Gesellschaft Leben aus der MülltonneSeite 2/2

Rechtlich, so Nelson, stehe Dumpster Diving in den USA nicht unter Strafe, die strengen Regeln haben sie sich selbst auferlegt, um nicht zu riskieren, dass der Müll versiegelt wird. In Deutschland, wo man in der Freeganer-Szene nicht von "Mülltauchen" spricht, sondern von "Containern" , sieht das anders aus. Nach der Rechtsprechung hat selbst noch der deutsche Abfall einen Besitzer. Vor zweieinhalb Jahren wurde daher eine Kölnerin zu 60 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt, weil sie Brot und abgelaufenen Joghurt containert hatte. Neben Köln gibt es auch in Hamburg und Berlin Treffen von Containerern, wie sie sich selbst nennen. Nur sind ihre Rundgänge konspirativer organisiert als im Vorbild New York.

Rund drei Stunden und 40 volle Taschen später, hat die Gruppe um Mitternacht den letzten Supermarkt an der Third Avenue erreicht. Alle Lebensmittel werden gleichmäßig unter den Freeganern aufgeteilt. Dann bekommt jeder noch einen handgeschriebenen Adress-Zettel zugesteckt - dort wollen sich die Freeganer am kommenden Tag treffen, um das Gefundene gemeinsam zu verspeisen. Auch das gehört zu ihrer Ideologie.

 
Leser-Kommentare
  1. vom der IT Hippe zum Müllionär, was hier so sozialromantisch dargestellt wird ist für viele Alte bereits harter Überlebenskampf auch in Deutschland.

  2. "Sie wollen nicht arbeiten, weil sie es für menschenunwürdig halten, ein kapitalistisches System zu unterstützen, in dem sich ihrer Meinung nach einige wenige auf Kosten vieler bereichern."

    Wie asozial ist das denn bitte? Dazu fällt mir ein Zitat aus einem deutschen Bericht über "Containerer" ein (sinngemäß): "Ich habe keine Zeit zu arbeiten, weil ich so viel demonstriere und protestiere. Und der Staat gibt mir zu wenig Geld [um das zu bezahlen], so dass ich Containern gehen muss." Dann gings mit dem gleichen ideologischen BlaBla, das auch in dem Zeit-Artikel wiedergegeben wurde, weiter.

  3. Ursprünglich kommen sie aus New York. Sie nennen sich selbst Freeganer und leben von dem, was von der Gesellschaft übriggelassen wird. Nachts beginnt ihr “dumpster diving” - das Wühlen im Abfall. Hier lesen.

    http://theolounge.wordpre...

  4. Als asozial würde ich diese Leute nun nicht unbedingt abstempeln. Mit Sicherheit nicht...
    Ich würde sie eher als Leute beschreiben, die "bewusst" leben. Sie engagieren sich sozial und versuchen nach ihrem Können die Umwelt zu schonen und dieser "Wegwerf-Gesellschaft" etwas entgegenzusetzen! Nicht asozial, vorbildich nenne ich sowas! Daran könnten sich fast alle ein Beispiel nehmen. Nicht umsonst sind auch viele Gebildete (z.B. Studenten) unter solchen Leuten, die teils auch etwas sozialer, linker und mehr der Umwelt zu Liebe denken. Was kann schlimm daran sein?

    Und wieso regen sich die Leute darüber auf, dass sich andere Leute von ihren Abfällen ernähren? Wo bleibt da die Freiheit und Gerechtigkeit? Ich finde es 10mal schlimmer, wenn Leute kiloweise gute Lebensmittel wegwerfen, von denen sich andere Leute ernähren könnten. Diese haben vielleicht nicht genug Geld dazu, sich solchen Luxus (teure Lebensmittel oder so ein Zeugs einfach mal wegwerfen) zu leisten. Und so lange sie die Müllsäcke nicht überall verteilen, indem sie sie zerreißen, ist doch echt nichts Schlimmes dabei!?

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    ...durch ihr "Wohlverhalten" und sorgsames wieder schliessen der Tuetenunterstuetzen sie sogar die Laeden, die so viele Lebensmittel wegwerfen, indem sie dafuer sorgen, dass diese 1. geringere Preise fuer Muellentsorgung zahlen muessen und 2. sich keine Gedanken darueber machen muessen, die Lebensmittel z.B. einer Tafel zu spenden. Fuer letzteres einzutreten statt Muellwuehl-Treffen zu organisieren hielte ich fuer sinnvoller. Dann bekaemen naemlich die Menschen diese Lebensmittel, die sie wirklich brauchen. Ist ja schon komisch, dass es innerhalb dieser Bewegung z.B. keine Obdachlosen gibt - die bekommen vermutlich keine dieser Flugzettel mit Termin fuers naechste Treffen. Damit grenzt man sich von der Not derer ab, die auf kostenlose Lebensmittel dringend angewiesen sind, und die Tips, wo es besonders gute Ware gibt viel dringender brauchen koennten.

    ...durch ihr "Wohlverhalten" und sorgsames wieder schliessen der Tuetenunterstuetzen sie sogar die Laeden, die so viele Lebensmittel wegwerfen, indem sie dafuer sorgen, dass diese 1. geringere Preise fuer Muellentsorgung zahlen muessen und 2. sich keine Gedanken darueber machen muessen, die Lebensmittel z.B. einer Tafel zu spenden. Fuer letzteres einzutreten statt Muellwuehl-Treffen zu organisieren hielte ich fuer sinnvoller. Dann bekaemen naemlich die Menschen diese Lebensmittel, die sie wirklich brauchen. Ist ja schon komisch, dass es innerhalb dieser Bewegung z.B. keine Obdachlosen gibt - die bekommen vermutlich keine dieser Flugzettel mit Termin fuers naechste Treffen. Damit grenzt man sich von der Not derer ab, die auf kostenlose Lebensmittel dringend angewiesen sind, und die Tips, wo es besonders gute Ware gibt viel dringender brauchen koennten.

  5. viele Gebildete (z.B. Studenten) unter solchen Leuten, die teils auch etwas sozialer, linker und mehr der Umwelt zu Liebe denken

    ich würd ja lachen, wenns nicht so traurig wäre. sehr praktisch auch, dass diese leute nicht so aussehen wie obdachlose, ansonsten würden sie gar nicht mehr in die new yorker innenstadt dürfen, sondern würden in irgendwelchen camps vor der stadt interniert.
    ist dumpster diving also so'ne, ähem, sehr subtile anklage der städtischen machtverhältnisse?! so'ne neue, ähem, total kritische kunstform? eine understatement-masche, um nicht so sehr als gentrifier aufzufallen?

    ich hätte da nen tip für all jene, die was an den herrschenden verhältnissen in der lebensmittelindustrie verändern wollen: kauft bei erzeugern eures vertrauens (ob bio-zertifiziert oder nicht -scheissegal, hauptsache, man weiß wer das geld bekommt und wie die tomaten gemacht werden) oder stellt eure lebensmittel verdammt noch mal selber her. ein bisschen garten umgraben oder komposthaufen durchstrukturieren hat noch niemandem geschadet.

  6. wenn man weiß, unter welchen bedingungen manche lebensmittel hergestellt werden, ist wegwerfen manchmal gar nicht die schlechteste reaktion.

    das weggeworfene auch noch aufzusammeln, ändert m.e. nichts und ist höchstens was für den kurzen hunger. alternative strukturen aufbauen? fehlanzeige. aber offenbar geht es den leuten ja auch um was ganz anderes...

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    • dld
    • 29.08.2007 um 17:30 Uhr

    ich weiss nur, dass es in wien auch so eine szene gibt. diese verkocht das gesammelte in einer volxkueche und bietet somit kostenlose essen fuer alle an. ja, es geht diesen leuten auch darum so gut es geht alternative lebensformen zu finden (was nicht so leicht ist)

    • dld
    • 29.08.2007 um 17:30 Uhr

    ich weiss nur, dass es in wien auch so eine szene gibt. diese verkocht das gesammelte in einer volxkueche und bietet somit kostenlose essen fuer alle an. ja, es geht diesen leuten auch darum so gut es geht alternative lebensformen zu finden (was nicht so leicht ist)

  7. Die längst überfällige Klimadiskussion und damit das Thema "Energieverschwendung" ist mittlerweile im deutschen Mainstream angekommen. Die Nahrungsmittelverschwendung ist nur ein Aspekt der globalen Ressourcenverschwendung. Daher ist es konsequent, auch in diesem Bereich auf Verwertung zu setzen. Zwei Aspekte finde ich in dem Artikel besonders interessant: wider Erwarten sind es nicht primär Obdachlose, die zu dieser Art der Nahrungssuche gezwungen sind, sondern Studenten, die sich freiwillig mit alternativen Lebensformen beschäftigen.Und dann habe ich dazu gelernt: der deutsche Müll hat im Gegensatz zum amerikanischen einen Besitzer!

    Zu den Freeganern blogge ich am 31.8. unter http://hosto.wordpress.com

  8. Direkt zum Thema hat didigital eigentlich alles gesagt, was ich auch darüber denke.
    Was ich asozial finde, ist nicht, dass diese Leute im Müll wühlen, sondern dass Sie sich weigern zu arbeiten, "weil sie sich weigern, ein kapitalistisches System zu unterstützen". Wenn Sie sich auch weigern würden, von diesem kapitalistischen System Sozialleistungen anzunehmen, wär's ja in Ordnung. Da dazu im Artikel nichts steht, wird's wohl nicht der Fall sein (würde mich auch wundern).

    Menschen, die ohne Not auf Kosten anderer oder von der Wohlfahrt leben, sind für mich (Sozial-)Schmarotzer und damit asozial.

    Ich würde gerne mal hören, was jemand, der aus der Not heraus von Müll leben muss, zu "Freeganern" und "Containerern" sagt.

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    dem begriff "containern" und den leuten bin ich das erste mal vor ca. 4 jahren hier in hamburg begegnet. containern ist letzendlich sich essen aus muelltonnen zusammenzutragen, also von den resten unserer wegwerfgesellschaft zu ernaehren. mag sein, dass es mittlerweile eine szene geben mag, die sich der thematik politisch und ideologisch angenommen hat und diesen begriff fuer sich offiziell prägt.
    die urspruenge liegen meines wissens nach jedoch bei denjenigen, die kein geld haben, sich entsprechend zu versorgen. wie aktuell die flaschensammler, die mit sicherheit jeder kennt. leider sind auch immer mehr ältere menschen betroffen.

    hier gibt es also einmal die motivation aus der notwendigkeit heraus. solche menschen sind weit davon weg, asozial zu sein.
    den anderen ansatz, von den abfaellen aus überschuss zu leben, ist eine freie entscheidung des einzelnen. die kritik an dem ueberfluss, ob indirekt oder ganz explizit ist gerechtfertig. denn der ueberfluss existiert, parallel zur armut. umso kritikwuerdiger ist das ganze, als dass es deutschen lebensmittelketten verboten ist, ausrangierte produkte beduerftigen zu geben. der arme darf also offiziell nichtmal vom abfall des "normalen" leben.
    hat man hier angst (@kitzing), dass der einzelne sich koeniglich im abfall labt und wir anderen arbeiten muessen? nach dem motto: "die machen sich nen schoenen lenz und ich maloche! die machen den deckel der tonne auf und ziehen sich ne staude bananen und ich muss mich dafuer anstellen und noch geld hinlegen!"

    lieber kitzing, sie sehen ihre arbeit an sich falsch. es ermöglicht ihnen, in der schlange zu stehen, bedient zu werden und eine garantie zu haben, dass ihre produkte reif sind. sie machen vielleicht noch urlaub und koennen sich zusätzlich das ein oder andere dinge leisten, die helfen, sie, frei nach ihrem blick auf's leben, gluecklich zu machen. arbeiten sie doch weiter dafuer. wenn sie feststellen, dass ihnen ihr job doch keinen spass macht, koennte das eher daran liegen, dass sie mehr fuer den staat und die reichen arbeiten, als fuer die, die ihren muell sammeln.

    was daran asozial ist, von den "abfaellen" unserer gesellschaft zu leben, verstehe ich nicht.

    hier zeigt sich wahrscheinlich mehr das stigmatisierte denken vieler, die es von den eltern nicht anders gelernt haben. menschen, die weniger verdienen oder eben gar nichts oder durch ihre lebensweise kritik an der "normalen" art zu leben aeussern, werden mit asozial oder linkes pack beschimpft.

    wie einfach und wie falsch. keine kritikfaehigkeit, kein reflektiertes leben. glotze an, bier rein, fertig.

    dem begriff "containern" und den leuten bin ich das erste mal vor ca. 4 jahren hier in hamburg begegnet. containern ist letzendlich sich essen aus muelltonnen zusammenzutragen, also von den resten unserer wegwerfgesellschaft zu ernaehren. mag sein, dass es mittlerweile eine szene geben mag, die sich der thematik politisch und ideologisch angenommen hat und diesen begriff fuer sich offiziell prägt.
    die urspruenge liegen meines wissens nach jedoch bei denjenigen, die kein geld haben, sich entsprechend zu versorgen. wie aktuell die flaschensammler, die mit sicherheit jeder kennt. leider sind auch immer mehr ältere menschen betroffen.

    hier gibt es also einmal die motivation aus der notwendigkeit heraus. solche menschen sind weit davon weg, asozial zu sein.
    den anderen ansatz, von den abfaellen aus überschuss zu leben, ist eine freie entscheidung des einzelnen. die kritik an dem ueberfluss, ob indirekt oder ganz explizit ist gerechtfertig. denn der ueberfluss existiert, parallel zur armut. umso kritikwuerdiger ist das ganze, als dass es deutschen lebensmittelketten verboten ist, ausrangierte produkte beduerftigen zu geben. der arme darf also offiziell nichtmal vom abfall des "normalen" leben.
    hat man hier angst (@kitzing), dass der einzelne sich koeniglich im abfall labt und wir anderen arbeiten muessen? nach dem motto: "die machen sich nen schoenen lenz und ich maloche! die machen den deckel der tonne auf und ziehen sich ne staude bananen und ich muss mich dafuer anstellen und noch geld hinlegen!"

    lieber kitzing, sie sehen ihre arbeit an sich falsch. es ermöglicht ihnen, in der schlange zu stehen, bedient zu werden und eine garantie zu haben, dass ihre produkte reif sind. sie machen vielleicht noch urlaub und koennen sich zusätzlich das ein oder andere dinge leisten, die helfen, sie, frei nach ihrem blick auf's leben, gluecklich zu machen. arbeiten sie doch weiter dafuer. wenn sie feststellen, dass ihnen ihr job doch keinen spass macht, koennte das eher daran liegen, dass sie mehr fuer den staat und die reichen arbeiten, als fuer die, die ihren muell sammeln.

    was daran asozial ist, von den "abfaellen" unserer gesellschaft zu leben, verstehe ich nicht.

    hier zeigt sich wahrscheinlich mehr das stigmatisierte denken vieler, die es von den eltern nicht anders gelernt haben. menschen, die weniger verdienen oder eben gar nichts oder durch ihre lebensweise kritik an der "normalen" art zu leben aeussern, werden mit asozial oder linkes pack beschimpft.

    wie einfach und wie falsch. keine kritikfaehigkeit, kein reflektiertes leben. glotze an, bier rein, fertig.

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