Daraus resultiert nicht nur die globale Überflutung der Welt mit immer umfangreicheren, nach Anlagemöglichkeiten suchenden Geldersparnissen , sondern auch die zunehmenden Spannungen zwischen Arm und Reich. Lagen im Deutschland der 1950er Jahre die von den Banken ausgeschütteten Zinsen noch bei zwei bis drei Prozent der Nettolöhne, hatten sie im Jahr 2000 mit 293 Milliarden Euro bereits die Hälfte dieser Lohneinkommensgröße erreicht.

Besonders problematisch ist dabei, dass sich diese Zinseinnahmen immer mehr bei einer Minderheit der Bürger konzentrieren. An diese Minderheit floss auch das Gros der vom deutschen Staat gezahlten Zinsen, die sich seit 1970 bis heute auf mehr als 1500 Milliarden Euro summieren und damit die gesamte staatliche Neuverschuldung beansprucht haben. Und da die Zinssätze heute nie auf null fallen können, geraten alle Volkswirtschaften in ein Dilemma. Entweder sie gefährden durch ständiges weiteres Wachstum ihre Umwelt oder ohne Wachstum den sozialen Frieden. Am Ende beider Alternativen aber stehen Gewalt und Krieg.

Was ist zu tun?

Wer ein Problem lösen will, muss bei seinen Ursachen ansetzen. Die Ursache des Geldproblems sind die dauernd positiven Zinsen, die heute auch dann noch erhoben werden, wenn sich in Volkswirtschaften Sättigungsgrenzen abzeichnen und das Wachstum gegen null tendiert. 

Überwindbar ist diese Fehlentwicklung nach dem Verursacherprinzip, indem man die Bargeld- und ggfs. auch die Giralgeldhaltung mit Kosten belegt. Diese Lösung, von Silvio Gesell vor rund 100 Jahren entwickelt, hat auch der wohl bekannteste Ökonom des vergangenen Jahrhunderts, John Maynard Keynes, aufgegriffen. In seinem 1937 erschienenen Hauptwerk, Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes , schreibt er, dass eine solche Geldhaltegebühr, neben einer Verstetigung des Umlaufs, „der vernünftigste Weg sein (würde), um allmählich die verschiedenen anstößigen Formen des Kapitalismus loszuwerden“.

Für eine historische Umsetzung dieser Forderung steht das in der „Blüte des Hochmittelalters“ über einige Jahrhunderte in Mitteleuropa verwendete Dünnblechgeld, Brakteaten genannt, das ein bis zwei Mal im Jahr „verrufen“ wurde und gegen Abschlag eingetauscht werden musste. Und aus dem vergangenen Jahrhundert ist vor allem „das Wunder von Wörgl“ bekannt, wo die Gemeindeverwaltung in der Krise der frühen 1930er Jahre ein umlaufgesichertes Notgeld einführte und damit die Arbeitslosigkeit reduzieren konnte.

Die heute sich vermehrt bildenden Regio-Geld-Initiativen greifen diese Beispiele auf und regen damit auch zur Befassung mit unseren Geldproblemen an. In der Praxis dürften sie jedoch nur dann zu merkbaren regionalen Verbesserungen führen, wenn sie - wie seinerzeit in Wörgl - von den Gemeinden mitgetragen und als Zahlungsmittel anerkannt werden. Ansonsten sind die Nachteile eines solchen Zweitgeldes kaum auszugleichen.

Helmut Creutz wurde 1923 geboren und hat die Zeit miterlebt, die zum „Wunder von Wörgl“ führte. Als Wirtschaftsanalytiker und Publizist hat er auch einige Bücher über Geld und Zins veröffentlicht. Creutz lebt in Aachen. Auf ihn antwortet in der kommenden Woche der Ökonom Gebhard Kirchgässner von der Universität St. Gallen