Gewalt Keine VolksfestschlägereiSeite 2/2

Dann wäre da noch der Vorwurf der Schönmalerei. Mügelns Bürgermeister wies nach den Ausschreitungen rasch den Verdacht zurück, sein beschauliches Dorf sei - wie andere Orte in Sachsen - ein Hort rechtsradikaler Schläger. In Mügeln gebe es "keine Rechtsradikalen", die Täter müssten von außerhalb angereist sein. Bloße Beschwichtigung? Die Lausitzer Rundschau schreibt dazu, man müsse, wenn man den Vorfall als normale Volksfestschlägerei abtue, sich nicht darüber wundern, dass der Eindruck entstehe, hier solle ein unangenehmes Phänomen totgeschwiegen werden.

Auch nach Auffassung der Berliner Zeitung war in Mügeln ein rechtsradikaler Hintergrund deutlich erkennbar. Einmal mehr sei es gegen Ausländer, gegen eine äußerlich erkennbare Minderheit, und nicht gegen "irgendwelche Sprach- und Saufgenossen" gegangen, kommentiert das Blatt. Und schreibt weiter, die erkenntnistheoretischen Finessen der deutschen Staatsorgane wirkten in diesem Zusammenhang wie eine Beschwichtigung.

Wie zukünftig mit dem Thema rechte Gewalt umgegangen werden soll, ist ein weiteres zentrales Thema der Zeitungen. Der Mannheimer Morgen meint dazu, mit dem Strafgesetzbuch allein mache man aus Menschenfeinden keine Menschenfreunde und aus einer schweigenden Mehrheit keine Zivilgesellschaft. Die benötige eine gute öffentliche Infrastruktur, aufgeklärte sozial und wirtschaftlich integrierte Menschen, um zu wachsen. Die zu gestalten aber sei der weit schwierigere Teil.

Für die Mitteldeutsche Zeitung hat nun nicht die Stunde der Aufklärung begonnen, sondern die der "ratlos rotierenden Reflexe". Die Polizei sehe keine Anhaltspunkte für einen rechtsradikalen Hintergrund, der Bürgermeister sei betroffen und beteuere, dass es keine Neonazis in seinem Ort gebe. "Und mancher wird sein Bild vom Osten als Hort rechter Gewalt einmal mehr bestätigt sehen. Viel interessanter wäre zu diskutieren, wie selbstverständlich die neuen Braunen schon in der Mitte der Gesellschaft siedeln."

Die Mainzer Allgemeine Zeitung ist der Auffassung, es sei an der Zeit, gegen die "braune Brut" aufzurüsten. Polizei und Verfassungsschutz müssten aufs Land, kompromisslos aufklären und durchgreifen. "Und auch die Menschen müssen lernen, dass zuschauen bei solchen Exzessen genauso schlimm ist wie mitmachen."

Einzig die Rheinische Post ist der Ansicht, man solle erst einmal die Ermittlungen abwarten, bevor man "typisch neue Länder" und "Neonazi-Überfall" rufe. Mit dieser Zurückhaltung steht das Blatt aber weitgehend alleine.

 
Leser-Kommentare
  1. Danke, zeit, für diesen Überblick.

    Was in Mügeln abgelaufen ist, weis ich selbstverständlich nicht und der Gedanke erst einmal die Ermittlungen und Untersuchungen abzuwarten, bevor ich ich auf eine Meinung festlege, erscheint mir nur vernünftig zu sein.
    Im Falle des Schwarzafrikaners Ernyas ..., der in Potsdam von nicht allzulanger Zeit zusammengeschlagen wurde und bei dem alle wussten, dass es ein rechtsradikal Motivierte Straftat gewsen sei, hat sich im Nachhinein herausgestellt, dass das Verfahren aufgrund mangel an beweisen - auch weil eben keine verbindung der Täter zur Rechtsradikalen Szene feststellbar war, eingestellt werden musste.
    Ich möchte nichts verharmlosen, sondern nur zur Mässigung auffordern.

    Zudem möchte ich auf ein anderes Problem hinweisen - das in diesem Zusammenhang hier auftritt, egal, was nun die Ermittlungen in Mügeln ergeben werden:

    Das sind die Medien - wir haben ein erstes Medienproblem in manchen Bereichen der berichterstattung in meinen Augen mittlerweilen.
    Von einer zeitung erwarte ich, dass ich vor allem Fakten präsentiert bekomme, die mich in die Lage versetzen mmir eine eigenständige Meinung zu bilden - etwas, das mir als einen Bürger einer Demokratie zugetraut werden sollte - sonst können wir uns das mit demokratie gleich schenken.
    Wenige Zeitungen heutzutage erwecken mir in ein paar gesellschaftspolitischen bereichen den eindruck, dass sie versuchen würden neutral fakten zu präsendieren.
    Was sich mir als eindruck aufrängt ist, dass absichtlich Fakten einseitig dargestellt werden, übertrieben werden, sogar Fakten "vergessen" werden zu erwähnen - wenn mir als eine Art Nachricht eine Meinung versucht wird zu verkaufen also - der Journalist nicht mehr als ein Nachrichtenvermittler, sondern als ein Sozialpädagoge, der als seine Aufgabe die Bildung von Meinungen in seinem Sinne über das Medium "Nachrichten" ansieht, mir entgegentritt, dann wird mir langsam aber sicher Schlecht.

    Genau dieses Phänomen haben wir als ein Problem ähnlich wie auch übrigens die BBC in GB, in unserer deutschen Medienlandschaft - und sie ist im Prinzip nichts anderes als eine Entmündigung des Bürgers, letztendlich zutiefst antidemokratisch und faschistoid.

    Damit spreche ich von nachrichten - nicht von Esseys und klar als Meinungen gekennzeichneten Artikeln.
    Wobei die zeit besonders positiv auffällt - nicht weil nicht in ihr Meinungen vertreten werden, die ich persönlich für problematisch und teilweise sogar als falsch ansehe, sondern weil in ihr zu grösseren, relevanten Themen oft mehrere Artikel unterschiedlicher Autoren mit unterschiedlichen, teilweise sogar konträren, Ansichten veröffentlich werden und mir so die möglichkeit geboten wird ein "Artefakt" von verschiedenen Seiten zu betrachten und mir auf deren Argumenten meine eigene Meinung zu bilden.
    Das ist mühsam, das heisst Sa. Nachmittags 2-3 Std. in meinem Cafe zu sitzen und gerade mal die Hälfte zu schaffen, und trotzdem nur einen Hauch an Ahnung mitzubekommen, aber es heisst auch, dass ich so erst eine eigene Meinung mir bilden kann und das ich als Bürger auch anerkannt werde.

    Die Schnelle Nachricht mit fertiger Meinung, die nach Ansicht des Journalisten die "richtige" sei - auch wenn er selbst die Faktenlage eigentlich gar nicht kennt (kennen kann) ist eigendlich nur eines: geistige Beleidigung.

  2. Deutschland sieht sich gern als Bildungs- und Kulturvolk.
    Damit es zum Ausbruch von offener Gewalt gegen Minderheiten kommt braucht es schon viel Hass und Dummheit, die ja irgendwo (mit entsprechendem Duenger) wachsen muss. Das Nichteinschreiten von Beistehenden (Angst mitverpruegelt zu werden?) wird solche Taeter zu zukuenftigen Taten ermutigen ("passiert ja eh nix"). Dass ueber den Vorfall heute in vielen internationalen Zeitungen berichtet wurde, ist schon eine Schande fuer Deutschland: klar, es sind wenige Randalierer, aber viele die zusehen, viele die sympathisieren und nur beschwichtigen und damit die Taeter legitimisieren (ihnen Freiraeume schafft und sie der Verantwortung enthebt nach dem Motto: hier leben nur gute Leute und alle boesen Randalierer kommen von ausserhalb.)Da haben Taeter und Verantwortliche die gleichen Denkmuster, oder?

  3. Das eigentlich Traurige (da anscheinend die Polizei so schnell da war, dass keiner unreparabel verletzt wurde) ist die mangelnde Unterstützung der Ortschaft, die Tat aufzuklären. Dies ist ein Indiz, dass die Parallelgesellschaft der Rechtsnationalen nicht nur geduldet wird, sondern dass die rechte Szene die Rechtsordnung, sei es durch Bedrohung oder durch Sympathie untergräbt. Nun können alle, die hier in den Kommentaren dauernd das entstehen von Parallelgesellschaften beklagen, auch hier ihre "Parallelgesellschaftskritik" anbringen, um zu demonstrieren, dass deren bisherige Kritik an Türkischstämmigen keine billige Ausländerhetze war. Würde mich aber wundern.

  4. champagnero, danke für Deinen Beitrag.
    Ich muß, als ehemaliger Bürger der Kleinstadt Mügeln, auch was dazu sagen.

    Von Augenzeugen (normale, vernünftige Studenten) weiß ich, wie dieser Vorfall entstanden ist:

    Gegen Mitternacht waren alle schon ziemlich betrunken. Auf der Tanzfläche ging es recht wild zu. Infolgedessen hat dann irgendjemand Kanacke o.Ä. gerufen, wonach einer von den Indern ausgeflippt ist und angefangen hat (!) mit einem Messer zu stechen. Dabei wurden zwei Einwohner an Bein und Hals erheblich verletzt. Danach ist dann der Rest der Leute auch sauer gewesen und haben angefangen zu prügeln.

    Weiterhin muß ich sagen, daß es nicht nur indischstämmige Einwohner in Mügeln gibt, sondern auch noch einige weitere Immigranten. Alle sind vollständig integriert. Arbeiten und leben dort. Aber auch diese haben davon abgesehen einzugreifen.

    Außerdem bitte ich Euch die Zeitung genau zu lesen. Wenn die Polizei sagt, daß sie in _alle_ Richtungen ermittelt, dann heißt das eben auch, gegen indische und deutsche Einwohner.

    Ich bin mehrmals im Jahr dort und ich kenne auch die Jugend. Es gibt in Mügeln keine organisierte rechte Szene. Es wird mit Sicherheit der eine oder andere NeoNazi dort wohnen, der zum Stadtfest seine 3 Freunde einläd.
    Aber insgesamt nicht mehr als es dem bundesdeutschen Durchschnitt entspricht.

    Grüße.

    • Akakor
    • 21.08.2007 um 13:17 Uhr

    Die Rheinische Post macht es vor: Erst einmal abwarten, was wirklich über die Geschehnisse herauskommt und dann urteilen. Stattdessen schafft sich der größte Teil der Medien, im vorauseilenden Gehorsam der politischen Korrektheit, seine eigene Wahrheit. Man weiß exakt, was passiert ist und wie es zu beurteilen ist.

    Ist dies noch ein freies Land mit freier Presse? Man kommt sich vor wie im Sovietstaat mit Pawlowschen Hunden in der Chefredaktion, die dafür sorgen, dass Reflexjournalismus betrieben wird.

    Auch gehört es zu den elementarsten Prinzipien der Justiz, dass jemand solange als unschuldig zu betrachten ist, bis das Gegenteil bewiesen ist...

  5. "Soziologe Andrej H . unter Terrorverdacht verhaftet"

    und dann:

    "Zwei Personen waren noch in der Nacht vorläufig festgenommen worden. Der 21- und der 23-jährige Verdächtige sind jedoch wieder auf freiem Fuß"

    rechstextremismus ist offensichtlich terrorismus erster güte, der vorfall in mügeln war ein klarer terroristischer anschlag. natürlich traut sich kein politiker oder staatsanwalt dies als solches auszulegen.

    unglaublich. ich zweifle ernsthaft an der unabhägikeit sächsischer justiz. wer hier beschwichtigt ist schlicht unverantworltich oder hat selbst eine "angebraunte" gesinnung.

    rechtsextreme täter brauchen keine strafen sondern therapien. lebenslang valium in einer gummiezelle ist wohl die angebrachteste methode. na ja, ernst bei seite, rechtsextremismus ist eine geisteskrankheit die scheinbar verbreiteter ist als man glauben mag - gerade im osten und im ländlichen westen, es wird zeit ernsthaft und nachhaltig darüber zu debattieren.

    natürlich sind das alles bemitleidenswerte sozialfälle - beschwichtigung bei gewallttaten wird dennoch langfristig zu mittäterschaft. bei den ermittlungen (die hoffentlich nicht unter sächsischer justiz laufen) sollte die rolle der zuschauer streng untersucht und der halbe ortskern gegenbenenfalls bestraft werden. natürlich reinste utopie, ich rechne mit 2-5 bewährungsstrafen von nicht mehr als 3 jahren... ...wenn überhaupt...

    • Akakor
    • 21.08.2007 um 13:31 Uhr

    Wie gelangt man eigentlich an den Punkt, dass sämtliche Auseinandersetzungen grundsätzlichen von bösen, rassistischen Deutschen ausgehen?
    Dass die Actio von Ausländern ausgeht und evtl. von deutscher Seite nur eine Reactio vorliegt, dieser Gedanke scheint aus einer fremden Welt...
    Das ist Rassismus gegen das eigene Volk, aber jahrzehntelange Erziehung haben wohl die richtigen Reflexe angezüchtet, von Vorurteilen geprägt.

    PS: Wann haben Sie das letzte in Ihren Medien etwas von Übergriffen von Ausländern auf Deutsche gehört? Gibt es die etwa nicht, z.B. in Berlin-Kreuzberg, in Köln-Mühlheim, in Oberhausen, in Duisburg, in Offenbach, sowie in sämtlichen Großstädten, da die Bevölkerungsmehrheit dort längst aus Migranten besteht?

    PPS: Zudem wird die Gewalt mit der nicht enden wollenden Beschuldigung Deutscher gefördert. Äquivalent zu den Berichten der Bundeswehrsoldaten aus Afghanistan gibt es nun einmal Kulturkreise, die so etwas als Schwäche wahrnehmen und sie verachten. Wenn man noch dazu weiß, dass die "öffentliche Empörung",egal was passiert ist, auf seiner Seite ist, dann raten Sie einmal, was passiert...

    Deutscher = Teufel
    Ausländer = Engel

    Dies ist das differenzierte Weltbild, dass uns die aufgeklärte Presse verkauft. Na denn, es liegt wahrscheinlich an den Genen der Deutschen, dass sie nur hassen und schlagen...

  6. >Die Reaktionen in Zeitungen sind da sehr einmütig.

    Vielleicht sollte die Medien/Politiker einfach mal aufhören nach den Motiven der Gewalt zu forschen sondern sie einfach mal unterbinden, mit harten Strafen. Für dem normalen Bürger spielt es nämlich keine Rolle von wem er zusammengeschlagen wird.

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