Der Stabschef der Internationalen Schutztruppe (Isaf), Bruno Kasdorf, forderte nach dem Mord an drei deutschen BKA-Beamten in Afghanistan erneut mehr Soldaten von den Nato-Staaten ein. "Wünschenswert und wichtig" sei eine Verstärkung der bislang rund 40.000 Soldaten zählenden Afghanistan-Unterstützungstruppe, sagte der deutsche General.

Kasdorf wies als Grund neben den aktuellen Anschlägen auf die Drogenkriminalität und die Macht regionaler Clanchefs hin. "Wenn es auf der anderen Seite nicht genügend Sicherheitskräfte gibt, ist die Befriedung ausgesprochen schwer und langwierig." Kasdorf betonte, die zusätzlichen Soldaten müssten "nicht zwingend aus Deutschland kommen". Das Nato-Hauptquartier in Brüssel sollte "entsprechende Ersuchen an alle Nato-Mitglieder richten".

Auch nach Auffassung der meisten deutschen Politiker darf der Tod der deutschen Sicherheitskräfte kein Anlass für eine Beendigung des Bundeswehrengagements sein. Im Gegenteil. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Ruprecht Polenz (CDU), etwa sagte: "Es wäre falsch, die Diskussion in Deutschland über die Fortsetzung unseres Afghanistan-Einsatzes jetzt nur noch unter dem Licht dieser Anschläge zu führen. Das könnte bei den Tätern zu dem Eindruck führen, dass es nur noch weniger weiterer Anschläge bedürfe, damit Deutschland seine Haltung ändere. Das wäre geradezu eine Ermutigung, neue Anschläge zu verüben."

Der außenpolitische Sprecher der SPD, Gert Weisskirchen, sagte: "Afghanistan braucht ein Klima der Sicherheit, damit die Afghanen ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen können. Für jedes Mädchen, das in der Schule ohne Angst lernen kann, lohnt es sich, dass der Bundestag die dafür nötigen Mandate entscheidet." FDP-Parteichef Guido Westerwelle sagte: "Wer vor dem Terror zurückweicht, kapituliert vor diesen Mördern."

Auch das Bundeskabinett unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ keinen Zweifel an der Fortsetzung der deutschen Missionen. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla hofft angesichts der im Herbst anstehenden Entscheidungen im Bundestag über die Verlängerung der Bundeswehr-Einsätze in Afghanistan auf eine Einigung. "Ich bin der Auffassung, dass alle drei Mandate bis zum heutigen Tag richtig waren", sagte Pofalla.

Die Bundeswehr beteiligt sich bisher mit bis zu 3000 Soldaten an der Nato-geführten Isaf-Mission. Außerdem hat sie bis zu 100 Kräfte für die US-geführte Operation "Enduring freedom" zugesagt, die seit zwei Jahren aber nicht mehr angefordert wurden. Zudem beteiligt sich die Luftwaffe mit sechs Tornados an der Luftaufklärung.