Am Sonntagabend werden sich der Hamburger SV und Bayern München gegenüberstehen. Doch ein ernsthafter Konkurrent der Süddeutschen war der HSV zuletzt vor mehr als 20 Jahren. Damals, Mitte der Siebziger bis Mitte der Achtziger Jahre, begegneten sich beide Klubs auf Augenhöhe. Doch dann machten sich die Münchner auf den Weg, der scheinbar ewige Rekordmeister zu werden. Wie gelang es ihnen, den Erfolg zu abonnieren? Und was hat der HSV falsch gemacht?

Die erste große Bayern-Ära war äußeren Umständen geschuldet. „Durch die Olympischen Spiele 1972 in München hat der Verein sehr von der erneuerten Infrastruktur profitiert“, sagt Unternehmensforscher Bernd Frick. Ein nicht zu unterschätzenden Wert für die weitere Entwicklung der Bayern.

Der HSV überwand zu dieser Zeit die Krise der Nach-Seeler-Zeit. Der seit 1975 als Generalmanager engagierte Peter Krohn erkannte die enorme Sogkraft der Hafenmetropole für prominente Spieler. „Krohn hat ganz früh den Verein als modernes Unternehmen begriffen“, sagt der heutige HSV-Präsident Bernd Hoffmann. Krohn bezeichnete Fans als Kunden und versprach der Öffentlichkeit: „Ich führe den HSV an Europas Spitze“. Er hielt Wort. Es war der Beginn einer Ära: Zwischen 1976 und 1987 gewannen die Hamburger drei Meisterschaften, zwei Europapokale und zweimal den DFB-Pokal. Selbst die Lichtgestalt des deutschen Fußballs, Franz Beckenbauer, streifte damals das HSV-Trikot über.

Bayern München rutschte indes in eine Krise. In deren Folge gelangen zwischen 1975 und 1978 nur die für die eigenen Ansprüche miserablen Tabellenplätze 10, 3, 7 und 12. Für heutige Verhältnisse unvorstellbare wirtschaftliche Nöte kamen dazu: 1,6 Millionen Mark Ablöse für Kevin Keegan waren den Münchnern zu hoch. Ein Jahr später, 1977, tätigte stattdessen der HSV den ersten Megatransfer, der die Zwei-Millionen-Euro-Marke überstieg: Kevin Keegan wechselte an die Elbe.

Doch während sich die Hamburger im Glanz des Erfolges sonnten, trat 1979 in München ein neuer Manager sein Amt an. Uli Hoeneß sollte es gemeinsam mit seinem ehemaligen Zimmerkollegen Paul Breitner schaffen, die Bayern in die Erfolgsspur zurückzubringen. „Der Name des Vereins und die meisten Spieler bleiben. Was sich ändern wird, ist, dass wieder Pokale dastehen werden“, posaunte er als eifriger Jungmanager im Alter von 29 Jahre in die Welt. Fortan sollten die Bayern, mit minimalen Unterbrechungen, zumindest national immer die Erfolgreichsten sein. Seit Hoeneß Amtsantritt gewannen die Münchner 14 Deutsche Meisterschaften.

Und der HSV? Nach 1987 brachen die Norddeutschen ein. Seitdem gewannen sie keinen einzigen Titel mehr. „Es wurde in der Glanzzeit versäumt, die Weichen für die Zukunft zu stellen“, kritisiert Unternehmensforscher Frick.