Größer kann der Unterschied kaum sein. Die Messestände der Spielehersteller und Vertriebsfirmen locken die meist jugendlichen Besucher mit grellen Lichtshows, riesigen Leinwänden, pulsierenden Bässen und halbnackter Haut. Beschauliche Ruhe dagegen herrscht an den Ständen im Familienbereich - "GC Family" genannt - eine Ruhe, fast wie auf der Leipziger Buchmesse.

Knapp eine ganze Messehalle nimmt dieser Familienbereich ein. Man findet dort Aussteller wie die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM), das Kinderhilfswerk, die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) oder die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK). Medienkompetenz, Bildung und Jugendschutz sind dort die Themen. Diese vermeintlich bigotte Mischung aus aggressiver Vermarktung und ernsthaftem Umgang erklären sich durch die finanziellen und organisatorischen Rahmenbedingungen der Games Convention.

Um eine möglichst große Akzeptanz sowohl bei den Herstellern und Spielefans als auch in der allgemeinen Öffentlichkeit und der Politik zu erreichen, muss die Messe einen Spagat zwischen Fun-Event und Seriosität, zwischen Kommerz und Aufklärung wagen. Nur so wird sie auch in Zukunft erfolgreich sein können. Dass dieser Spagat, trotz der berechtigten Kritik an Strandlandschaften mit Bikini-Damen unter Plastikpalmen, gelingt, liegt nicht zuletzt an den Ausstellern der "GC Family", die ihre Aufgabe auf der Messe durchaus ernst nehmen.

"Viele Eltern, insbesondere die der älteren Generation, haben Berührungsängste gegenüber den für sie neuen Medien wie Computerspielen" sagt Arne Busse, Referent der Bundeszentrale für politische Bildung. Die bpb hat mit spielbar.de nicht nur eine neue Website mit pädagogischen Informationen zu aktuellen Spielen bereitgestellt, sondern organisiert auch Workshops und Vorträge auf der Messe. Was Eltern in Bezug auf digitale Spiele vor allem begreifen sollten, erläutert Monica Mayer, Psychologin am Institut für Theoretische Psychologie an der Uni Bamberg: "Kinder und Jugendliche haben selten die Möglichkeit zu zeigen, wozu sie wirklich in der Lage sind. Weil sie diesen Raum nicht haben, erschaffen sie sich diesen Raum in der virtuellen Welt."

Nachholbedarf besteht aber nicht nur auf Seiten der Eltern. Die rechtliche Situation im Jugendschutz ist bei Videospielen derzeit alles andere als übersichtlich. Nicht nur die immer wiederkehrenden Diskussionen um Verbote bestimmter Spieltypen, sondern auch die Vielzahl der zuständigen Institutionen verwirrt die Eltern. So überprüft die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) nur Spiele, die auf physikalischen Datenträgern wie CD oder DVD verkauft werden. Für Software, die kostenlos oder gegen Gebühr per Download angeboten wird, gelten hingegen die Bestimmungen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags.

Daraus ergeben sich unbeantwortete Rechtsfragen für Spiele, die sowohl per Internet als auch per Datenträger vertrieben werden. Noch komplizierter wird die Lage durch die teilweise konkurrierenden Zuständigkeiten der USK mit der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM): Hat die USK einen Spieletitel bereits bewertet und eingestuft, kann die BPjM diese Bewertung nicht mehr revidieren, was bereits zu hitzigen Diskussionen innerhalb der Politik geführt hat.