Online-Partnersuche Prinzessin auf der Erbse

Männer, die nicht exakt den Suchkriterien entsprechen, werden gnadenlos weggeklickt. Doch so kommen wir Frauen auch nicht ans Ziel.

Partnerbörse : Guten Tag. Was darf ich Ihnen zeigen?

Fräulein Ripley : Ich möchte einen Mann.

Partnerbörse : Soll es etwas Extravagantes für gewisse Stunden sein oder lieber etwas Unkompliziertes für den Alltag?

Fräulein Ripley : Ich benötige ihn für beides. Können Sie mir da weiterhelfen?

Partnerbörse : Ja selbstverständlich, hier haben wir genau das Richtige für Sie, Fräulein Ripley. MrIchbinimmergutzudir . Er ist durchaus verspielt, aber dennoch klassisch zeitlos, formbeständig, pflegeleicht und hautsympathisch. Wenn Sie möchten, können Sie sich selbst von seiner hervorragenden Passform überzeugen.

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Fräulein Ripley : Das hört sich gut an. Raucht er?

Partnerbörse : Nein, natürlich nicht. Darf ich ihn in den Warenkorb packen?

Fräulein Ripley : Ich bin mir nicht sicher.

Partnerbörse : Der Kauf ist ohne Risiko. Gefällt die Ware nicht, kann sie sofort zurückgegeben werden.

So würde es sich wohl anhören, könnte ich mit meiner Partnerbörse reden. Zuerst wollte ich nur einen Mann finden. Mittlerweile, suche ich den perfekten Mann. Dieser Wunsch schlich sich ganz ungewollt in mein Bewusstsein. So viele Eigenschaften, die ich auswählen darf: Alter, Job, Sexvorlieben, Haustiere, politische Einstellung, Verhältnis zum Fernseher, Religion, Größe, Beruf. Es ist fast wie Weihnachten. Ich fülle den Wunschzettel aus - und schwups, zeigt mir meine Partnerbörse alle Männer, die den gewünschten Vorstellungen entsprechen.

Das Unerfreuliche ist nur, dass mir langsam die Realität entgleitet. Letztes Wochenende war ich auf der Party eines Freundes. Ich saß mit einem Glas Caipirinha in der Hand in einem ziemlich heruntergekommenen Sessel und ließ den Blick in die Runde schweifen. Bis er schließlich an einem schmucken Typen an der Bar hängen blieb. Wie ging das noch gleich? Ganz altmodisch, Männer kennen lernen? Einfach hingehen und ansprechen? Ja, so war’s.

Ich raffte mich auf und schlenderte mit unsicheren Schritten auf ihn zu. Leider trug er kein ausgefülltes Profil um den Hals, das sämtliche persönlichen Eigenschaften von ihm preisgab. Das fand ich ungerecht. Wie soll man so ein geistreiches Gespräch beginnen? Deshalb fragte ich ihn unbeholfen, was er trinkt. Glücklicherweise antwortete er ganz entspannt und wir begannen, uns zu unterhalten. In viereinhalb Minuten hatte ich abgecheckt, welchen Beruf er ausübt, wo er wohnt, wie er heißt und welchen Hobbys er nachgeht. Und nach nur fünf Minuten hatte ich meine Hauptfrage schon gestellt: „Hast du eigentlich eine Freundin?“ Ja richtig, genau das habe ich gefragt! Er antwortete mit „ja“. Da bin ich schnell abgezogen.

Vor meiner Partnerbörsen-Zeit wäre das anders gelaufen. Ich hätte mich den ganzen Abend mit dem Mann unterhalten und wäre am Ende ohne Telefonnummer und ohne das Wissen, ob er eine Freundin hat nach Hause gegangen. Das ist zwar nicht effektiv, es wäre aber sicher ein schöner, aufregender Abend geworden. Ich habe mich offensichtlich durch die Online-Suche leider nicht zum Vorteil verändert. Wahrscheinlich müsste man sogar für einen Job bei der Marktforschung sensibler vorgehen.

Sogar körperlich verändere ich mich. Ich werde immer dünner. Wie ist es möglich, durch die Mitgliedschaft in einer Partnerbörse abzunehmen? Bei dem Warenüberschuss? Es liegt genau daran. Denn wer die Wahl hat, hat die Qual, kann sich nicht entscheiden und kommt gar nicht mehr zum essen. Männer gibt es in den Partnerbörsen zu viele. Sie werden dadurch zu Bittstellern degradiert und wir Frauen zu lauter Prinzessinnen auf der Erbse befördert. Täglich werden wir mit Werbe-Mails bombardiert und reagieren arrogant, hart, und vor allem unfair.

Wir sollten uns manchmal ein Beispiel an den Nymphensittichen nehmen. Wissenschaftler haben nämlich eine Art Partnerbörse für Nymphensittiche gegründet, um festzustellen, wie diese sich Ihren Partner aussuchen. Man hat sich für diese Vogelart entschieden, da sie Partnerschaften bevorzugt, die denen der Menschen sehr ähneln. In der Regel Langzeitbeziehungen. Bestehend aus 30 Mitgliedern ist die Anzahl an Bewerbern überschaubar. Wenn ich es recht überdenke, würde mich so eine eingeschränkte Auswahl sehr erleichtern – im Vergleich zu den 7.000.000 Mitgliedern meiner Partnerbörse. Denn wer so viel Wahl hat, glaubt immer: Da kommt noch was Besseres.

Ähnlich wie beim Speed-Dating, lernten sich die Vögel gleich kennen und hatten somit die Gelegenheit ihr Gegenüber direkt abzuklopfen. Verblüffenderweise entschieden sich die Friedsamen für die Streitsüchtigen und die Schüchternen für die Mutigen. In der Vogelwelt gilt offenbar das Motto: Gegensätze ziehen sich an. Und das nicht ohne Grund, gleichen sie damit die Defizite des jeweils anderen aus.

Wir Prinzessinnen jedoch klicken gnadenlos weg, was nicht auf unserem Einkaufszettel steht. Abgelaufenes Haltbarkeitsdatum, falscher Herkunftsort, zu ungesund, noch nicht reif genug, zu fettig, zu oft umgetauscht. Da gehen wir mit leeren Tüten nach Hause und mit leerem Magen ins Bett. Doch nachts träumen wir von all den leckeren, verbotenen Sachen die wir hätten haben können, wenn wir vielleicht eine Mail beantwortet hätten, deren Absender nicht unserem eingeschränkten Suchkriterien entsprach.

 
Leser-Kommentare
    • fbm
    • 26.08.2007 um 20:23 Uhr

    nach dem ersten partnerbörsenartikel hatte ich gehofft, es handele sich um eine geschmacksverirrung. wird das jetzt eine serie?

    ach übrigens: "Männer gibt es in den Partnerbörsen zu viele. Sie werden dadurch zu Bittstellern degradiert und wir Frauen zu lauter Prinzessinnen auf der Erbse befördert."

    das ist nichts neues. durch den reproduktionsvorteil der männer (geringe kosten) gegenüber den frauen (hohe kosten) ist die oben beschriebene situation zumindest qualitativ sehr normal. männer müssen buhlen und frauen eine wahl treffen. partnerbörsen scheinen dieses durchaus evolutionär sinnvolle phänomen lediglich zu verschärfen, weshalb männer dann vielleicht keine rivalen sondern massenbittsteller sind. oder es liegt an ihrem mitunter verweichlichtem auftreten.

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    "Verweichlichtes" Auftreten, fbm? Na, wer erlaubt sich denn sowas, wo doch nur ein harter Mann, der wirkt, als würde er mit einem Dolch in der Hand auf dem Boden schlafen und Fleisch roh isst ein echter Mann ist...!

    Es ist immer wieder erfrischend, wie stereotypisierende Genderbeschreibungen und -auffassungen mit der Evolutionstheorie in eine Post gebracht werden.

    ...das wäre alles angenehmer zu lesen, "fbm", wenn Sie mal die Grossschreibe-Taste benutzen bzw. reparieren würden. Dann würde die mangelhafte Form des Postings auch nicht vom Inhalt ablenken.

    "Verweichlichtes" Auftreten, fbm? Na, wer erlaubt sich denn sowas, wo doch nur ein harter Mann, der wirkt, als würde er mit einem Dolch in der Hand auf dem Boden schlafen und Fleisch roh isst ein echter Mann ist...!

    Es ist immer wieder erfrischend, wie stereotypisierende Genderbeschreibungen und -auffassungen mit der Evolutionstheorie in eine Post gebracht werden.

    ...das wäre alles angenehmer zu lesen, "fbm", wenn Sie mal die Grossschreibe-Taste benutzen bzw. reparieren würden. Dann würde die mangelhafte Form des Postings auch nicht vom Inhalt ablenken.

  1. "Verweichlichtes" Auftreten, fbm? Na, wer erlaubt sich denn sowas, wo doch nur ein harter Mann, der wirkt, als würde er mit einem Dolch in der Hand auf dem Boden schlafen und Fleisch roh isst ein echter Mann ist...!

    Es ist immer wieder erfrischend, wie stereotypisierende Genderbeschreibungen und -auffassungen mit der Evolutionstheorie in eine Post gebracht werden.

    Antwort auf "bitte nicht..."
    • fbm
    • 27.08.2007 um 22:05 Uhr

    ...aber wenn ich mir jeden tag rosa polohemden und gelfrisuren als rahmen von solariengebräunten peelingegesichtern ansehe, dann wird eine vorsichtige einordnung als metrosexuelles weichei der situation doch hoffentlich gerade noch gerecht.

    wenn dieser standpunkt in kombination mit evolutionären hypothesen als erfrischend wahrgenommen wird, so würde ich mir dann doch eine erklärung dessen wünschen. vielleicht ist meine sichtweise als einer, der mit dem dolch auf dem boden liegend rohes fleisch kaut, ja zu beschränkt, um die offenkundige lächerlichkeit dessen erkennen zu können. ich bin dann wohl oder übel auf fremde argumente angewiesen - und bereits sehr gespannt; man will ja lernfähig sein.

    ist es sachlich falsch die oben beschriebene gruppe von männern (möge man davon halten was man will) auch als ergebnis von sozialisationseinflüssen zu sehen?

    stimmt die rechnung mit hohen und niedrigen fortpflanzungskosten nicht? wie wird diese hypothese denn falsifiziert?

    sollte ich abstand davon nehmen sowohl evolutionäre faktoren als auch umwelteinflüsse hinter den beschriebenen "bittstellern" zu vermuten? (und mein letzter satz im ersten posting will nicht mehr als diese wechselwirkung einräumen...vielleicht falsch verstanden?)

    edit/@lasse4711 - nein, ich werde sicher nicht unnötig grossschreiben und auch das esszett setze ich so wie es mir gefaellt. von zeit zu zeit werde ich sogar umlaute ausschreiben und auch sonst jedes mittel anwenden um mich so auszudrücken, wie es mir gefällt. es werden sogar satzzeichen aus purer flüchtigkeit fehlen. mich interessiert leider nicht besonders, ob hier leser rumschwirren, die sich von der unschönen form abhalten lassen und bislang ist leider noch keine inhaltliche antwort auf meinen standpunkt eingegangen. könnte natürlich auch sein, dass dieser artikel nach dem ersten zum thema nicht des weiteren kommentierens würdig ist.

  2. Die "Sueddeutsche" bringt ja auch gern solchen Frauenzeitschriften-Kram. Die weiblichen Leser wollen halt "erobert" werden...
    "...arrogant, hart, und vor allem unfair" kann ich nur bestätigen. Um diese Erfahrung zu machen, muss ich als Mann allerdings nicht erst eine Partnerbörse im internet aufsuchen. Mann läßt sich, für was auch immer, offenbar gern demütigen. Anders ist dieser partnerbörsliche Männerüberschuss nicht zu erklären. Abstoßend, und für Frauen wenig attraktiv. Hier schließt sich der Teufelskreis. Usw usw – Stoff für Frauenzeitschriften.

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    eine Auto-Kolumne gibt's ja schon und Sport auch des öfteren.
    Dann darf's auch mal ein bisschen Frauen-Zeitgeistiges sein, wobei hier seltsamerweise überwiegend Männer kommentieren. Vielleicht lesen doch auch viele Männer Frauenzeitschriften?! :-))

    eine Auto-Kolumne gibt's ja schon und Sport auch des öfteren.
    Dann darf's auch mal ein bisschen Frauen-Zeitgeistiges sein, wobei hier seltsamerweise überwiegend Männer kommentieren. Vielleicht lesen doch auch viele Männer Frauenzeitschriften?! :-))

  3. hach lecker zu lesen die wissenschaftlichen kommentare. aber wenndu denkst dann denkst du nur du denkst - es ist das zeit-fenster und die sterne. und du fängst aus 7 mill den fisch. schön beschrieben die rose im rosenmeer beim kleinen prinz, wie soll er sie unterscheiden bei so vielen. noch besser geht es mit augen-zu, mit schweiß-hemden eingeriebene stühle und sie setzt sich mit gewissheit da hin, wo das hemd des liebsten liegt. aber ihr könnt hier glaube was ihr wollt und weiter unher irren...

  4. eine Auto-Kolumne gibt's ja schon und Sport auch des öfteren.
    Dann darf's auch mal ein bisschen Frauen-Zeitgeistiges sein, wobei hier seltsamerweise überwiegend Männer kommentieren. Vielleicht lesen doch auch viele Männer Frauenzeitschriften?! :-))

    Antwort auf "Ach du liebe ZEIT"
  5. ...das wäre alles angenehmer zu lesen, "fbm", wenn Sie mal die Grossschreibe-Taste benutzen bzw. reparieren würden. Dann würde die mangelhafte Form des Postings auch nicht vom Inhalt ablenken.

    Antwort auf "bitte nicht..."
    • skeeze
    • 27.08.2007 um 11:49 Uhr

    oder wo sieht man nur solche Männer? Würde mich mal interessieren und zugleich auch worin sich diese Männer von weiblichen Fashion-Victims a la 80er mit Leggins und Rock darüber unterscheiden?

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