Sprache Innovative KaninchenzüchterSeite 2/2
Titelkram
Journalisten schreiben gern, dass eine andere Zeitung "titelte", wenn sie eine Überschrift zitieren. Trotz medialer Verbreitung ist das neue Wort nicht Allgemeingut geworden - vielleicht, weil mancher Leser bei ihm erst einmal an "tüttelte" und "Tüttelkram" denkt. "Titeln" scheint jedenfalls kein Anwärter für den Titel der gelungenen Erfindung eines neuen Verbs zu sein.
Merkel hofft
Bewegung hin zu Erhofftem ist neuerdings bei Verantwortlichen sehr beliebt in stückweiser Form. Angela Merkel hofft so, dass "es gelingt, im Irak die Uno wieder ein Stück weit in die Verantwortung zu nehmen", um "ein Stück weit Missverständnisse abzubauen". DFB-Kopräsident Theo Zwanziger ging es im Schiedsrichterskandal darum, die "mehr als unangenehme Geschichte (...) ein Stück weit abzuschließen".
Die Menschen abholen
Früher holte man nur Tante Ulla vom Bahnhof ab. Heute wollen Politiker alle Menschen überall abholen, "wo sie leben, wo sie arbeiten, wo sie spielen", formulierte jedenfalls einer von ihnen nach einer wegen Rekordstimmenthaltungen aufgefallenen Landtagswahl. Auch die Presse soll "die Menschen abholen, nicht umgekehrt", lehrt ein Leitfaden für Zeitungsmacher.
Walter Krämer, Roland Kaehlbrandt: Die Ganzjahrestomate und anderes Plastikdeutsch. Ein Lexikon der Sprachverirrungen ; Piper Verlag, München 2007; 256 S., 14,90 €
- Datum 30.08.2007 - 08:11 Uhr
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- Quelle ZEIT online, tso | 27.08.2007 13:50
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Ein Beitrag über die deutsche Sprache und dann mal wieder das Adverb "stückweise", das hier zum Adjektiv gemacht wird. Hübsch!
...erleben wir längst, wenn wir den Politikern auf's Maul schauen. Wir erfahren, dass der Griff des Staats in fremde Taschen in der Sprache besonders eloquanter Politiker in Wirklichkeit eine Gabe ist: Man spricht von "Steuergeschenken". Jedem Linguisten stehen bei einem derartigen Oxymoron die Haare zu Berge, trotzdem wird der Wortmüll kritik- und kommentarlos geschluckt - und weiterverbreitet.
Betrachtet man den BEgriff der "sozialen Gerechtigkeit" etwas genauer, stellt man schnell fest, dass Gerechtigkeit nicht eingeschränkt werden kann - sie ist gerecht und nicht etwa sozial oder asozial. Das was schlechthin als "soziale Gerechtigkeit" bezeichnet wird, übersetzt sich beim näheren Betrachten lediglich in "Umverteilung" - wäre ehrlicher, klingt aber sehr viel nüchterner und vorallem weniger edel. So wird die Sprache instrumentalisiert, um wahlweise zu vertuschen, zu verschönen oder zu verzerren. Wen wundert's in Deutschland, in dem die Deutschen von ihren Volksvertretern nicht einmal als "Deutsche" adressiert werden, sondern lediglich als "Menschen". Man hätte sicherlich Deutschland schon in Menschenland unbenannt, wenn es nicht ab und zu negative Dinge gäbe, bei denen man die Menschen dann doch als Deutsche ansprechen muss: Dann nämlich, wenn es um Negativ-Meldungen geht, die wir zur Genüge kennen - die Deutschen sind zu fett, trinken zu viel, etc. etc.
"Dummdeutsch" ist nicht nur die Emanation dümmlicher Sprach-Verirrung, prollig anmutender Sprech-Blasenschwäche oder einfältigen GraPhiker.Durchfalls.de, sondern "Dummdeutsch" ist auch die bevorzugte Ausdrucksweise unserer gewählten und nicht gewählten LügnerInnen und LügnerAußen zur gezielten, manipulativen Sprach-Verwirrung. Verwirre die Sprache - und herrsche! Wer wusste das besser als Lenin? Nur ein dummes Volk ist ein gutes Volk. Es lebe das "Dummdeutsch"! Bist Du jetzt wohl still, Heinrich Heine! Auf dem Friedhof Montmartre wird nicht nachgeknurrt! Nur Ottos Mops hopst weiter. Ottos Mops kotzt.
Bei BILD wird nicht nur ganz fett getitelt, sondern auch ganz nett getittelt.
"Mir geht das etwas auf den Sack!" - "Ja was denn nu?"
Wenn dir etwas nicht gefällt, dann sage es doch - aber dann muss man ja Flagge bekennen - unsere Sprache verschwindet in einer Grauzone ohne tatsächliche Aussagen sondern nur mit Hinweisen in eine grobe Richtung, die man jedoch jederzeit wieder dementieren kann.
"Ja, mal gucken, ob wir morgen in den Urlaub fahren..." gefällt einem da schon weniger oder gar "Morgen geht ein bisschen die Sonne auf!"
Warum ich dieses alte Thema wieder aufgreife? Keine Ahnung, aber es regt mich auf, dass sich an der Gesamtsituation wiedermal NICHTS verändert hat, dazu steh ich und mache es hier Publik! Schließt euch zusammen und sagt, was Ihr eigentlich wollt! Eine Sprache, wo konkret gesprochen wird, eine Politik, wo nicht um den heißen Brei geredet wird? Ich könnte unzählige Themen aufgreifen und immer weiterschreiben, da mir aber nicht mehr all zu viele Zeichen für diesen Beitrag bleiben - IHR SEID NICHT ALLEIN!
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