Es ist angenehm warm hier draußen. Bikinimädchen lehnen sich entspannt in ihren Liegestühlen zurück. Im Hintergrund dreht sich gemächlich ein weißes Riesenrad. Eine leichte Brise weht von nebenan ein paar Takte Nirvana heran. Falsche Takte. Schräge Takte. Richtig gut klingt das nicht.

Aber es ist cool. Denn die vier Musiker, die auf der kleinen Bühne im aufgeschütteten Sand an Kurt Cobains Vermächtnis herumdoktern, sind junge GC-Besucher. Riff und Rhythmus kennen sie ohrenscheinlich nur vom Zuhören, aber trotzdem (oder womöglich: deshalb) spielen sie mit Hingabe das Videospiel Rock Band. Ein Spiel, das seinen Unterhaltungswert eben daraus bezieht, dass Dilettanten nach Vorgaben auf dem Bildschirm Luftgitarre spielen und Karaoke singen. Das Publikum amüsiert sich über das amusische Geschrubbe. Aber auch die Un-Musiker haben sichtlich Vergnügen. Kunststrand, Spaß, Sonne - was will man mehr. So entspannt kann eine Games Convention sein.

Die Leipziger Spielemesse hat seit ihrem Debüt 2002 eine erstaunliche Entwicklung durchlaufen. Nach Gründungseuphorie und Improvisationsphase, nach jährlichem explosionsartigem Wachstum und zwischenzeitlich chaotisch überfüllten Räumen hat sich die Messe, die am Sonntag zu Ende ging, in diesem Jahr gefunden. Sie bot ein Festival für elektronische Unterhaltung, das einzigartig ist. Der Erfolg hat Begehrlichkeiten geweckt: Schon hat sich Frankfurt beworben, die Ausrichtung von 2009 an zu übernehmen.

Die Games Convention ist ein kleines deutsches Wirtschaftswunder. Aus allen Erdteilen reisen Spielemacher und Publisher an; viele Weltpremieren, die früher der amerikanischen E3 vorbehalten waren, werden jetzt in Leipzig zelebriert. Die Mischung aus Entwicklerkonferenz, Branchenmesse und Publikumsshow magnetisiert alljährlich sechsstellige Menschenmengen. Der Funke ist selbst auf Industrieveteranen übergesprungen, von denen viele die GC 2007 "the best show ever" nennen.

Was sie meinen, ist die Atmosphäre. Denn die glich dieses Jahr zeitweise einem großen Happening. Mit Open-Air-Konzerten, Freigeländen und geöffneten Hallentoren traf die Messeleitung Maßnahmen, die den Ansturm der Besucher verteilten. Tatsächlich konnte man - anders als im vergangenen Jahr, als die Show von Besuchern überrannt wurde - nicht nur Menschenmassen sehen, sondern auch wieder Spiele.

Games, Games, Games. Dafür waren sie hier, die 185.000 Besucher. In den Hallen flackert und rattert es von fassadengroßen Leinwänden, aus turmhohen Boxen, in surrealen Standkonstruktionen. Hier Sciene-Fiction-Schlachten, dort Trolle beim Hauen und Stechen, da Fußball für Sofa-Bundestrainer. Schon wahr, vieles ist kampfbetont, manches überflüssig, einiges geschmacklos und weniges auch schlichtweg indiskutabel.