigentlichen Objekt ihrer Begierde verblieben ist. In nahezu allen Tageszeitungen werben nun Anzeigen für seinen großen Auftritt: ?Exklusiv: Natascha Kampusch ? ein Jahr danach?.
Am Montagabend will sich der öffentlich-rechtliche Sender (in Deutschland strahlt RTL das TV-Ereignis um eine Stunde zeitversetzt aus) mit der Interviewreportage über das prominente Entführungsopfer aus dem Quotentief ziehen, in das er nach einer gescheiterten Programmreform geschlittert war. Nun vermarktet die TV-Anstalt den Schicksalsreport hemmungslos.
Über die heute 19-Jährige, die am 23. August des vergangenen Jahres nach achtjähriger Gefangenschaft ihrem Kellerverlies entkommen konnte , bricht jetzt erneut rücksichtsloser Medienrummel herein. Weiterhin wirkt alles, woran der Name Kampusch klebt, wie eine enthemmende Droge auf das Nachrichtengewerbe. Noch ist das Schicksal des Kellerkindes nicht leer gefleddert. Noch können neue ?Details ausgegraben werden, noch locken schmuddelige Geheimnisse, kann diese Story zu einer perfiden Trivialität aus Kitsch und Schund weitergedreht werden. Chefredakteure hetzen ihre Reporter auf die Fährte, verlangen möglichst exklusive Beutestücke. Raubtierjournalismus ist kein Job für sensible Gemüter. Nur Resultate zählen im Überlebenskampf um Aufmerksamkeit. An vorderster Front ist der öffentlich-rechtliche Sender zugange: Die erste Flugreise, das erste Bad im Meer, die erste Fahrstunde. Das Rührstück spart nicht mit Details.
Dem verschüchterten Opfer war nur eine kurze Verschnaufpause gegönnt, nachdem sie mit knapper Not der Belagerung durch internationale Reporter entkommen konnte. Offensichtlich war der Riege von Psychiatern, Sozialarbeitern, Anwälten und Medienstrategen, die Natascha Kampusch umschwirrten, die Erkenntnis gedämmert, dass sie ihren Schützling doch etwas zu freizügig vermarktet hatten. Gelegentlich war es in den Straßen von Wien bereits zu wüsten Rempeleien gekommen, wenn ein Fotograf dem blonden Mädchen aufgelauert hatte. Mit Klagdrohungen und Geldstrafen war es den Anwälten gelungen, die meisten unerwünschten Bilder aus dem Verkehr zu ziehen. Sogar der Fotografin jenes Passbildes, mit dem einst nach dem verschwundenen Kind gefahndet worden war, konnte mit einer Flut von weltweit 600 Klagen die Rechte an ihrem Foto zurückerobern. Kurz hatte es den Anschein, als wäre die Kampusch-Industrie gezähmt.
- Datum 20.08.2007 - 06:33 Uhr
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dass die anspruchsvollen medien sich nicht gemeinsam gegen diese verschmutzung unseres rechts auf pressefreiheit wenden!!!!
oder sind die nicht mehr frei?
machen sie sich selber unfrei?
müssen nicht genau diese seriösen medien mehr schutz erhalten?
kann die presse besser sein als ihr volk?
vorsicht!!!
Wer macht Kasse? Von Anfang an gab es in diesem Fall zahlreiche Fragen, die unterdrückt oder nicht beantwortet wurden.
Der mutmaßliche Täter ist tot und kann nicht mehr aussagen. Wie praktisch.
Mutmaßliche Täter????
Mutmaßliche Täter????
Der Artikel macht es sich ein wenig zu einfach.
Herr Riedl geht davon aus, dass Fr. Kampusch aufgrund ihrer Geschichte nicht in der Lage ist, mit den Medien souveraen umzugehen, und nach einem vollen Jahr in Freiheit die Entscheidung, ein - langfristig geplantes, abgesprochenes, ... - Interview zu geben nicht aus gaenzlich freien Stuecken gefaellt hat.
Wohlbemerkt nachdem sie bereits einen - sicher sehr harten - Intensivkurs in "moderner Medienwelt" zwangsweise hinter sich bringen musste.
Vielleicht waere ein wenig mehr Respekt vor einer eigenstaendigen Person anstatt einfacher Scherenschnitte eines 'gehetzten Rehs' und 'zu Eis erstarrten Maedchens' geboten?
Frau Kampusch hat gezeigt dass sie durchaus in der Lage ist, sich gegen die Mediengewalt zur Wehr zu setzen.
nach flüchtiger durchsicht dieses artikelchens kann ich nur sagen, in einem hat der autor recht:
"Das aber ist die Pharisäerlogik einer Branche, die noch jede Geschichte zum eigenen Nutzen zu verdrehen weiß."
und das auf satten drei seiten
man merkt die absicht - und man ist verstimmt
8 Jahre lang lebte sie eingesperrt und in Todesangst. Nun ist sie frei, aber die Presse tut alles, um sie weiterhin gefangen zu halten. Hier lesen.
http://theolounge.wordpre...
Ich finde es ganz toll, dass DIE ZEIT diese Kampagne nicht mitmacht, nicht das arme Mädchen mitverfolgt und von der grenzenlosen Neugier der Menschen profitieren möchte.
Aber das war ja schon immer so, dass man auch ganz schön am Sündenpfuhl mitverdienen kann, wenn man darauf aufmerksam macht, wie schlimm die anderen sind. Und wir sind ja gut .... oder scheinheilig. Und das ist noch schlimmer als diese offene Profitmasche, an der die Kampuschs sich auch ganz ordentlich beteiligen. Sie verbrämen es für sich als eine Art Schadensersatz, aber das ist auch nicht besser. Die seriöse Presse, die das ablehnt, könnte einfach schweigen.
...Presse wird nicht schweigen bevor sie nicht auch die letzten Details(sexueller Natur)aus Natascha herausgepresst hat um das Mädchen damit nocheinmal zu missbrauchen.Hoffe Sie schlägt vorher genug Kapital aus dem derzeitigen Hype um Sie und sagt dann...Ihr könnt mich..!Acht Jahre verlorene Kindheit ist sowieso nicht bezahlbar.
Mutmaßliche Täter????
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