Auslandsknigge Darf man das?

Jedes Land Europas hat seine kulturellen Eigenarten. Entsprechend viele Möglichkeiten gibt es für den Reisenden, ins Fettnäpfchen zu treten. Da ist es gut, wenn er Bescheid weiß. Um Ihnen das Abenteuer der zwischenmenschlichen Begegnung zu erleichtern, geben wir Tipps für das richtige Benehmen im Ausland. Folge 1: Frankreich

Frankreich ist zentralistisch organisiert und regiert. Alles, was von Bedeutung ist, spielt sich in Paris ab. Aus diesem Grund ist das Streben der französischen Bürger nach der Hauptstadt so beständig wie das Lächeln der Mona Lisa im Louvre. Jenseits des 20. Arrondissements beginnt für viele Franzosen die Provinz, und zur Provinz gehören für so manchen auch Belgien, Lausanne, Genf und Montreal.

Da es sich bei der französischen Gesellschaft um eine ehemals höfische handelt, darf man davon ausgehen, dass es einem nie an Gelegenheiten für den einen oder anderen Fehltritt, sprich Fauxpas, mangeln wird. Sich ein bisschen comme il faut zu verhalten und ein paar Benimmregeln zu berücksichtigen, kann deshalb nur von Nutzen sein. Rechnen Sie aber nicht damit, dass Ihre Bemühungen mit einem Logenplatz in der Pariser Schickeria honoriert werden. Werten Sie es als Erfolgserlebnis, in gewissen Kreisen nicht ignoriert zu werden.

Anzeige

Bei der Arbeit

Um einen Anruf entgegenzunehmen, reicht ein scharf gebelltes Allô! Der eigene Name wird um keinen Preis bekannt gegeben. Man stellt sich auch dann nicht vor, wenn man selbst anruft und nach einer bestimmten Person verlangt.

Unangenehme Telefonate werden in Frankreich gegen Ende der Woche, mit Vorliebe am Freitag nach 16 Uhr, erledigt. Weil das generell so gehandhabt wird, kann man sich leider nicht erhoffen, dass die Büros wie im deutschen Sprachraum um diese Zeit längst nicht mehr besetzt sind und man um das lästige Gespräch herumkommt.

Eine gut geführte Adresskartei, le carnet , ist in jeder Lebenssituation von Nutzen, das Sammeln von Visitenkarten deshalb von hoher Dringlichkeit.

Die eigene Karte sollte möglichst karg beschriftet sein. Name und Adresse reichen. Berufsbezeichnungen sind wegzulassen. Je wichtiger der Karteninhaber ist, desto weniger Informationen sind auf dem Kärtchen in Erfahrung zu bringen. Ein Franzose von gesellschaftlicher Relevanz geht davon aus, dass man ohnehin weiß, wer er ist.

Hüten Sie sich vor billig kopiertem Karten-Machwerk. Damit kommen Sie im französischen Business nicht durch.

Essen und Trinken

In Frankreich geht man nicht manger , essen, sondern frühstücken, mittagessen oder abendessen. Das Essen spielt eine sehr wichtige Rolle, erstreckt es sich doch über mindestens drei bis vier Gänge und wird in einer festgelegten Reihenfolge serviert. Suppe, gefolgt von dem hors d’œuvre (Vorspeise), ein entrée (warmer Gang) und plat (Hauptgericht). Salat kann nach dem Hauptgericht serviert werden. Den Käse serviert man immer nach dem Hauptgericht. Bei einfacheren Menüs ist zwischen Käse und Dessert zu wählen.

Die Franzosen sind sehr stolz auf ihren Käse. Eher würden sie akzeptieren, dass Sie einen französischen Literaten in Zweifel ziehen als den aufgetischten Käse.

Stürmen Sie im Restaurant nicht auf den besten Fensterplatz zu, sondern warten Sie geduldig, bis Ihnen der Kellner einen Platz zuweist. Auch auf die Gefahr hin, dass sich der Platz neben den »Örtlichkeiten« befindet.

Um den Kellner zu rufen, sollten Sie weder mit den Fingern schnippen noch pfeifen. Heben Sie den Kopf ein wenig, um sich mit einem gut artikulierten Monsieur! bemerkbar zu machen.

Im Gegensatz zu einer privaten Einladung in die Wohnung des Gastgebers, zu der man mindestens eine Viertelstunde zu spät kommt, erscheint man im Restaurant pünktlich. Eine Verspätung lässt sich jedoch, zumindest in Paris, immer mit einem der zahlreichen Metrostreiks entschuldigen.

Bevor Sie mit zusammengekniffenen Beinen im Restaurant herumirren, erkundigen Sie sich, wo man sich die Hände waschen kann: Où peut-on se laver les mains? Mit dieser Frage machen Sie sofort klar, was Sie suchen.

Die Rechnung wird von einer Person beglichen und nicht im Beisein des Kellners akribisch aufgeteilt. Was jedoch nicht bedeutet, dass man mit einem gut getimten Toilettengang vom Zahlen verschont bleibt. Geteilt wird später. Und zwar der Betrag der Rechnung durch die Anzahl der Gäste. Führt ein Herr eine Dame aus, zahlt immer der Mann.

Im Alltag

Kleidung: Keine »lauten« Krawatten und kein dernier cri (der letzte Schrei), dafür zurückhaltende Noblesse. Dunkle Farben sind grellen vorzuziehen. Sportliche Eleganz dem modischen Firlefanz. In Frankreich hegt man ein ausgeprägtes Labelbewusstsein, in der gehobenen Gesellschaft selbstverständlich für französische Marken.

Wird von Ihnen erwartet, dass Sie in festlicher Kleidung zu einem Anlass erscheinen, so steht auf der Einladung robe de soir und smoking . Ist der Anlass weniger förmlich, dürfen Sie im tenue de ville , im dunklen Straßenanzug respektive im eleganten Kostüm oder im kleinen Schwarzen, erscheinen.

In Kirchen und öffentlichen Gebäuden sollte man auf kurze Röcke und Hosen oder unbedeckte Schultern verzichten.

Öffentliche Verkehrsmittel: Vous permettez? – Allez-y. – Je vous remercie. Darf ich? Bevor man sich neben jemanden setzt, bittet man um Erlaubnis und bedankt sich, nachdem einem diese erteilt wurde.

Taxi: Sie dürfen sich am Taxistand anstellen oder auf dem Gehsteig winken. Ganz wie Sie wünschen. Bezahlt wird jedoch immer im Wageninnern.

Mit dem Auto: Was vielfach nach nacktem Chaos aussieht, funktioniert normalerweise ziemlich gut. In Paris wird eng geparkt. Das heißt, man fährt auf die Stoßstange des Vordermanns auf und schiebt sich gegenseitig, mehr oder weniger sanft, hin und her. Aus diesem Grund sollte man es besser unterlassen, beim Parken die Handbremse anzuziehen. Es sei denn, man parkt am Berg.

Mitbringsel: Blumensträuße sind beliebte Gastgeschenke. Sie werden immer eingepackt überreicht und somit auch nicht in Supermärkten gekauft. Von einem Nelkenstrauß wird mancherorts abgeraten, da es sich bei Nelken um Friedhofsblumen handelt. Das kann jedoch je nach Ort variieren. Um sicherzugehen, sollte man vielleicht zunächst einen Spaziergang über den örtlichen Friedhof unternehmen.

Auch Weine erfreuen den Gastgeber. Der ausgesuchte und vor allem französische Wein ist in Begleitung eines Bruders, einer zweiten Flasche, besonders willkommen. Und natürlich ist es auch in Frankreich wie vielerorts erlaubt, den Nachtisch mitzubringen.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch:

 
Leser-Kommentare
  1. Wichtig ist auch die Einladungszeit. In der Provinz gilt eine Einladung bis etwa 20.30 als Einladung zum Abendessen, nach 20.30 erscheint man oft nur zum Dessert.

    Bei privaten Einladungen kann man aus der Sitzordnung erkennen, wer der wichtigste Gast ist, er sitzt immer neben der Dame des Hauses.

    Für Deutsche ganz wichtig zu wissen, dass der Franzose Wein nur zum Essen trinkt, man kann also seine französischen Freunde nicht zu einem Glas Wein einladen, alle anderen Drinks, auch Champagner sind ok.

    Auch dass viele Einladungen nicht in der Wohnung des Einladenden stattfinden sondern im Restaurant ist in Frankreich ganz normal. Das hat damit zu tun, dass viele Franzosen bei weiten nicht den gleichen Wert auf Inneneinrichtung legen wie Deutsche, sehr oft leben sie noch in den Möbeln von Eltern, ja Großeltern.

    Pierre

    Grenzen im Kopf sind sehe hinderlich

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Vielen Dank fuer die Tips...
    Bei meinem letzten Frankreichaufenthalt habe ich wohl so ziemlich alles verkehrt gemacht :-)

    Vielen Dank fuer die Tips...
    Bei meinem letzten Frankreichaufenthalt habe ich wohl so ziemlich alles verkehrt gemacht :-)

  2. Vielen Dank fuer die Tips...
    Bei meinem letzten Frankreichaufenthalt habe ich wohl so ziemlich alles verkehrt gemacht :-)

    Antwort auf "Benimm in Frankreich"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service